Kannenplausch fortgesetzt

Nachdem ich allerlei Tagesgeschäften nachgegangen war, zog es mich unwiderstehlich in das Zimmer, wo ich die Kannen zurückgelassen hatte. Ich machte Licht an und staunte: die Szenerie hatte sich gründlich verändert. Emma und Erna, ihres Zeichens Hauspersonal, waren in der Küche verschwunden, und der kleine Max war schlafen gegangen. Stattdessen hatten sich zwei recht dicke dunkel gewandete Damen zum Plausch eingefunden. Die eine war eine schwere schwarze Gusseisenkanne namens Waltraud, die andere eine sehr gewöhnliche dunkelgrüne Teekanne aus Ton, die sich praktischerweise Toni nannte. Neben der eleganten Friederike hatte sich ein langweiliger  Herr in blauem Anzug und mit schwarzem Hut aufgestellt, seines Zeichens Thermoskanne. Sein antikisierender Name: Themistokles (der, der die „hölzernen Mauern“, nämlich Schiffe baute, um den Angriff der Perser abzuwehren).

Diese vier also standen recht gedrängt rechts im Bild. Ich hörte Waltraud und Toni tuscheln und zischeln, doch was war es, was sie in Unruhe versetzte? Von links schritt eine orientalische Kanne mit weit ausladendem Schnabel heran. Ein Mann, und zwar kein langweiliger, sondern einer mit schlanker Taille und glänzendem Outfit! Ein Perser etwa? Friederike begann schüchtern zu glänzen. Da bahnte sich ein amouröses Histörchen an, keine Frage! Fraternisierung mit dem Feind? Wie würde es ausgehen?

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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10 Antworten zu Kannenplausch fortgesetzt

  1. puzzleblume schreibt:

    Die Dynamik des Neuankömmlings ist aber auch zu bestechend attraktiv 😀

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  2. www.wortbehagen.de schreibt:

    *lach*, da ist was los, bei Dir zuhause, liebe Gerda. Ich fürchte, die Kannen geraten langsam außer Rand und Band und ob sie sich dann noch an ihre Pflichten erinnern? 🙂
    Der feine Herr mit der schlanken Taille schaut mir auf den ersten Blick ein wenig hochmütig aus. Nein, meinst Du?
    Dann hoffe ich sehr, Friederike wird sich von ThermoskannenLangweiler Themistokles nicht abhalten lassen und ihm drei winzige Schritte entgegentänzeln *schmunzel*

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Gefällt mir gut, weil wir genauso eine Schnabelkanne zu Hause haben, wie Deine linke Kanne. Ich vor vielen Jahren aus dem Irak mitgebracht. Und eine Menge Erinnerungen sind aufgeschienen.

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  4. Ulli schreibt:

    Ich las gerade ein Buch von Horváth, Der ewige Spießer, wie mir scheint wird auch hier der Fremde erst einmal argwöhnisch betrachtet …

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