Bilder bewerten und ausrangieren: Klebestreifenbilder und Collagen 11-50

Ich war heute, als ich wieder mal einen Stapel diesmal recht kleiner Bilder durchgesehen und fotografiert hatte, ziemlich unsicher, ob ich in dem eingeschlagenen Tempo weitermachen soll. Einerseits will ich fertig werden, andererseits fürchte ich, euch, meine Leserschaft, zu vergraulen, wenn ich Tag für Tag einen Haufen Bilder poste, viel zu viele, um sich ein vernünftiges Urteil zu bilden.

Dann schrieb mir Gerhard von KopfundGestalt auch noch einen nachdenkenswerten Kommentar: „Ich empfinde, Du mutest dem Betrachter etwas zu viel zu. 😉 Jedes Werk verdient ja einen Kommentar … und zwar hinsichtlich vieler Aspekte wie Technik, Format, Mittel etc“. Danke, Gerhard. Du hast im Prinzip vollkommen recht – aber eben nur im Prinzip. Denn was ich hier versuche, ist eine Übersicht und Gesamtschau mit zwei Zielen: eines ist, mir selbst mein Werk vor Augen zu führen und mir die Frage zu stellen, was von all dem mir nach wie vor wichtig ist. Das könnte ich natürlich auch tun, ohne es zu posten. Doch ist dieser Blog eine Art Tagebuch dessen, was ich tagtäglich tue – und gegenwärtig tue ich eben dies. – Das andere Ziel ist, alle meine Bilder im Internet zu „verewigen“. So kann jederzeit darauf zugegriffen werden. Falls ein Interesse an einem Bild besteht, kann ich die von Gerhard genannten Aspekte (Technik, Format, Mittel etc) nachliefern.

Ich mache also weiter. 

O wei, 40 Bilder! Viele davon sind hinter Glas und gerahmt, womit schon mal bewiesen ist, dass sie mir bedeutsam waren. Einige hingen bis vor wenigen Tagen an der Wand im Atelier, und andere (hier nicht abgebildet) hängen in Athen. Du fragst dich vielleicht, was denn an diesen armseligen Schnipseleien und Klebereien so bedeutsam für mich ist?

Nehmen wir mal das zufälligerweise erste. Es ist eine abstrakte Komposition aus Pigmenten, Ölkreide, Klebeband, Bleistift. Es stellt nichts dar. Aber es hat eine starke aber gebremste Bewegungsenergie, etwas geschieht oder will geschehen. Und dieses Geschehen bewirkt etwas in meinem Inneren, ich muss ihm nachgehen, ich möchte es ergründen.

Und das zweite in der obersten Reihe? Hier sind Blöcke aus bräunlicher Pappe mit Kleber und Klebeband auf dem Untergrund befestigt. Wild bewegte blaue Farbe – wiederum sowohl Pigmente als auch Ölkreide umtosen sie.

Und dieses? Der Grund ist aus Klebeband und grauer, rötlicher etc Farbe gebildet, darauf ist scharze Tinte mit breitem Pinsel, teils auch gegossen aufgetragen. Links steht eine hohe Figur, zu ihren Füßen sitzen andere Gestalten,vielleicht auch Tiere … Nun, der Zauber besteht gerade darin, dass jeder sehen kann, was er mag, wie beim Rohrschachtest.

Und nun eines der beiden Hochformate. Dieselben Materialien. Eine offene architektonische Struktur, im Innern vorn ein geheimnisvolles Leuchten.

Ich greife noch eins willkürlich heraus. Hier kommen zu den anderen Malmitteln Ausrisse aus einer Zeitschrift hinzu. Eine alte Frau mit einem schwarzen Tuch um den Kopf, in den Händen hält sie etwas. Sie schaut mich an. In dem schwärzlichen spinnenwebartigen Lineament über ihr kann man, wenn man will, nun auch ein Gesicht erkennen, sehr viel größer als ihres und aus einer anderen Dimension in Erscheinung tretend. Dann gibt es noch einen rätselhaften Text links oben, ein Brief? eine alte Handschrift, an deren Rand ein Kind etwas gezeichnet hat? Das Bild öffnet sich und erzählt viele Geschichten.

Und noch eins. Hm, dies ist keine Collage, sondern ein Zeichnung mit Ölkreide, wohl auch  teilweiser Übermalung mit wässriger Farbe. Sie wirkt ein wenig wie die Erinnerung an einen Gebäudekomplex, der nicht mehr steht, von oben gesehen.

und dies?


jenes?

oder vielleicht das Hellfarbige, in dem kleine Elemente in eine kreisende Bewegung geraten sind – eine Bewegung, die nicht glatt verläuft, sondern immer wieder gehemmt wird…

Warum also sind mir diese kleinen Arbeiten so wichtig? Warum habe ich sie alle aufgehoben und sogar hinter Glas gebracht?

Wenn du magst, schau dir die ganze Sammlung durch, du brauchst nur auf die kleinen Ikonen zu tippen, und schon gehen sie auf.

 

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Architektur, ausstellungen, Collage, Kunst, Leben, Materialien, Meine Kunst, Psyche abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Responses to Bilder bewerten und ausrangieren: Klebestreifenbilder und Collagen 11-50

  1. Darin steckt viel… Es braucht wohl noch etwas Zeit, die darin steckenden Werte zu entdecken. Aber es könnten „Schätze“ sein.

    Like

  2. Liebe Gerda,
    jedes hat einen besonderen Zauber und im Original sind sie bestimmt noch sehenswerter! Ich habe eins gefunden, das mich ganz besonders anspricht und an dem ich großes Interesse habe!
    Ich schreibe Dir eine Email!

    Like

  3. Jetzt bin ich durch diesen post per phone gewandert. Was natürlich nur ein ersatz sein kann für den pc- bildschirm.
    Wow, du hast Talent 😉
    So sagte mal eine bekannte zu meinen werken und verärgerte mich damit (etwas ).
    Nein, deine Werke haben Kraft!
    Gerne gehe ich ein 2tes mal durch 😀

    Like

  4. Avatar von sonnenspirit sonnenspirit sagt:

    Ich finde das Ganze klasse, denn es ist wie ein Archiv und ausserdem ersichtlich sind die vielen Prozesse, die in und durch deine Werke stattfinden. Auch wenn ich nicht jeden post täglich ansehen muss. Denn sie bleiben ja, ich weiss nicht -solange es Internet gibt…Mir gingen schon mal Fotos verloren, die ich dann selbst wieder herunterladen konnte. Allerdings bewahre ich nichts mehr in clouds auf. Denn meine Fotos sind ja auch persönliche Tagebücher. Dein Ausdruck ist mir durchaus ein willkommenes Geschenk im Dschungel der täglichen Nachrichten.

    Like

  5. Avatar von bluebrightly bluebrightly sagt:

    I really like these, Gerda…especially the first, third, fifth and the last one. It feels overwhelming to look at all of them but what you said in the beginning – your reasons for doing this – that make sense.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu sonnenspirit Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..