Über das Gewicht der Seele und den Schattens des Schmetterlings

Der Schmetterling und sein Schatten

Über das Gewicht der Seele sind schon allerlei Vermutungen angestellt worden: Es wurde gewogen und gemessen, wieviel ein Körper vor und nach dem Verscheiden wiegt. Die Experimente von Duncan MacDougall von 1907 – er kam beim Vermessen sterbender Menschen auf „Gewichtsverluste“ von 8-35 Gramm, bei Hunden, die er zu dem Zweck vergiftete, aber auf Null Gramm, womit er die Seelenhaftigkeit des Menschen im Gegensatz zu Hunden meinte bewiesen zu haben – gelten heute als „wissenschaftlich nicht haltbar“. 1930  variierte ein anderer Wissenschaftler namens H. LaVerne Twining die Experimente, diesmal mithilfe von Mäusen, die er vergiftete und sterbend in Vakuumbehälter einschloss. Die Mäuse wurden leichter, nicht aber die Vakuumbehälter, womit bewiesen war, dass es sich beim Gewichtsverlust wohl nur um austretende Flüssigkeit handelte und Mäuse keine Seele haben.

Nun, wer hier eine Seele hat, ist dann doch die Frage: die Hunde, Mäuse oder die experimentierenden Wissenschaftler. …

Soviel ich sehe, wurden die Experimente von Douglas und LaVerne Twining wegen des Testaufbaus, nicht aber wegen der zugrundliegenden Logik und erst recht nicht wegen ihrer Moral infrage gestellt.  Der Grundannahme der Experimente, dass ein Existenznachweis durch Gewichtmessung möglich ist (Hunde haben keine Seele, weil sie beim Sterben kein Gewicht verlieren, Menschen aber wohl) , wird nicht widersprochen. Wie denn auch? Es ist die Grundannahme der experimentellen naturwissenschaftlichen Forschung und Medizin: was sich nicht messen und wiegen lässt, ist nicht existent. (Das ist übrigens auch eins der Hauptargumente gegen die Homöopathie).

Und so komme ich zum Gewicht der Schatten. Schatten gibt es, wir sehen sie ja, aber existieren sie überhaupt, wenn sie nichts wiegen? Oder haben sie vielleicht doch ein Gewicht? Wiegt der Stein, auf den der Schatten fällt, mehr oder weniger als wenn Licht drauf fällt? Verliert der Schmetterling an Gewicht, wenn sich sein Schatten auf die Erde legt und ausruht?  Ich bitte euch, liebe foschende Naturwissenschaftler: habt ihr das schon mal nachgemessen? Es wäre doch recht einfach zu bewerkstelligen!

Ein Vorschlag für eine experimentelle Anordnung: Nimm ein Blatt Papier und lege es auf eine Präzisionswaage. Nun lass den Schatten eines Schmetterlings drauf fallen. Zeigt die Waage eine Gewichtsänderung an? Nein? Dann existiert der Schatteen nicht. Ja? Veränderung  in welche Richtung? Wird das Papier leichter, so hat der Schatten ein negatives Gewicht, wird es schwerer, ein positives. Im zweiten Fall ist anzunehmen, dass der Schmetterling leichter geworden ist, indem er das Gewicht seines Schattens auf das Papier gelegt hat. Alles klar? Auf gehts.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Über das Gewicht der Seele und den Schattens des Schmetterlings

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Gerda, da verknotet sich mein Gehirn. Aber die Aufnahmen und Kunstwerke sind schön.

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  2. nandalya schreibt:

    Ich wollte es testen, aber meine kleine Elfe hat mit ihrem Licht den Schatten gestohlen und ein Haiku daraus gemacht. 😉

    Wie immer gern gelesen.

    Gefällt 3 Personen

  3. Lopadistory schreibt:

    Mhm … jetzt fällt ein Schatten über mich😉

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  4. Peter Klopp schreibt:

    Interessante Fragen zum Gewicht der Seele! Vielleicht sollte man auch versuchen, das Gewicht unseres Schatten zu wiegen.

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  5. wildgans schreibt:

    „zu diesem Zweck vergiften“ – echt brutal, da war der Forscherdrang stärker als jedes Mitgefühl…Jaja, die Seele, ein weites Feld!
    Gruß von Sonja

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    • gkazakou schreibt:

      war – ist – wird sein, liebe Sonja. Die Wissenschaft geht über Leichen. in diesem Fall waren es nur15 Hunde. Ob es den sterbenden Menschen recht war, vor und nach ihrem Verscheiden entkleidet und gewogen zu werden, damit ein Wissenschaftler seine Hypothesen prüfen kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

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  6. Wieso sollte die Seele ein bestimmtes Gewicht haben? Leicht wie eine Feder stelle ich sie mir vor, schwerelos und trotzdem ist sie von immensem Gewicht für uns.
    Was sich nicht messen und wiegen lässt, ist nicht existent?
    Forschung ist wichtig, aber in diesem Falle weit mehr als nicht richtig! Blödsinnig liegt mir auf der Zunge, aber ich sage es selbstverständich nicht…
    Warum sollten Tiere denn keine Seele haben?

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  7. Es zeugt nicht gerade von der Kompetenz solcher vermeintlichen Wissenschaftler, wenn sie Reales nicht anders als substanzbehaftet denken können.Wie nennt man nochmal solche Typen? Richtig, Materialisten.

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  8. Johanna schreibt:

    Hier handelt es sich ganz klar um Logik und wissenschafliche Vorgehensweise! Super 😅

    Wie man merkt, ist bei der Wissenschaft eine gute, intelligente, umschauende Fragestellung das Ausschlaggebende! Antworten/Interpretationen findet man ja bekanntlich auf Alles….

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    • gkazakou schreibt:

      😉 Kürzlich erwähnte ich meine Magisterarbeit „Zeitperspektive etc“, wo ich hunderte sog wissenschaftlicher Forschungsarbeiten analysierte. Die meisten davon waren behavioristische US-Studien. Damals schon bemerkte ich,welch einen grauenvollen Stuss die meisten reden. Aber sie bekommen die Titel, die Posten, die Gehälter und oft auch das letzte Wort, wenn es um Gesetze geht.

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