XIII Der Tod (Tarot-Legebild-Collagen)

Au weiha, eben dachte ich noch, der „Gehängte“ sei der Tiefpunkt der Entwicklungsreihe. Und nun sehe ich – ich bin ja keine Tarot-Expertin und muss immer erst in meinem Tarotspiel nachschauen: die nächste Karte, die XIII, ist „Der Tod“. Puh. Aber danach geht es doch weiter, oder? Ja, klar. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Aber es hilft nichts, nun müssen wir ihm das Wort erteilen.

Doch wie sieht er eigentlich aus? Normalerweise wird er als Gerippe dargestellt, eingehüllt ins Leichentuch. Aber ist das logisch? So sieht ein Toter vielleicht aus, aber doch nicht der Tod! Also durchforschte ich mein Archiv, vielleicht fand ich ja dort einen brauchbaren Hinweis. Und was fand ich?

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eine alte Dame mit Feder am Hut – einen Gangster – einen Chirurgen – einen Torero – ein übermütiges Kind. Die Dame war des Vogels Tod, der Gangster erschoss einen anderen Gangster, der Chirurg war geistesabwesend und vergaß den Patienten, der Torero erstach den Stier, und das übermütige Kind? Vielleicht bringt es mir grad diesen Virus ins Haus.

„Herr, gib jedem seinen eignen Tod“, betete Rilke, und mir scheint, dass es tatsächlich DEN Tod nicht gibt. Aber ich brauche eine Karte für ihn. Oder für sie. Denn bei den Spaniern ist der Tod eine Frau. La Muerte.

Ah, da ist sie ja! Sonne und Mond hält sie in ihrer Hand. Gewaltig schlägt sie ihre Lichttrommel. Die Trommel des Durchgangs und der Verwandlung schlägt sie.

Die Sonne trägt er (sie) hinunter, den Mond hinauf.

Sie (Er) verwandelt die Blumen und schwebt über dem funkelnden Wasser …

Was fürchtest du dich? Der Tod ist Verwandlung.

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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38 Antworten zu XIII Der Tod (Tarot-Legebild-Collagen)

  1. lyrifant schreibt:

    Ein sehr schönes Bild für den Tod: Übergang, nicht Ende. Ich wünschte, ich könnte es immer so sehen.

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  2. Ulli schreibt:

    „Ah, da ist sie ja! Sonne und Mond hält sie in ihrer Hand. Gewaltig schlägt sie ihre Lichttrommel. Die Trommel des Durchgangs und der Verwandlung schlägt sie.“
    YES!!! Endlich sind wir uns einmal wieder einig 🙂
    Beim Gehängten habe ich lieber geschwiegen 😉
    Schön, deine „Tödin“ – ich hatte mal ein T-Shirt mit Tod und Tödchen darauf, aber das ist ein anderes Thema!
    Haben heute die Benachrichtigungen wieder einmal nicht geklappt, oder hattest du keine Lust, wegen gestern?
    Liebe Grüße und gute Nacht, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Erst mal danke für deine Zustimmung. Ich sage es ja wieder und wieder, Ulli: mir geht es nicht eigentlich um Tarot, also gibt es auch keinen Dissens, außer du bestehst darauf, meine Bilder mit deinem Tarot-Wissen zu vergleichen. Meine Assoziationen sind frei, folgen nicht der Tradition. Ich kenne mich im Tarot nicht wirklich aus, und es interessiert mich auch nicht. Und wenn ich nun den Tod so darstelle, wie ich es tue, so ist das nicht Tarot-Wissen, sondern das, was ich dazu in mir selber un in meiner Bilderwelt fand.
      Deine Frage verstehe ich nicht ganz: „keine Lust, wegen gestern“? Habe ich einen Eintrag von dir übersehen?

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      • Ulli schreibt:

        Nein, ich meinte wegen unserer Uneinigkeit gestern. Aber das ist ja Schnee, nicht wahr, der auch schon wieder getaut ist.
        Ich muss endlich mal mein Tarotzoix vergessen wenn ich mich auf deins wirklich einlassen will, da stimme ich dir zu. Wobei ich es schon seltsam finde, dass du dich einerseits an diesem System „bedienst“, dann aber jeden Zusammenhang negierst. Nun, es ist dein, meins ist es nicht. Ich finde nicht, dass man so mit einem alten System umgehen sollte, aber da bin ich jetzt vielleicht sehr streng?!

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    • gkazakou schreibt:

      ja, Ulli, das ist jetzt deins. So alt ist dies Spiell ja gar nicht, jedenfalls nicht als das, als das es jetzt verwendet wird. Die jetzt üblichen Karten mitsamt ihren Deutungen sind im 19. Jahrhundert entwickelt worden. Alt ist das Kartenspiel, auf dem sie aufbauen. Die ersten künstlerischen Karten kamen im 15. Jahrhundert auf, in Italien. Ich vermute, als Reaktion auf die beginnende Aufklärung, als die Menschen christliche Glaubenskonzepte (und den Papst) in Frage stellten, aber nicht ganz ohne mystisch-magische Weltvorstellungen leben mochten. Im 19, Jahrhundert, mit dem Triumph der Naturwissenschaften, steigerte sich dies nochmal, und es kamen die esoterisch inspirierten Karten auf. Heute werden sie vor allem für divinatorische Praktiken genutzt, was ein Hinweis darauf ist, wie verunsichert die Menschen sind: sie möchten gern „aus den Karten“ erfahren, wie es mit ihrem Liebesglück, ihren beruflichen Chancen etc bestellt ist – ähnlich dem Horoskop, nur spielerischer.
      Wenn ich eine Karte gestalte, versuche ich, die tiefere bedeutung des Wortes für mich zu erfassen, lese auch ein bisschen in Deutungen herum, suche Beziehungen zum gegenwärtigen Geschehen. Dabei fällt mir auf, dass sich die Bedeutungen für mich immer mehr nicht als persönlich, sondern als global-menschheitlich darstellen.

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      • Ulli schreibt:

        Ja, ich kenne die Geschichte vom Tarot, trotzdem danke für deine Ergänzungen. Und nochmal ja, es ist meins. Wir müssen uns nicht immer einig sein! Es fällt mir nur schwer, wenn du etwas hinein interpretierst, was für mein Verständnis der jeweiligen Karte an ihrem Ursprung vorbei geht.
        Zukünftig werde ich dann eben nur liken, wie bei dem Gehängtem.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn du deine Sicht der Dinge dazu schreibst. Im gegenteil, es bereichert die Diskussion. Möge jeder nehmen, was er brauchen kann. Ich wehre mich nur dagegen, dass du meine Deutungen falsch findest, wenn sie nicht mit dem übereinstimmen, was du im Tarot gelernt hast. Anders, ja. Aber deshalb nicht falsch, nicht unbegründet. Dass meine Auslegung des Gehängten unorthodox ist, weiß ich. Warum schreibst du nicht einfach, wie du die Karte interpretierst, ohne deshalb meine Sicht zu entwerten? .

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      • Ulli schreibt:

        Danke, Gerda, jetzt weiß ich was ich falsch gemacht habe. Und nu ist es gut, okay?!!!
        Ich bin jetzt froh, dass wir diskutiert haben. Manchmal weiß ich nämlich nicht wieso ich auf Unmut stoße und das gilt allgemein.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Oh, Gerda! Was Du da jetzt gefunden hast, ist ja die Erlösung von allem Verwirrenden! Jetzt hast Du auch die Lösung aller Verwicklungen gefunden, und ich stehe wieder auf Deiner oder an Deiner Seite. 🌙

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  4. chris schreibt:

    Der Tod gehört zum Leben.
    Ohne den Tod keine Geburt.
    Wer möchte schon ewig leben? 😀
    Vielleicht komme ich als Insekt wieder…

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  5. Verwandlerin schreibt:

    Tod heißt symbolisch immer Neubeginn. Auch im Traum zum Beispiel.
    Vielleicht schaffe ich mir auch mal Tarotkarten an. Finde das superspannend.

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  6. heidi schreibt:

    Ich werde mir auf jeden Fall Tarotkarten ( mit Anleitung) noch heute bestellen, weil ich das hochinteressant finde. Danke Gerda für diese Art der Impression…

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  7. Ule Rolff schreibt:

    Guten Morgen, liebe Gerda. Diese Tödin hat nichts Schreckliches, nichts, was eine Begegnung fürchten lässt. Sie wirkt dafür einfach zu freundlich und zart. Und doch hast du ihr alle denkbare Macht in die Hände gegeben, den Mond an den Himmel zu heben oder die Sonne von ihm zu nehmen.
    Habe einen lebensvollen Tag heute 🦉

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, sie hat diese Kraft, diese Macht. Ohne sie gäbe es keine Verwandlung. („Stirb und werde“), weder in der Natur noch im Kosmos. Auch Sterne sterben. Aus Sternentoden haben wir die Metalle auf der Erde bekommen, die das Leben braucht. Dass auch Blumen sterben und sich dabei wandeln, zeigst du auf deine wunderbare Art. Stell dir vor, wir wären nicht sterblich! Was würde das für die Erde bedeuten?

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      • Ule Rolff schreibt:

        Zu denken, wie es dann auf der Erde wäre … furchtbar! Tod als Verwandlung, und sei es nur zu fruchtbarem Kompost oder Schönheit anderer Art, ist ein guter Gedanke, Gerda, immer wieder.

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  8. afrikafrau schreibt:

    Auf irgend eine Weise denken wir über den Tod nach, jeder Mensch auf seine eigene Weise, ein Tabu Thema, ein heikles Thema, wer Nah-Tod Erfahrung hatte,, anders, als wenn man sich quicklebendig fühlt. Manchen trifft es unerwartet, plötzlich, andere fühlen es, manchmal ein Kampf,
    nicht loslassen zu können, Darauf vorbereiten können wir uns nicht, vielleicht mal annähern,
    Im Buddhismus finden wir Hilfestellung: „Lebe so, dass du jederzeit in Frieden dieses Daseins verlassen kannst,“

    .

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  9. Anonymous schreibt:

    Die Tödin – klingt erst einmal viel weniger grimmig als der Tod. Der Tod als männliche Figur ist natürlich eine doppelbödige Sache. Denn die Macht des Mannes kommt schließlich vom Töten – während die Macht des Weiblichen darauf beruht, Leben zu spenden. Wenn nun die Tödin erscheint so ist es tröstlich, den Übergang ins Unbekannte einer benevolenten Figur anvertraut zu wissen.

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  10. Harald schreibt:

    Die Tödin ist ja so viel weniger grimmig als der Tod. Der Tod als männliche Figur ist eine doppelbödige Sache. Schließlich beruht männliche Macht auf der Fähigkeit des Tötens, während weibliche Macht auf der Fähigkeit fußt, lLeben zu schenken. Wenn nun der Übergang ins Unbekannte einer solch benevolenten Figur anvertraut ist, empfinde ich das als schönen Trost.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      danke, Harald, dass du uns Frauen so positiv einschätzt 😉 Es gibt natürlich auch Männer, die das Leben fördern, und Frauen, die es killen. Aber im Prinzip hast du schon recht. La Muerte (die Todin) habe ich in Mexiko kennengelernt: sie sitzt an den Tagen, an denen die Toten geehrt werden, auf der Schulter der Feiernden und isst und tanzt mit ihnen.

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  11. Werner Kastens schreibt:

    Die Todestrommel mit ihrer Spirale (Abwärtssog oder Schwarzes Loch) ähnelt aber sehr dem Glücksrad, d.h. eine zufällige Auswahl, die uns trifft?

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  12. Hallo Ihr zwei Beiden, daß war jetzt echt interessant Euren Meinungsaustausch zu lesen!
    Und ich habe es auch nicht als Abwertung gesehen, wie Gerda es dargestellt hat! Tarot Karten lesen in der alten Tradition ist eine wahre Kunst! Mir machen sie eher ein mulmiges Gefühl, daher habe ich sie mir nicht mehr selbst gelegt und auch nicht mehr legen lassen.
    Eine Zeit lang habe ich mir dann die Engel Karten gelegt, aber daß ist längst Vergangenheit! Es kommt wie es kommt und ich nehme es an!
    Jetzt bin ich abgeschweift, will nur sagen, Deine Interpretationen gefallen mir Gerda!

    Hoffe sehr Dir, Deinem Mann und Tito geht es gut! Seid beschützt 🍀🍀🍀🙌

    Liebe Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Babsi. Ich habe es schon hier und da erwähnt: Ich benutze diese Karten nicht für Prognose. Von Prognose halte ich nichts, und du hast recht, sie machen einem nur mulmige Gefühle und bringen nichts. Aber man kann die Karten auch benutzen, um seine eigenen Gedanken und Gefühle zu klären, als Aufhänger in Beratungen oder auch für einen selbst. Kartenspiele machen vielen Leuten Spaß. Es ist spannend zu sehen, welche Karte man aufdeckt. Und dann kann jeder sagen, was die Karte bei ihm auslöst. Da gibt es kein richtig oder falsch. Ich biete hier Interpretationen an, aber die sind überhaupt nicht verpflichtend. Du kannst die Figur anschauen oder auch ein Bild, in dem sie vorkommt, und beobachten, was für Gedanken und Gefühle dir kommen.
      Sei auch du beschützt, liebe Babsi!

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  13. Engel dürfen das: eine spiralförmige Sonne mit dem Mond trommeln. Sehr beziehungsreich!

    Gefällt 2 Personen

  14. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Der Tod, der zu oft zu unrechten Zeit kommt, höchst selten kommt er gelegen.
    Ach, Tod, was willst Du denn schon? Komm morgen wieder, zwischen elf und zwölf am Mittag habe ich einen Moment Zeit für Dich… Ach ja, es gibt viele Witze über ihn und alles, um ihm seinen Grimm zu nehmen. Auch ich mag nicht an ihn denken und weiß doch, am Ende, das auf jeden Fall Verwandlung ist, da steht er bereit… Die Vorstellung behagt mir nicht, aber die Vorstellung von la muerte , die Licht zaubert, mit ihr kann ich leben…, wenigstens einstweilen, liebe Gerda

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Dann ist es doch jedenfalls ein kleiner Lichtblick, liebe Bruni!
      So wenig ich mit den Tod wünsche, so wenig wünsche ich mir, dass wir Menschen unsterblich wären. Das wäre schrecklich für die Erde. Stell dir mal vor, wir wir Menschen erst wüten würden, wenn wir nicht vor dem Tod demütig würden. Liebe Grüße!

      Gefällt 2 Personen

      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        Unsterblich zu sein ist eine ähnlich gruselige Vorstellung wie der Tod …
        Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

        Gefällt 1 Person

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