Täuschung: Traue keinem Foto, außer du hast es selbst gefälscht

Ich habe heute zwei Bilder mit Spiegeleien zu „April April“ gepostet. Es sind unschuldige Tricksereien, die mit bescheidenen Kenntnissen von Fotoshop leicht herzustellen sind. Dass ich Dora samt ihren Doppelgängern ins Foto eingefügt habe, ist offenkundig. Wie aber ist es mit mir selbst, die per Rückenansicht im Foto zu sehen ist? Es war niemand dort, um mich zu fotografieren, und ein Selfie aus dieser Position könnte ich nicht schießen.

Ich stelle diese Frage, weil ich zeigen möchte, wie leicht Menschen heute in die Irre geführt werden können, weil sie Fotos für Realität halten. Erste bekannte Fälle bewusster Täuschung waren das Entfernen von russischen Revolutionären aus Fotos, nachdem sie in Ungnade gefallen bzw ermordet worden waren. Schau mal hier.

Selbstverständlich wäre es naiv anzunehmen, dass nur Stalin zu solchen Mitteln der Retusche griff. Und noch naiver wäre es anzunehmen, dass die Propagandisten aller Lager die inzwischen gewaltigen Möglichkeiten der Manipulation der Menschen durch Bilder ungenutzt lassen. Das geht von einfachen Tricksereien – zB dass man Särge mit ertrunkenen Flüchtlingen aus Lampedusa zeigt und behauptet, sie enthielten Tote einer noch fast unbekannten schrecklichen Epidemie* – bis hin zu akribischen Bildbearbeitungen.

Was sich  im Propagandakrieg abspielt, lässt nur eine Warnung zu: Traue keinem Foto, außer du hast es selbst gefälscht! Quod erat demonstrandum.

Hier die drei Ausgangsfotos meiner heutigen Trickserei.

 

und das Ergebnis:

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* Einen interessanten Artikel über die Wirkung von Bildern fand ich unter

daraus Zitat: „Ebenfalls aus Italien erreichte uns damals ein Foto mit mehreren Reihen von Särgen, auf denen eine rote Rose liegt, kombiniert mit dem Satz: „Vielleicht ein Grund, dass alle mal zuhause bleiben sollten“. Nur leider: Einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab es in diesem Fall gar nicht, das Foto stammt aus dem Jahr 2013 und zeigt die in einem Flughafen-Hangar aufgereihten Särge ertrunkener Boots-Flüchtlinge auf Lampedusa.“

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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10 Antworten zu Täuschung: Traue keinem Foto, außer du hast es selbst gefälscht

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Dein Aprilscherz ist Dir wirklich gelungen, Gerda. Danke auch für die „Auflösung.“

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Es gehört aber Wohl noch viel Fleiß und Phatasie dazu, es so zu einem “ Kunstwerk“ zu gestalten.😊

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  3. Peter Klopp schreibt:

    Happy April Fool’s Day, Gerda!

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  4. Alexander Carmele schreibt:

    Die ganze moderne Reproduktionstechnik stellt seit Anbeginn die Frage, was ist nun Realität. Das, was jemand mit bloßem Auge sehen kann, oder das, was eine Maschine registriert. Bald werden die Autos automatisch fahren und Chipimplantate die Augen verbessern – und du stellst hier eine gruselige Durchmischung zur Verfügung. Wenn man moderne Technik nimmt, um seinen Blick, seinen Fahrstil zu verbessern, wer sagt dann, dass die Datenverarbeitung nicht gelenkt ist? Gute Reproduktionstechniken besitzen keinen Zeitstempel mehr, und plötzlich ist wahr, was plausibel ist. Ist aber Plausibilität nicht ein sich selbst verstärkender Prozess? Und dann wären die biologischen Verarbeitungsfehler wie der Ames Room. Einen schönen Denkanstoß gibst du da. Ich wünsche euch ein sonniges Wochenende!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Alexander. Vielleicht ist ja das, was wir Realität nennen, nur Maya, und wir werden die Wahrheit in ganz anderen Gefilden suchen müssen als in denen, die uns unsere Sinne erschließen. Noch trauen wir unseren Sinnen – aber die Basis für dieses Vertrauen ist längst brüchig geworden.
      In diesem Zusammenhang fällt mir plötzlich die Geschichte vom „ungläubigen Thomas“ ein, der an die Auferstehung Jesu nur glauben wollte, sofern er die Finger in die Wunden legen durfte. Da wird wohl der Schnitt angedeutet, der sich zwischen empirischer und geistiger Wahrheitssuche heute mehr denn je auftut. .
      Der von dir aufgeworfene Begriff der Plausibilität wäre da einzuordnen. Sie hat sicher etwas mit geistiger Tätigkeit zu tun – aber ist quasi „verunreinigt“ durch den grundsätzlichen Zweifel des Empirikers an der gestigen Erkennbarkeit der Weltzusammenhänge.

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  5. Toll gemacht und nachvollziehbar dokumentiert.

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Joachim. Die Spiegelbilder sind allerdings nicht „sachgemäß“ eingesetzt, da ich ja keine wirkliche Täuschungsabsicht hatte. Wenn eine solche vorliegt, muss man schon auch auf Einzelheiten Wert legen. Ich finde es angesichts der Schwärme von digitalen Beobachtern, die heutzutage unterwegs sind, bemerkenswert, wie grob fahrlässig Geheimdienste und Medien immer noch mit Fälschungen umgehen. ZB werden auch jetzt wieder Bilder aus dem Krieg in der Ukraine gezeigt, die nachweislich von einem anderen Kriegsschauplatz stammen. Fälschungen wie die, dass die Särge von Lampedusa als Särge von Bergamo ausgegeben wurden und es keine deutliche offizielle Distanzierung von dieser Fälschung gab, haben das Vertrauen vieler Menschen zutiefst erschüttert.

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  6. hanneweb schreibt:

    Einfach herrlich diese Spielereien mit den Bildern, was auch ich mitunter sehr gerne mache!😀
    Liebe Grüße von Hanne

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  7. Ich habe die Tricksereien nicht drauf, liebe Gerda. Ich hatte mir einfach gedacht, Dein Mann hätte Dich von hinten fotografiert und Du hättest Dora – wie üblich – später eingefügt… Also reingefallen *g*

    Daß die vielen Särge von Bergamo ein Fake waren, wurde ich. woher ich meine Info hatte, weiß ich leider nicht mehr. Allerdings wohnt die Schwester meiner italienischen Freundin in der Nähe von Bergamo. Könnte also aus dieser Quelle gewesen sein…

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