Auf dem Weg von unserem Haus nach Kalamata kommt man im Dorf Verga an einer sehr frequentierten Bäckerei vorbei. Der Parkplatz davor ist immer gerammelt voll, denn so ziemlich jeder hält dort an, um Brot und Gebäck zu kaufen. So auch wir.
Heute hielten wir mit vollgepacktem Auto, denn wir waren auf dem Weg nach Athen. Während mein Mann hineinging, um für sich eine Bugatsa (warmes süßes Gebäck mit Puderzucker und Zimt) und für mich eine Spanakopita (Spinatgebäck mit Schafskäse) zu kaufen, fiel mir das Firmenschild ins Auge.
„Brot, Süßes, Kaffee“ werden darauf angepriesen. Artos – das altgriechische Wort für Brot – mag ich besonders, und zwar nicht nur wegen der Lautähnlichkeit mit Art = Kunst, sondern wegen der Gebetszeile Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον = Unser tägliches Brot gib uns heute.
Willst du in Griechenland Brot kaufen, so wirst du nach ψωμί (psomi) fragen, aber an dem Geschäft wirst du lesen: αρτοποιείον (artopoieion, Brotbäckerei). Darin hat das alte, sonst ungebräuchlich gewordene Wort artos/Brot überlebt. Und auch das altgriechische Wort ποιειν (poiein, machen, schaffen, komponieren) steckt darin. Poesie hat dieselbe Wortwurzel. Brotbäckerei = Kunst und Poesie….
Aufmerksam geworden, betrachtete ich auch noch das andere Firmenschild. Das wendet sich halbherzig an die internationale Kundschaft. Der griechische Name „Gebrüder B. Sourea“ wird ergänzt durch das Wort „Family bakery“. Und in Großbuchstaben darunter, wieder griechisch: seit 1918
Donnerwetter! Das war mir bisher nicht bewusst, dass diese Bäckerei schon 106 Jahre lang besteht und immer noch von derselben Familie geführt wird! Gebacken wird hier freilich nicht, es ist nur eine der vielen Filialen der Bäckerei, die ihren Sitz in Kalamata hat. (unbezahlte Werbung)
Nun bin ich wieder in Maroussi und habe einen anderen Bäcker, der noch selber in seiner Backstube backt.
Danke Gerda, da ist es nicht nur Brot, sondern auch Kunst, Poesie, Heimat und göttliches Geschenk 💛🌟🍞🥖🥐
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das alles ist Brot. Es nährt uns, wenn wir es haben.
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🙏
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Du hast mir den Ursprung des Wortes Artos (Brot) deutlich klar gemacht. Vielen Dank auch! Die Fotos waren beeindruckend.
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Sehr interessant…
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Brotbäckerei = Kunst und Poesie….
Das klingt ganz wundervoll, Gerda!
Noch besser gefällt es mir, wenn eine Bäckerei selbst backt.
Ich habe so viele jahre bei einer großen Backkette gearbeitet und wußte, wer welche Backwaren geliefert bekam und wo sie ursprünglich herkamen.
Die französichen Backwaren aus dem Elsass, die Laugenbrezeln aus Polen, was für mich ganz erstaunlich war. Dachte ich doch immer, sie kämen, wenn nicht aus der kleinen Bäckerei an der Ecke, dann eben von irgendwo in Bayern *g*
Bei manchen Cafés durfte nur heimlisch abgeladen werden… tja 🙂
Heute kaufe ich bei einer kleinen Bäckerei im Nachbardörfchen und weiß genau, wer da tatsächlich backt… Und wenn das große Auto mit dem Mehl kommt, gucke ich ein Weilchen gebannt zu und freue mich
Es ist alles lange her und alles hat sich schon wieder geändert.
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Danke, auch für deinen Erfahrungsbericht. Mein Mann arbeitete nebenher zum Studium bei deiner großen Brotbäckerei, er war der „Chef-Chemiker“, was bedeutete, dass er nach einer langen Liste Chemikalien in vorgegebenen Mengen den Teigen zugeben musste. Über zwanzig waren es. Und ich war froh, als er mir davon erzählte, dass ich das Brot jener Bäckerei nie gekauft hatte…
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Mein Kommi ist scheinbar wieder bei den Spams
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und jetzt wieder einer …
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Die Mischung aus Kunst und Poesie gefällt mir.
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Mir auch! Ich liebe solche pseudo-ethymologischen Gedankenspiele. Und wenn ich nun frisches duftenden Brot esse, spüre ich der Kunst und Poesie seiner Formen, Geschmäcker, Strukturen nach. Ich esse Gedichte.
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Dazu mass es aber besonders gut schmecken *schmunzel*
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Das klingt schön!
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