Dora zum NeunundzwanzigstenDritten: Heiße Schokolade

Natürlich war Dora bei unserem heutigen Kalamata-Bummel mit von der Partie. Das Büro mit den Masken interessierte sie nur mäßig, um es höflich auszudrücken. Sie hampelte herum und gähnte und hüpfte ein bisschen auf dem von indigener Kunst inspirierten  Sofa herum. Das einzige Bild, das ich mir sicher nicht an die Wand hängen würde, war genau dasjenige, das in ihren Augen Gnade fand. „Hübsch bunt“, befand sie  – und das ist es ja auch: bunt und hübsch.  Alles andere sei „alter Plunder“…

Wenn ich so etwas höre, muss ich schlucken.Ich schlucke, um nichts zu sagen. Verschlucke meine Antwort. Ich weiß ja, dass mein Geschmack nicht zeitgemäß ist. Dass es auf meinen Geschmack überhaupt nicht ankommt. Wenn heute Afrikaner mit Akryllfarben pseudoafrikanische Motive malen, um sie an Touristen zu verkaufen,und das Ganze dann als „afrikanische Kunst“ angepriesen wird – habe ich da ein Wort mitzureden? Nein.  Also verschlucke ich meine Ansichten und lasse Dora gelten. „Ja, Dora“, sage ich, „es ist hübsch und bunt und irgendwie ja auch ganz gut gemalt. Ein bisschen wie Fahnen die Röcke, und momentan habe ich grad was gegen Fahnen, aber lass man, hast ja recht, es ist hübsch und bunt.“

Danach gehen wir dann noch ein bisschen in der Altstadt spazieren, setzen uns in ein Straßencafe, und ich trinke eine heiße Schokolade. Dabei ist die Zeit für heiße Schokoladen ja eigentlich schon vorbei.

Hej, Dora, wo willt du hin?

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Dora zum NeunundzwanzigstenDritten: Heiße Schokolade

  1. Myriade schreibt:

    Ich beobachte erstaunt, wie du Dora immer mehr zur eher negativen Gestalt umwandelst. Sie ist oberflächlich, grell, ein bissl narzisstisch geworden. Sie ist ganz ungebildet und hat einen schlechten Geschmack. Anfangs war sie eine ganz liebe, die alle beschenken wollte …

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Tut mir leid, Myriade, wenn dir Doras charakterliche Entwicklung nicht gefällt. Sie wächst heran, Sie entwickelt sich. Darüber habe ich keine Gewalt. Immer noch schenkt sie – zB schenkte sie zuletzt der Margarete ihre Aufmerksamkeit, dem Holz einen Blumenstrauß und mir jeden Tag ein bisschen Freude, durch ihre Unbefangenheit, ihre frechen Sprüche, ja auch durch ihre Grellheit und ihre Neigung zum Kitsch – der ein Korrektiv ist zum angestrengt guten Geschmack der gebildeten Erwachsenen. Sie ist immer noch ein Kind,.aber nicht mehr im Zustand der „Unschuld“, sondern schon „ansozialisiert“. Ich versuche natürlich, ihr Interesse für „tiefere und höhere Dinge“ zu wecken, aber das gelingt durchaus nicht immer…..Wie im wirklichen Leben eben.

      Gefällt 2 Personen

  2. Gisela Benseler schreibt:

    Na, das ist ja alles „hübsch bunt“, auch die Ballons. ( Schade, daß wir von dem „Plunder“ nichts zu sehen bekamen.) Ich verstehe, daß Du etwas gegen Pseudo-Kunst hast, die Käufer anlocken soll. Nein, echt muß der Ausdruck schon sein, etwas aussagen.

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