Angekommen (Flughafen-Skizze)

Auf der Suche nach Themen, die mich bewegen, stieß ich auf ein Foto vom Flughafen Athen – Ankommensbereich. Menschen, die sich auf verschiedene Weisen in dem indifferenten weitläufigen Raum bewegen. Nicht nur der Raum ist indifferent, auch die Menschen gegeneinander sind es. Zwischen ihnen gibt es keinen Bezug. Jeder führt sein eigenes Gepäckstück mit sich wie die Schnecke ihr Haus. Der Bezug jedes Einzelnen liegt außerhalb der Szene – die eine telefoniert mit jemandem, der andere strebt auf den Ausgang zu, der dritte wartet auf jemanden, die vierte eilt einem unbekannten Ziel zu….

Für mich ist es das Gegenstück zum Bäckerladen (Brot des Bäckers), in dem alles –  Menschen, Raum und Dinge – konkret aufeinander bezogen ist und miteinander kommuniziert, und sei es auch nur für den Moment des Ware-Geld-Austausches.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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18 Antworten zu Angekommen (Flughafen-Skizze)

  1. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda!
    Das wollte ich Dir gestern schon schreiben: das Brot und seine Bedeutung. Es beschäftigt mich. Das Brot gibt es in den unterschiedlichsten Formen schon seit menschengedenken. Das Brot ist archaisch. Die Zutaten des Brotes sind Mehl, Wasser und Hitze, totale Reduktion. Brot verbindet die Menschen. Und heute wird durch die industrielle Produktion des Brotes der Mensch von seinen Ursprüngen entfremdet.
    Soweit, so gut, so bruchstückhaft. Vielleicht lohnt es sich darüber tiefer nachzudenken und zu arbeiten,
    Liebe Grüße
    Jürgen
    Ich backe, wenn es geht, mein Brot selbst.

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Jürgen, ich bin über deine Rückmeldung sehr froh. Du schreibst, was ich dachte, als ich gestern diese beiden Zeichnungen hier einstellte.Die archaische Wurzel des Brotbackens wirkt noch über alle technologischen Veränderungen hindurch auf die Seele des Menschen, Brot ist und bleibt uns heilig, das „Brechen des Brotes“ eine Handlung, durch die das Familienoberhaupt die Tischgemeinschaft verbindet. „Brot für die Welt“ ist Synonym für „Nahrung den Hungernden“. – Auf diesem Hintergrund ist die Entfremdung durch moderne Brotbackverfahren mit zig Chemikalien zwecks „Haltbarmachung“, „Anreicherung“, „Strukturverbesserung“ besonders schmerzlich und symbolisch. – Den bildlichen Ausdruck dieser Entfremdung des Menschen von sich selbst, von den Mitmenschen, ja sogar von dem Ort, an dem er lebt, wollte ich in der Skizze vom „Ankommen“ einfangen, und insofern stehen unsere beiden Kommentare hier am richtigen Platz. danke!

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, das hast Du wunderbar beobaxhtet, gezeichnet und beschrieben , Gerda. Den Gegensatz zum Bäckerladen-Bild hast Du deutlich benannt und gezeichnet. Warum das so verschieden ist, ware ein Grund zum Nachdenken…

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Gisela. Ein wenig haben Jürgen und ich hier in den Kommentaren darüber nachgedacht. Aber es gäbe natürlich noch sehr viel mehr dazu zu denken und zu sagen…

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Gut, ich habe es zuerst übersehen, jetzt gelesen. Natürlich gäbe es dazu noch mehr zu sagen… Auch JESUS brach das Brot und teilte es unter Seine Jünger. Dabei blickte Er zuerst nach Oben, dann im Kreise der Jünger… Sicher achtete Er das Brot auch an sich und achtete das Korn, die Erde, die Arbeit der Menschen, das Brot als Nahrung und Hilfe allgemein für Leib umd Seele… Also im umfassenden, liebenden Sinne. Und das meintet Ihr ja sicher auch, wenn Ihr von den „archaischen Werten des Brotes“ sprachet.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Gisela. Das Brechen des Brotes ist ja eine uralte Geste, die von Jesus aufgenommen und in den Evangelien dann in bezug auf das letzte Abendmahl besonders gedeutet wurde. Archaisch ist die Geste und durchaus vorchristlich, auch wenn sie heute noch ausgeübt wird, besonders von den Juden, aber auch von den Arabern und anderen Völkern. Immer ist es auch eine Dankesgeste, dass die Erde und der Himmel (die Götter und Göttinnen, der Gott, die Wesenheiten….) uns Menschen unser täglich Brot schenken, indem sie Getreide wachsen lassen. Bedeutend ist da auch die Szene, wo gezeigt wird, wie Demeter und Persephone dem Triptolemos die Ähre schenken und ihm beibringen, den Pflug zu bedienen. https://gerdakazakou.com/2017/03/21/fruehlingsanfang-in-eleusis/ (zwei kleine Fotos, musst du anklicken)

      Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Durch die Leere der Umgebung, so, wie du sie hier dargestellt hast, wird die Bezuglosigkeit der einzelnen Menschen deutlich.
    Eine tolle Studie!

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Ulli, Ich bin sehr froh, dass offenbar die Message der Skizze deutlich geworden ist. Mir war es wichtig, gestern beide Zeichnungen (Bäcker – Flughafen) einzustellen, weil sie womöglich den Rahmen für Weiteres abgeben können. Ich habe mich ja lange mit der Dingwelt befasst, habe auch ein paar Ansätze gemacht, Menschen und Dingwelt in Beziehung zueinander zu sehen, auch unter dem Thema Natur und Technik … Nun aber, ausgelöst durch das Bäckerei-Bild, erweitert sich mir das Thema: wie setzen sich Menschen heute, unter dem Einfluss der modernen Lebensformen, und Kommunikationsmittel, miteinander in Beziehung, verglichen mit älteren Gesellungsformen? Da kommt also der gesellschaftliche Faktor hinzu. Und wie kann ich das bildlich darstellen?
      Ansätze dazu gibt es in den Tavernenszenen, aber auch in manchen Legebildern, zB die von Emma an der Käsetheke. Die ganz besonders! https://gerdakazakou.com/2016/04/06/geschichtengenerator-emma-ka-und-emma-lo-an-der-kaesetheke/

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      • Ulli schreibt:

        Die Vereinzelungen, die zunehmend kalten und leeren Räume in der Öffentlichkeit, Stahl und Glas (und einiges mehr) im Kontrast zur Geselligkeit, dem gemeinsamen Musizieren in den Familien, dem Geschichtenerzählen am Feuer … hierzu passen auch gut deine geometrischen Studien der jüngeren Zeit, die ja auch in diese Zeichnung mit eingeflossen sind.
        Es wird ja immer viel von den Spaltungen der Gesellschaften geredet und sie sind spürbar, das fällt mir auch noch dazu ein.
        Sicherlich spannend dies umzusetzen!

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    • gkazakou schreibt:

      genau, danke Ulli!

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  4. wildgans schreibt:

    Solcherart Skizzen gefallen mir, und ich wertschätze sehr, dass es hier nix mit Raunächten zu lesen gibt…offenbar hältst du es anders.
    Wie hast du Menschen malen gelernt – oder es dir selbst beigebracht? Schwierige Sache, find ich.
    In deinen Skizzen sind verschiedene Körperhaltungen zu erkennen, von angespannt bis locker…schön!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Sonja. Ich habe oft Menschen gezeichnet, auch Modelle. Am wichtigsten war mir aber immer, die Bewegung in mir selbst zu fühlen, dann kann ich sie auch zeichnen. Bei Gesichtern finde ich es schwieriger.

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  5. Ja ich finde auch liebe Gerda, daß Deine Darstellung die Anonymität und die Kälte einer solchen Begegnungsstätte sehr gut trifft!
    Hier gefällt mit auch die dezente Bearbeitung sehr gut!
    Liebe Grüße Babsi

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  6. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Zwei Gegensätze, oh ja, dort der kleine Bäckerladen, eine konkrete verbindende Verkaufshandlung und hier die Ankommenden, wie ziellos scheinen sie erstmal. Keine Einheit, nur einzelne Personen, die gleich nicht mehr da sein werden…

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Bruni! ich denke, jeder hat ein Ziel, doch kein gemeinsames, verbindendes. Sie wollen alle irgendwohin oder irgendwo ankommen, jemanden treffen, abholen oder abgeholt werden. Ihr Sinnen ist auf dieses ihr Ziel gerichtet und sie nehmen nur den Ausschnitt der Wirklichkeit wahr, der ihnen dabei dient.

      Gefällt 1 Person

      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        und deshalb wirken sie hier noch so ziellos, doch sie sind es ja nicht und es verhält sich so, wie Du so treffend schreibst, liebe Gerda

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