Der Falter (Kleine Beobachtungen, mit Dora)

Ich stelze durch einen Olivenhain, in dem die Kräuter hochgeschossen sind, oft genug mannshoch. Der Pfad, den es hier vor einem Monat noch gab, ist kaum noch zu erraten. Erstaunlich diese Wachstumskraft, die sich nach einem Tag sanften Regens und einigen Tagen milder Sonne im ausgelaugten Boden zeigt. Die Oliven sind ja Monokulturen, die Böden sind verarmt, zudem werden viele Felder durch Roundup kahl gebrannt. Aber dann bricht sich das Leben doch wieder Bahn und schafft gewaltige Mengen an „Biomasse“- bis die Hitze kommt und alles verdorrt.

Ich arbeite mich also durch den Olivenhain vorwärts. Da schreit Dora plötzlich: HALT! Ich bleibe wie angewurzelt stehen. Was ist los? Eine Schlange? Nein, es ist „bloß“ ein auffallend schöner Falter, der mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Halm sitzt und sich nicht rührt.

Er rührt sich auch nicht, als ich näherschleiche und mein Handy zücke. Er rührt sich nicht, als ich vorbei gehe. Was ist mit ihm geschehen?

Merkwürdig scheint mir nicht nur die Bewegungslosigkeit, sondern auch die Form: was ist das für ein Kopfende? Vier Fühler? Zwei Füher, zwei Beine mit Füßen, die sich an der Blüte festklammern?  Wieder und wieder betrachte ich die Fotos, vergrößere einen Bildausschnitt, komme aber zu keinem Schluss. Ist das alles ganz normal, und ich weiß eben nicht Bescheid?

„Ich weiß tatsächlich nicht Bescheid“, gebe ich auf Doras Frage hin zu. „Ich werde mal meine Leser fragen.“ – „Ja, tu das“, pflichtet Dora mir bei. „Und frag auch deine Leserinnen!“ Ach, richtig, Dora gendert! Ich hingegen includiere selbstverständlich alle hier Lesenden, wenn ich die altmodische Form „Leser“ benutze. Man möge es mir verzeihen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Dora, Erziehung, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Tiere, Umwelt abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Der Falter (Kleine Beobachtungen, mit Dora)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Das ist ein „Trauermantel“, bezaubernd schön. Aber was ist mit ihm los? Stirbt er gerade?

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  2. Christiane schreibt:

    Das ist ein Schwalbenschwanz, zumindest in Deutschland ist er sehr selten und „besonders geschützt“. Ich weiß nun echt wenig über Schmetterlinge, aber vielleicht war er gerade mit der Eiablage beschäftigt?
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schwalbenschwanz_(Schmetterling)
    Morgenkaffeegrüße 🌤️🦋☕🍪🌼👍

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  3. hanneweb schreibt:

    Da ist dir aber ein wunderschöner Schwalbenschwanz Modell gestanden, Gerda und hattest Glück. Denn mir begegnete erst einmal so ein hübscher seltener Falter bei einer Wanderung auf einem Hausberg bei uns und flatterte anfangs ständig herum, ohne mir die Chance für ein Foto zu geben. Nur mit viel Geduld und ihn verfolgend gelang es mir dann doch ihn im Bild festzuhalten.
    Liebe Grüße von Hanne

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  4. Ein wunderschönes Exemplar. Habe ich noch nie so gesehen, so wie Du jetzt.

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