Das Brot des Bäckers (Zeichnung)

Ich betrachtete die gestrigen Fotos aus dem Bäckerladen, und mir gefiel, wie der Kopf des Bäckers in der dunklen Rundung der Rückenansicht meines Mannes lag. Der Kopf des Bäckers, so schien mir, war den Brotlaiben ähnlich geworden, die seine Hände ein Leben lang kneteten, und die nun auf dem Regal hinter ihm ruhten.

Während ich zeichnete, dachte ich an die Zeit, als ich meinen Mann kennenlernte. Auch er war damals „Bäcker“ gewesen – in der Brotfabrik Lembke. Als angelernter  „Chemiker“ fügte er den Teigen in den großen Rührmaschinen jeweils an die 30 Substanzen bei, erzählte er mir. Besonders bekannt war das Toastbrot, das weiß und geschmacklos war – weshalb ich es nie kaufte.

Eine starke Verbindung fühlte ich, während ich zeichnete, zwischen diesen beiden Männern – und zum Brot: der eine, der als Gastarbeiter in die Fremde ging mit dem Traum, Professor zu werden (ja, er schaffte es) – der andere, der in der Heimat blieb und wie die Generationen vor ihm das gute Brot im uralten Ofen buk. Gestern haben sie sich zum ersten Mal getroffen.  Zwei Bäcker.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Antworten zu Das Brot des Bäckers (Zeichnung)

  1. Maren Wulf schreibt:

    Und immer schließen sich Kreise…

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  2. Chrinolo schreibt:

    Schöne Erinnerungen .. 🙂
    Deine Zeichnung erzählt so wundervoll darüber!

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    S e h r ausdrucksvoll und großartig erfaßt, diese Begegbung der beiden Bäcker. Es scheint so, als ob der einheimische Bäcker dem Professor viel Persönliches anverstraut, weil er sich „verstanden“ fühlt. Künstlerisch hast Du das auch wieder wunderbar gestaltet, was in der Bearbeitung noch besser zum Ausdruck kommt, finde ich.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Gisela, die beiden haben nur Brot und Geld ausgetauscht, vielleicht auch ein „Guten Tag“ und „Gutes Neues Jahr“. da wurde nichts „anvertraut“. Ihre innere Verbindung ist für mich beim Zeichnen sichtbar geworden.

      Liken

      • Gisela Benseler schreibt:

        Ja, die innere Verbindung meinte ich, die Dir beim Zeichnen bewußt wurde. Da muß ja nicht gesprochen werden. Eben ein Austausch ohne Worte , bzw. nur auf das Notwendigste, Geschäftliche, äußerlich beschränkt.

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  4. wildgans schreibt:

    Mit großer Weit- und Übersicht geschrieben…
    Ein bisschen dort entlang gedacht, hätte ich, die ich sehr lange Zeit Kinder und Jugendliche unterrichtet habe, immer jung und kindlich bleiben müssen…Oha, kein so schlechter Gedanke…
    Alles Gute dir, liebe Gerda!
    Sonja

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  5. kopfundgestalt schreibt:

    Das Brot des Bäckers ist Günter lamprechts wohl bedeutendster Film.
    Ich würde bleibend auf ihn aufmerksam durch „rückfälle“. Weithin bekannt ist er durch Berlin Alexanderplatz.

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  6. kopfundgestalt schreibt:

    Ich mag die Hingabe des Bäckers hier und das annehmen und vertrauen durch den Kunden

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  7. kopfundgestalt schreibt:

    Etwas ähnliches passiert, wenn Keramik den Besitzer wechselt 😀

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  8. TeggyTiggs schreibt:

    …der Käufer scheint die Bewegung des Bäckers in sich aufzunehmen, während der Bäcker in seiner Tätigkeit demütig bleibt, ganz dienend, nimmt der Käufer, Dein Mann, diese Geste an und auf…? …es lässt sich viel hineindeuten…mir gefällt der Gedanke, der Kopf des Bäckers sieht den Broten ähnlich…

    Gefällt 2 Personen

  9. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    und es wurde eine wundervolle Zeichnung, liebe Gerda.
    So voller Harmonie ist selten eine Zeichnung. Der Kopf des Bäckers, die Brotlaibe, die eine ähnliche Form haben, die Gelassenheit der beiden, der eine wickelt vermutlich das Brot in ein dünnes Papier und Dein Mann wartet den Moment ab, in dem Geld und Brot den Besitzer wechseln. Sehr sensibel eingefangen!

    Gefällt 1 Person

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