Zimmerreise: W wie Wand (nächtliches Zeichnen)

Noch in Athen, konnte ich mal wieder nicht schlafen. Müde wanderten meine Augen über das Stück leere Wand gegenüber. Ein minimalistisches Bild zeichnen – warum nicht? Ich fischte meinen Skizzenblock aus dem für die Abreise gepackten Rucksack und zeichnete die Wand samt der leicht geöffneten Schlafzimmertür, dem Lichtschalter, einem Stück Bild und einem Stück Kommode mit Kleidungsstücken.

Nun nahm ich die andere Hälfte der Wand in Augenschein. Die war weniger minimalistisch: Sie enthielt, von rechts nach links gelesen, das ganze Bild mit dem gemalten Sonnenuntergang, darunter die Klamotten auf der Kommode, die mir zublinzelten, als wollten sie sagen: auch wir schlafen nicht!, ein Stück Zentralheizung und einen ovalen hohen Spiegel, in dem sich ein Teil der Kleidung spiegelte, sowie die Zimmerecke.

Damit war die gegenüberliegende Wand abgegrast. Schlafen? Nein, denn von der Zimmerecke winkelte ja eine andere Wand ab. Die wollte nun ebenfalls gezeichnet werden. Da gab es erneut den hohen ovalen Spiegel (nun rechts im Bild) und daneben, in der Zimmerecke lehnend, einen hohen Pappkarton, der gerahmte Bilder von einer früheren Ausstellung enthält. Darunter wird ein Stück Parkett sichtbar. Der größte Teil der „Wand“ besteht in einer Balkontür mit handgewebten Gardinen. Nein, nicht ich habe sie gewebt, natürlich, sondern das waren fleißige Genossenschaftsfrauen aus dem Epirus, einer gebirgigen Gegend an der Grenze zu Albanien. Davor steht ein Korbsessel, auf dem sich ebenfalls Kleidungsstücke tummelten, obendrauf ein geblümter Rock. Das alles könnte glatt ein Interieur von Matisse moblieren, oder?

Schließlich landete mein Blick beim Nachtschränkchen neben dem Kopfende des Bettes. Darauf die Lampe, die mein Tun aufmerksam verfolgte. Und allerlei Fläschchen sowie in Handy. Das hatte ich vorsorglich ganz ausgeschaltet, denn mit Handy neben mir kann ich sowieso nicht schlafen.

Die Zimmerreise ist damit beendet. Die andere Hälfte des Raumes lag im Dunkeln. Und so soll es auch bleiben. Gute Nacht!


Dies ist ein Beitrag zu Puzzleblumes „Zimmerreisen“ https://puzzleblume.wordpress.com/2021/10/15/einladung-zu-den-zimmerreisen-11-2021/2021-10-15-einladung-f-zimmerreisen-11-2021-mit-vw/#main

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Antworten zu Zimmerreise: W wie Wand (nächtliches Zeichnen)

  1. Peter Klopp schreibt:

    Ich hoffe, dass nach deiner Skizzenarbeit du endlich schlafen konntest.

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  2. Verwandlerin schreibt:

    Bin zur Zeit auch nachtaktiv und du oft kreativ.

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  3. Mitzi Irsaj schreibt:

    Mittlerweile antworte ich mit gutem Morgen. War die Zimmerreise eine gute Einschlafhilfe? Wenn ich nicht schlafen kann oder mir zu viel im Kopf herum geht, dann versuche ich mich ganz genau an jedes einzelne Zimmer der Wohnung meiner Großeltern zu erinnern. Obwohl das eine sehr schöne Erinnerung ist, schlafe ich meist ganz schnell ein. Allerdings reise ich ja auch im Kopf und nicht mit dem Stift in der Hand.

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  4. Wie gut, daß Du Dich mit dem nächtlichen Zeichnen entspannen kannst, liebe Gerda!

    Sie die Katzen ok? Haben sie Eure Abwesenheit von der Mani gut überstanden?

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  5. Pingback: Zimmerreise: W wie Wand (nächtliches Zeichnen) – #KUNST

  6. Pingback: Einladung zu den Zimmerreisen 12/2021 | Puzzleblume ❀

  7. puzzleblume schreibt:

    Was wäre ein Zimmer ohne Wände! Eine gute Idee für das W. Ich mag auch die langhalsige Lampe, die aufmerksam das Tun verfolgt. Als Kind war ich fasziniert von diesen langen, biegsamen Schlangenhälsen und die Phantasie vom Wesenhaften passt dazu so gut.
    Zufällig bin ich hier noch aufmerksam geworden – der Link hatte nicht gepingt.

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