Behütet das Feuer! Von Schiller, Zeus, Prometheus und Luzifer

Damit uns das hier drohende, dort wütende Feuer nicht verrückt macht, dürfen wir den Humor nicht verlieren. Er erweist sich bekanntlich dort am ehesten, wo man trotzdem lacht (Otto Julius Bierbaum).

Seid behütet! hören wir derzeit oft. Und agierten entsprechend. Wasso in Rot ist Berufsschauspielerin, ich übe noch.

Gestern am Hafen von Kalamata aufgenommen. Ja ja, wir haben es gut. Jedenfalls in dem abgebildeten Moment. Und auf  den Moment kommt es ja an. Nur das Hier und Jetzt ist wirklich.

Das Feuer an sich ist gewiss etwas durchaus Menschenfreundliches. Man lobt Prometheus bis heute, weil er es gegen Zeus΄Willen den Menschen brachte und ihnen damit ein Mittel zur Verfügung stellte, mit dem sie sich der groben Natur überheben konnten. Was er brachte – war es Feuer, war es Intelligenz? – brachte ihm selbst ewige Qualen ein: Festgeschmiedet im Kaukasus wurde seine immer nachwachsende Leber vom Adler zerhackt. Seine Himmelsgabe nennt man heute Technologie. Kürzlich sah ich einen Bericht, wie man sogar Zeus‘ Blitz zu zähmen und auf „feindliche Panzer“ zu lenken versucht.

Schon in frühen Zeiten wusste man um das Zwiespätige dieser „Himmelskraft“. Daher ist Lichtbringer Prometheus in anderen Kulturen als Luzifer bekannt. Auf dies Zwiespältige hebt denn auch Schillers berühmteste und am meisten persiflierte Ballade ab:

Wohlthätig ist des Feuers Macht,

Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
Und was er bildet, was er schafft,
Das dankt er dieser Himmelskraft;
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,

 

Wenn sie der Fessel sich entrafft,

Einhertritt auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand

 

Durch die volkbelebten Gassen

Wälzt den ungeheuren Brand!
Denn die Elemente hassen
Das Gebild der Menschenhand.

 

Mögen alle Menschen, egal wo auf diesem Erdball sie sich herumtreiben, vor den unbeherrschten Naturgewalten behütet sein! Und einen Moment zum Lachen finden. Denn das Übel wird nicht geringer, wenn man vor Sorge vergeht. Im Gegenteil! Ein ruhiges Gemüt beruhigt auch die Elemente.

Ich mache täglich eine Regenmeditation, die meinen Wasserorganismus mit den Wasserströmen der Erde verbindet, und natürlich gehe ich auch täglich schwimmen und singe dem Meer mein Regenlied vor. Mir hilft es. Ob sich auch das Element beeindrucken lässt, wird sich zeigen …. irgendwann.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Autobiografisches, Dichtung, Fotografie, Katastrophe, Leben, Mythologie, Natur, Psyche, Technik abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

49 Antworten zu Behütet das Feuer! Von Schiller, Zeus, Prometheus und Luzifer

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Phantastisch: Dies erfrischende Photo von Euch beiden!!!😀

    Gefällt 3 Personen

  2. Gisela Benseler schreibt:

    Na so etwas: Blitze auf feindliche Panzer lenken?!?! So versucht man also auf diese Weise, die Herrschaft über die Blitze ⚡anzutreten, Gerda??? Das übersteigt bei Weitem das, was Prometeus damals der Menschheit bescherte!!!

    Gefällt 1 Person

  3. Gisela Benseler schreibt:

    „Denn die Elemente hassen das Gebild aus Menschenhand“👋🔥Friedrich Schiller hatte aber doch nicht ganz recht, Gerda ; denn das Feuer ist ja selbst ein Element.

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Ein ruhiges Gemüt beruhigt auch das Feuer. Ja, Gerda, das ist wahr.

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  5. signorafarniente schreibt:

    Liebe Gerda, du hast absolut recht und ich bewundere, wie du aus der Situation das Beste machst. Es ist zermürbend genug. Und: Ein Lachen ist hochansteckend, vermutlich ansteckender als jegliche Viren. Keine Impfung der Welt hilft dagegen! Wenn ich da an das helle Kinderlachen von Signorino im Supermarkt denke und wie ansteckend es auf die mürrischen Wartenden an der Kasse wirkt, dann weiß man erst die Kraft des “trotzdem Lachens” zu schätzen. Passt auf euch auf und ich wünsche dir ganz viele “lachende Momente”, die zumindest für einen Moment ablenken! Viele Grüße aus Frankfurt, Eva

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Vielen Dank, Eva, auch für Signorinos Lachen in der Warteschlange! wie steht ihr denn da? Mit Abstand und Maske? Und Signorino lacht, weil er die Masken lustig findet, oder weil er den Quatsch nicht mitmachen muss?

      Gefällt 2 Personen

      • signorafarniente schreibt:

        Genau, mit Abstand und Maske. 😕 An die Masken ist er erschreckenderweise schon längst gewöhnt. Es ist (leider) seine Normalität. Mittlerweile bringt er mir eine Maske, die er in meiner Tasche oder auf dem Tisch findet, wenn er rausgehen möchte. Verrückt, oder? 🤪
        Tatsächlich lachte er, weil dem Herrn vor ihm etwas heruntergefallen ist. Das ist der absolute Knaller, wenn jemanden etwas herunterfällt. Es gibt überhaupt kein Halten mehr für ihn, wenn das passiert. 😄

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  6. Myriade schreibt:

    Ich wünsche euch auch viel Humor und wenig Wind ! Prometheus und Luzifer ? Das ist ja interessant!

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  7. Gisela Benseler schreibt:

    Ich denke gerade an die Geschichte von Jesus, als er mit seinen Jüngern zusammen auf dem See Genezareth unterwegs ist und im Boot eingeschlafen ist. Da kam plötzlich ein mächtiger Sturm auf, und die Wellen des Sees gingen hoch, und das Boot schaukelte dermaßen, daß die Jünger sich fürchteten. Sie fürchteten um ihr Leben. Doch Jesus schlief ruhig weiter, als ob nichts wäre. Da konnten sie es nicht mehr aushalten und weckten Jesus.
    Jesus konnte ihre Angst und Aufregung aber gar nicht verstehen, tadelte sie sogar deswegen, sagte „“Oh Ihr Kleingläubigen!“ Dann aber stand er doch auf, mitten im schaukelnden Boot, und „beruhigte den Sturm“. Ja, und weiter heißt es in der Bibel:“ Und die Elemente gehorchten ihm“.

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  8. Gisela Benseler schreibt:

    Nun müssen wir aber bedenken: Wirnsind nicht JESUS. Sondern eher den Jüngern im Boot zu vergleichen.

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  9. Arno von Rosen schreibt:

    Liebe Gerda, ich muss jeden Tag an dich denken, wenn ich wieder diese furchtbaren Waldbrände sehe und dies fast überall auf der Welt. Ich fürchte, wir werden bald solche Sommer mit viel Regen vermissen, wenn Deutschland ebenfalls zur Steppe wird, Wasser knapp ist und jeder Klimageräte benötigt, um durch den Sommer zu kommen. Habt es gut und bleibt gesund ❤

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Arno. Wir haben bisher auf Klimaanlagen verzichtet und behelfen uns mit herkömmlichen Methoden, zB Füße in einen Wassereimer stellen, nasse Wiickel, ab und an eine kurze Dusche etc. Geht auch und ist umweltfreundlicher. Das Stromnetz in Athen ist wegen der Klimaanlagen, die viel zu niedrig eingestellt sind, am Zusammenbrechen. Wir Menschen werden noch viel lernen müssen – vor allem die Rückkehr zu „veralteten“ Methoden des Überlebens.

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  10. Leela schreibt:

    Das Foto hat eine so tolle, positive, ansteckende Ausstrahlung… Interessant auch deine Regenmeditation. Um deine tägliche Schwimmmöglichkeit beneide ich dich. Noch nicht ein einziges Mal war ich in diesem Jahr schwimmen…

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Leela. Ist schon ne merkwürdige Situation, fröhlich im Meer unter einem rauchgeschwärzten Himmel zu schwimmen. Der Sonnenuntergang war heute wieder sehr dramatisch, das Meer schimmerte rötlich, „dank“ des Qualms all der Brände. Wir sind bisher verschont worden. Aber ich arbeite fleißig, um den Garten von allem allzu Brennbaren zu befreien. Leider haben wir eine riesige Pinie, wenn es die erwischt, ist unser Haus weg. Nun, muss ja nicht, kann ja auch an uns vorbeigehen. Rundum ist viell Landwirtschaft, das hilft.

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  11. Und noch was, Du siehst super aus mit der Mütze! Steht Dir sehr gut! Und Deine Freundin ebenso!👌👍😉🙋‍♀️

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  12. finbarsgift schreibt:

    Tolles Bild von euch beiden!!
    Humor ist fast immer was feines. Aber bei den Waldbränden derzeit in Griechenland, da ist mir nicht mehr danach…
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

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  13. wildgans schreibt:

    Denn das Übel wird nicht geringer, wenn man vor Sorge vergeht!

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  14. nandalya schreibt:

    Glaube an die Elemente ist alles. Ich glaube auch … dass mich ein Regenschirm vor ihnen schützt. 😁

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  15. Wehe, wenn sie losgelassen …

    Ich hoffe, die Feuer, die sich durch die Landschaften fressen, werden bald besiegt sein, Gerda

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  16. Ulli schreibt:

    Schön, dieser kleine Moment.
    Brände in Griechenland, in der Türkei, in Russland, in Sibirien, in Californien und hier die tosenden Wasser.
    Möget ihr weiterhin beschützt sein!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Wir wurden bisher verschont. Aber die Vernichtung der Wälder geht überall voran, und es ist schwer zu ertragen. Doch merkwürdig: kaum lasse ich die Nachrichten nicht an mich heran, stellt sich Frieden ein. Als ob es nur ein böser Traum wäre und gar nicht von Belang. Es ist schwer, das Gewicht der Ereignisse zu fühlen, die einen nicht selbst betreffen, selbst wenn sie nur 50 km entfernt sind.

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  17. Melina/Pollys schreibt:

    Ja, ich verfolge schon seit Tagen (auf telegram) die Feuer in Griechenland. Heute hörte ich, dass die Menschen von der Insel Euböa evakuiert wurden deswegen…. Mensch da war ich mit 17, ich erinnere mich noch gut.

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  18. christahartwig schreibt:

    Es fällt kein Wort über die Waldbrände in Griechenland in den Nachrichten, ohne dass ich an Dich denken muss. Würde gerne meinen Regentanz für Euch machen, aber wenn ich es tue, regnet es vermutlich nur hier, und wir können uns in diesem Sommer nicht über Hitze und Trockenheit beklagen.

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