Montag ist Fototermin: Weitblick – Nahblick und irgendwas dazwischen-

Heute las ich im Teestübchen Trithemius ein paar Merksätze (nein, nicht Merkelsätze!), die als Eselsbrücken dienen. Gleich zu Beginn erfreute mich der Satz „Vordergrund macht Bild gesund!“, was mich an frühe Gehversuche in der darstellenden Kunst erinnerte.

Es ist eine „klassische“ Anweisung für den Bildaufbau: Suche, wenn du eine große Landschaft aufnehmen willst, nach einem Anker im Vordergrund, der es dem Betrachter gestattet, seinerseits von einem sicheren markierten Ort aus in die Ferne zu schauen. Ein Baum, ein Ast, eine Bank, eine Blume – irgendwas sollte sich finden lassen, um Nähe und Ferne in einem Bild zusammenzuführen. Oder, besser noch, du setzt Figuren, wie es z,B. C.D.Friedrich gerne tat, in den Bildvordergrund, so dass der Betrachter sich dazu setzen kann und sich nicht in der Ferne verliert.

      

Das sind natürlich überholte Grundsätze – kein Mensch hält sich heute an so altmodische Leit- und Merksätze. Was kümmert uns der Bildaufbau! Und so wandern wir mit unserer Kamera durch die Gegend, lassen sie mal in die Ferne schweifen, zoomen uns ein andermal in eine Blüte hinein – ganz nach Gefühl und Wellenschlag.

So ging es auch mir heute Vormittag, als ich nach dem Schwimmen auf Fotopirsch ging.  Mal reizte mich das nahe Lichtgekringel, mal das ferne Blau des Wassers, mal die unter dem Anprall der Hitze zusammengerollten Blätter des Bergtees, dann wieder das ferne Dorf, wie es durch die hochragenden Eukalyptusbäume erscheint.

 

Schließlich aber fand ich mein heutiges Thema; Nah und Fern im Zusammenspiel.  Mittlere Nähe, mittlere Ferne. Ein wenig langweilig? Nun, wie mans nimmt. Es ist die Art, wie wir die Welt wohl meist wahrnehmen. Nichts zu weit, nichts zu nah. Wir sehen dann ein blaues Meer und drüber weiße Wolken, davor und um hindurchzuschauen ein paar Gewächse: rosa blühend den Oleander, vertrocknet und zusammengezogen die Stände eines Doldenblütlers. Und wenn wirs nicht so auf einmal sehen, so wandert unser Blick hin und her zwischen dem einen und dem anderen, und wir denken vielleicht: „Wie schön sich Bild an Bildchen reiht …“ (G. Trakl, Verklärter Herbst)

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Antworten zu Montag ist Fototermin: Weitblick – Nahblick und irgendwas dazwischen-

  1. Friedrich schreibt:

    Danke für Deine Abendgedanken zu Nah und Fern, Mikro- und Makrokosmos, Auflösen und Sichverlieren … Auch für den schönen, lakonisch-traurigen Trakl sei gedankt.
    Grüße aus der Ferne.

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  2. Da kommt bei mir schon wieder die Sehnsucht hoch… nun ja, in drei Wochen habe ich den Weitblick übers Meer auch wieder. Danke für den kleinen Appetitholer zwischendurch.

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  3. signorafarniente schreibt:

    Sowohl die Nähe, als auch die Ferne gefällt mir sehr, liebe Gerda. Denn das Schöne ist doch: Wir dürfen die Landschaft aus deiner Linse betrachten. Was zeigst du uns von nahmen? Und was sollten wir lieber aus der Ferne betrachten? Der Bildschaffende bestimmt und wir dürfen diese Ausblicke genießen, träumen, nachdenken, über die kleinen und großen, fernen und nahen Dinge im Leben.

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  4. Ferne wirkt aber meist tatsächlich oft interessanter, wenn etwas Nahes mit dabei ist und ich glaube, wir machen es unbewußt auch meist so.
    Dein Blick durch den Oleander aufs Meer gefällt mir sehr, liebe Gerda. Hier ist Nahes und Ferneres in guter Mischung zu sehen.

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