Meine Zeichnung von Hygeia vor dem Olivenbaum hat Anlass zu der Frage gegeben, was für und was gegen die gleichzeitige Anwesenheit kleiner (Hygeia-Kopf) und großer (Olive, Landschaft) Objekte auf einem Bild spricht.
Christiane sprach sich dagegen aus: Ich finde, wenn du etwas Großes und etwas Kleines nebeneinanderstellst, verlieren beide. Für mich ergibt die Göttin vor dem Olivenbaum kein harmonisches Ganzes. Eigentlich finde ich es schade.
Ich hielt dagegen: Ich persönlich mag diese Verbindung sehr. Die strenge Auflösung in „entweder Landschaft“ – „oder Mensch“ behagt mir nicht. Sie zeigt eine Zerstörung eines idealen Naturzusammenhangs an, der in der Romantik angestrebt wurde. Natürlich ist die Hygeia kein Mensch, aber sie erfüllt hier denselben Zweck. Sie spiegelt die Harmonie der Landschaft in ihren lieblichen Zügen. Ich hätte auch sagen können: dass es ein Gipskopf und nicht die Göttin selbst ist, die die Romantiker gemalt hätten, zeigt den traurigen Zustand an, in dem sich die Beziehung des Menschen zu Natur und ihrer Göttlichkeit befindet
Doch möchte ich auch Christianes Argument gelten lassen. Ich habe daher meine Zeichnung in zwei Ausschnitte zerlegt.
Das Bild, wie ich es zeichnete:
a) Die Skulptur ohne die Landschaft
b) Die Landschaft ohne die Skulptur
Nun magst du urteilen, was dir mehr zusagt, und warum!



Mir gefällt nur die Landschaft am besten, weil ich Zeichnungen von Büsten, Statuen und sonstigen ohnehin vom Menschen geschaffenen Dingen nicht besonders mag.
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Fällt darunter auch die Mauer?
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Nein, die Mauer nicht, die rechne ich zur Landschaft. Meine Kriterien sind nicht logisch, ziemlich wirr und seeeehr persönlich 😉
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Nein, die Mauer nicht, die zähle ich zur Landschaft 😄
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Aha. Äpfel in der Schüssel, Blumen in der Vase – was ist menschengemacht und daher nicht des Zeichnens würdig, was Natur? ich erinnere mich freilich: du magst überhaupt keine Stillleben. Und der Kopf macht das Bild zu einem solchen. (Ich mag Stillleben in der Malerei sehr, außer wenn tote Hasen und Fasanen abgebildet sind)
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Was für ein gutes Gedächtnis du hast ! Tatsächlich mag ich keine Stillleben. Wobei ich Bilder eigentlich rein emotional beurteile. Ich schaue mir sehr viele Bilder an, manche sagen mir nichts obwohl ich vielleicht das gute Handwerk bewundere, andere machen mich glücklich und bei noch anderen rinnen mir die Tränen übers Gesicht. Auf Stillleben reagiere ich im Normalfall gar nicht und kann ihnen im Normalfall nicht einmal theoretisch etwas abgewinnen. Das ist ja aber kein Qualitätsurteil sondern eine rein persönliche Befindlichkeit.
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danke dir!
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In Deiner Zeichnung hast Du „die Natur“ und „die Göttin“ als Einheit gedacht. Das merkt man, wenn „die Natur“ ohne den Kopf erscheint. Da fehlt dann etwas.
Wenn man den Kopf auf dem Ständer allein sieht, fehlt auch etwas, weil es dann nur ein Kopf ist.
Wenn ich beides zusammen betrachte, bildet es eine beziehungsvolle „Einheit“.
So sahen die Naturvolker ja ihre „Götter“ und „Göttinnen“, die eigentlich hohe Wesenheiten sind, welche die Natur betreuen und schützend über ihnen stehen.
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Danke, Gisela. So ist es wohl. Wenn die Alten kleine Idole an den Feldrain stellten oder heute die Katholiken ihre Marienbilder, taten/ tun sie auch nichts anderes. Das Idol erinnert sie an die geistige Kraft dahinter und verstärkt ihre wohltuende Wirkung – so empfinden es gläubige Menschen.
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Aufgeteilt gefällt mir die reine Landschaft besser. Aber ich habe kein Problem mit der Ausgangszeichnung, wie ich eben angemerkt habe. Möglicherweise haben wir ein Stück weit aneinander vorbeigeredet.
Morgenkaffeegrüße ⛅🌳🌻☕
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ich fand es anregend! Hab einen schönen Sonntag!
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Gerda, bitte interpretiere in meine Worte nicht mehr hinein, als ich es sagte. Ich bin nicht dafür, irgendwelche Götzenbilderverehrung zu rechtfertigen.
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Aber verstehen kann ich es andererseits schon, wenn die Menschen es taten und tun. Verurteilen kann ich es auch nicht.
Aber Du weißt ja, daß der Apostel Paulus in Athen den einen einzigen „Altar zu Ehren des unbekannten GOTTES“ besucht hat, um IHM, dem Einzigen, zu dienen, Dem dann wiederum alle Naturgötter auch dienen. Das ist kein Widerspruch.
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