Montag ist Fototermin: Autocolor und die erlebte Wirklichkeit

In Ost-Attika zu Besuch. Ich schaue aus dem Fenster, vor mir die zerstörte Landschaft. Zerstört wurde sie zuerst durch die anarchische Bebauung, dann durch einen verheerenden Brand (ich berichtete darüber, zB hier). Die Pinienwälder hatten den schändlichen Anblick gnädig verhüllt.

Man muss diese bauliche Verwüstung nicht sehen. Man kann in die Weite schauen: dort ist das Meer, und jenseits des Meeres liegt Euböa. Von Ferne ist Euböa schön. Von Nahem: auch dort haben Bauwut und Feuer gewütet. Aber das kann ich von hier aus nicht sehen. Ich kann die ferne Küste heranzoomen, ohne dass sie dadurch an Schönheit verliert..

Die anarchische Bebauung des Küstenstreifens ist aus dieser Entfernung erträglich, zumal hier die Bäume stehen geblieben sind. Dennoch: Schöner wäre die Landschaft ohne den bebauten Streifen, denke ich, und schneide ihn ab.

Ein bisschen schwachfarbig, finde ich. Das Meer war viel dunkler. Gelegentlich spielte es sogar ins Schwarze, dann nämlich, wenn eine Wolke über die Sonne zog. Auch sah ich mit bloßem Auge kleine weiße Schaumkronen auf dem Meere tanzen.  Ob sich die wohl durch  Bearbeitung des Fotos herausbringen lassen?

Zunächst gehe ich auf Auto Color. Das ist ein Einstellung von Fotoshop, die automatisch die Farbwiedergabe reguliert und sie möglichst an die „wirklichen“ Farben anpasst.

Igitt! Nein, Dieses Blau ist vollkommen falsch. Nie und nimmer sah das Meer so aus! Also gehe ich nun auf „Auto Tone“ – die Einstellung reguliert automatisch die Helligkeitswerte.

O je! Nein!! Soo dunkel war das Meer nun wirklich nicht. Die heftigen Kontraste haben  nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Und wenn ich nun die Intensität von Auto Tone ein wenig zurückfahre und per Hand die Helligkeit steigere?

Das kommt schon mehr an die „Wirklichkeit“ heran, wenngleich dieses Blau …. , nein! Es ist hoffnungslos.

Die heftigen Veränderungen der Lichtwerte hängen natürlich damit zusammen, dass ich den  dunklen Vordergrund weggeschnitten habe. Wenn ich das Originalfoto mit Autocolor und Autoton bearbeite, verändert es sich nur wenig. Das Blau ist auch auf diesem Foto total falsch, aber es kommt den Seherwartungen entgegen und wird nicht unbedingt als künstlich empfunden.

Lichtwerte und Farben werden auch durchs Heranzoomen beeinträchtigt. Also mache ich einen letzten Versuch: Ich nehme das erste Foto, das durch das Fenster gerahmt wird, schneide mir den Teilaspekt mit Meer, Himmel und Euböa-Küste heraus und begradige den Horizont. Dadurch erhalte ich ein nicht-gezoomtes Äquivalent des obigen Fotos.

Einen winzigen Streifen schwarzen Fensterrahmen lasse ich links stehen, um Autotone und Autocolor zu täuschen. Nach dem Einsatz dieser beiden Instrumente sieht das Foto nun so aus.

Es ist zwar nicht gänzlich falsch, aber auch jetzt fehlt alles, was mich an dem Motiv reizte: die Lebendigkeit des dunklen Meeres mit den kleinen springenden Wellen und der Glanz des Himmels …. Es ist hoffnungslos.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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22 Antworten zu Montag ist Fototermin: Autocolor und die erlebte Wirklichkeit

  1. Stefan Kraus schreibt:

    Deine Beschreibung lässt aber das wirkliche Bild dem entstehen, der es ähnlich einst sah.

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  2. Pit schreibt:

    Ach ja, liebe Gerda, die Bildbearbeitung! Davon kann ich auch ein Lied singen, da ich fast jedes meiner Bilder nachbearbeite, ehe ich es in meine Blogs hochlade. Dabei – ich muss es zugeben – uebertreibe ich es oft. Mit Deinem Bild habe ich es gerade einmal probiert, einmal mit meinem normalen Bildbearbeitungsprogramm, ACDSee Ultimate und der Funktion „dehaze“. Das hebt die Berge im Hintergrund deutlich besser hervor und macht das Meer ein wenig blauer. Die zweite Bearbeitung war mit EasyHDR, und da werden, je nach Auswahl der Voreinstellungen, die Farben viel satter und die Kontraste hoeher. Um echt daran arbeiten zu koennen, war das aus Deinem Blog heruntergeladene Bild allerdings zu klein. Ich habe das Bild jetzt wieder von meinem Laptop geloescht und ich hoffe Du verzeihst mir, dass ich es ohne Dich zu fragen heruntergeladen habe.
    Liebe Gruesse,
    Pit

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Pit! Ich freue mich über deine Experimente. Gerne möchte ich dir auch eine größere Version schicken, wenn du mir die Ergebnisse dann zurückschickst, damit ich sie einfügen kann. Wenn du das möchtest, gib mir eine Adresse an (ich werde sie dann auch gleich wieder löschen).

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      • Pit schreibt:

        Mach‘ ich doch glatt, liebe Gerda. Schicke mir bitte das Foto – am besten unbeschnitten – in der groesstmoeglichen Aufloesung, die Du hast. Kann irgendein Bilddateiformat sein. Wenn Du hast, am besten „Rohformat“ [RAW-Datei]. JPG geht aber auch.
        Meine E-Mail Adresse ist: w.vins@gmx.de
        Du brauchst die Adresse uebrigens nicht unbedingt zu loeschen, aber danke fuer das Angebot. Ich ueberlasse es Dir.
        Bis dann, und mach’s gut,
        Pit

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Pit! ich habs dir in JPG Format in größtmöglicher Auflösung geschickt und binnun gespannt, ob es was bringt.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Pit1 🙂

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      • Pit schreibt:

        Hallo Gerda,

        hier sind einmal ein paar Bearbeitungen Deines Fotos.

        – „Dehaze 1“ ist mit ACDSee bearbeitet. [Gefaellt mir eigentlich am besten.]

        – „Dehaze 2“ mit Cyberlink Photo Director

        – „LDR-default“, „LDR-enhance4“ und „LDR-natural2“ alle mit EasyHDR. [Bei diesen drei kommen mir die Kontraste zu stark.]

        Liebe Grüße,

        Pit

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Pit, wie kann ich sie aufmachen? Hier sehe ich leider nur deine technischen Angaben, sehe aber keine Bilder. Vielleicht kannst du sie per mail schicken? Dann aber bitte IMG format, sonst weiß ich wieder nicht, wie ich sie aufmachen kann. Liebe Grüße!

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      • Pit schreibt:

        Liebe Gerda,
        die Bilder sollten eigentlich gar nicht hier im Blog gelandet sein, sondern Dich per E-Mail erreicht haben. Was da passiert ist, das ist mir ein Raetsel.
        Ich versuche noch einmal, Dir die Biilder per E-Mail zu schicken. Dann solltest Du sie problemlos oeffnen koennen.
        Liebe Gruesse,
        Pit

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      • gkazakou schreibt:

        danke, ja, ich habe sie erhalten und geöffnet.

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      • Pit schreibt:

        Ich glaube, ich habe den Fehler gefunden. E-Mail mit den Bildern ist an Deine Yahoo-Adresse unterwegs.
        LG,
        Pit

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      • gkazakou schreibt:

        Lieber Pit, die Fotos sind angekommen. das von dir Bevorzugte ist als Foto tatsächlich schön, aber es stimmt mit der erinnerten Farbigkeit nicht überein. Das Foto ist viel zu blau, genauso wie bei mir. Ich danke dir aber sehr für deine Bemühungen!

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, Dein letzter Versuch ist schön. Dennoch fehlt Dir etwas: Das für Dich Wesentliche: Die Lebendigkeit und Echtheit.
    Wir aber sehen, wie fein man auf alles achten sollte. Die Wahrheit jedenfalls ist schön und lebendig, die Lüge dagegen kitschig und irgendwie „tot“.

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  4. lyriost schreibt:

    Wegschneiden ist keine Lösung, finde ich.

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  5. lachmitmaren schreibt:

    Was man dank der heutigen Technik mit Bildern so alles machen kann, ist doch immer wieder spannend. Umso erstaunlicher, dass wir trotz dieses Wissens so oft denken, SO habe etwas tatsächlich ausgesehen, wenn wir ein Foto betrachten … . Danke für deine – für mich als technisch Unbegabter immer wieder besonders interessanten – Hinweise in diese Richtung!

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, es ist erstaunlich! Immer wieder lesen und hören wir: „ich habe die Bilder gesehen“ oder, vorwurfsvoll: „Hast du nicht die Bilder gesehen?“ Von 11/9 über Bergamo bis Butscha – Bilder. Hast du das Video gesehen, das Elsbeth mal verlinkte? Es ging um russische Jugendliche, die angeblich als Freizeitvergnügen und Kick aufeinander schossen. Das Ganze wurde dann im zweiten Teil ausführlich erklärt: wo es gedreht wurde, welche Requisiten benutzt wurden, welche Vorurteile …. Alles raffinierter FAKE. Und doch wirken die Bilder nach, sie sind so ECHT!

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  6. Ich bearbeite im ganz kleinen Rahmen ja auch, Gerda, aber ich gehe tatsächlich am Ende des Herumprobierens meist auf das Original zurück, weil es für meine Augen halt tatsächlich das Eche ist…

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