Der Schirm des Zauberers (Nachtzirkus*)

Der Nachtzirkus*

Kapitel „Der Schirm des Zauberers“. Prag, März 1894, S. 189-90 *

Obwohl es weiterhin schüttet, spürt sie nicht einen einzigen Tropfen. (…) Mit einem Mal ist Celia sich ziemlich sicher, dass sie nicht ihren Schirm in der Hand hält.

„Entschuldigen Sie, Miss Bowen.“ Die Stimme übertönt den Regen und hallt über den Platz. Eine Stimme, die sie schon erkennt, bevor sie sich umdreht und Marco hinter sich stehen sieht. Er ist vollkommen durchnässt, und vom Rand seines Bowlerhuts fallen Tropfen. In der Hand hält er einen geschlossenen schwarzen Schirm, der genauso aussieht wie ihrer.

„Ich glaube, Sie haben meinen Schirm“, sagt er mit einem Grinsen, das unschuldig sein soll, dafür aber zu gerissen ist.*

Drei Anläufe habe ich gemacht, um diese Szene zu legen. (Zum Vergrößern anklicken)

Und hier noch drei Bildausschnitte und acht Bearbeitungen. Viel Spaß!

*Ich zitiere aus dem Buch „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, in der deutschen Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen 2012 bei Ullstein.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Der Schirm des Zauberers (Nachtzirkus*)

  1. mmandarin schreibt:

    Immer wieder erstaunlich, wieviel Ausdruckskraft in so ein paar Fetzen Papier liegen können. Da ist eindeutig Zauberei am Werk.🙃

    Gefällt 4 Personen

  2. christahartwig schreibt:

    Wie seltsam sind wir Menschen doch – selbst wenn es um die Erinnerungen an unser Kopfkino geht. Bei mir kam Marco von hinten schräg rechts, und unwillkürlich tendiere ich zu Bild B – unbearbeitet, wie fast immer bei mir. 🙂
    Liebe Grüße
    Christa

    Gefällt 1 Person

  3. gkazakou schreibt:

    Jetyt w[rde mich noch interessieren, wie du den Marco siehst. Im Profil, mit glänzender Nasenspietze und glänzenden Regentropfen im schwarzen Haar? Das würde mich freuen.

    Gefällt mir

    • www.wortbehagen.de schreibt:

      ich sah ihn vor allem triefend nass, mit den Tropfen, die von seiner Hutkrempe herabfielen und von dort munter weiterplätscherten, auf die Schultern, die Nase, überall hin… und es interessierte ihn scheinbar nicht.

      Gefällt 1 Person

  4. chris schreibt:

    Ich such mir immer was aus, wo Blau mit drin ist 😉
    https://gerdakazakou.com/#jp-carousel-46574
    aber das kontrastiert auch so schön !

    Gefällt 1 Person

  5. wildgans schreibt:

    In deinen Bildern ist man nie allein!

    Gefällt 2 Personen

  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    Wundervoll ist jede Deiner Variationen, liebe Gerda,
    aber meine liebste ist die mittlere Version, Bild Nr. B .
    Hier ist die Situation, meiner, die ich im Geiste beim Lesen sah, sehr, sehr ähnlich.
    Deine Celia ist eine Celia, aber Marcos Gesicht empfand ich immer als glatt, zu glatt, zu hübsch

    Gefällt 1 Person

  7. gkazakou schreibt:

    Danke dir, du Liebe. Ja, im zweiten ist die Celia so schön, wie sie sein sollte. Zum Glück hatte ich den Schnipsel mit all den farbigen Figuren von Hieronimus Bosch, die nahm ich für ihr Lockenhaar und baute sie besser ein als im ersten Bild. (Im dritten Bild schmückt er dann das Kleid). Im zweiten trägt sie auch das richtige Kleid: schwarzer Samt mit rotem Rand. Im dritten Bild wirkt Ceia lebhafter und überrascht wie eine normale ganz junge Frau, was sie ja auch ist.
    Celia hat einen verrückten schlimmen Vater, ein Zauberer, mit dem sie kommunizieren kann. Marco aber ist ja ein Waisenkind, das gar keinen Familien-Hintergrund hat. Sein „Gönner“ ist grau, spricht nie und berührt ihn nie. Woher soll er einen farbigen Charakter haben, der Arme? Diese Hilflosigkeit unter dem Schein des Herrn drückt sich am besten im zweiten Bild aus. Im ersten ist dafür etwas von seinem gerissenen Grinsen zu erkennen. Und im dritten gefällt mir, dass er über seinem eigentlichen Gesicht eine Maske trägt. Da finde ich auch den Zauberschirm besonders gelungen.

    Gefällt 1 Person

  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Danke, wie schön, wie Du Deine Gedanken vom Legewerk weitergibst.
    Diese beiden alten Zauber tragen ihren lebenslangen Wettkampf nun auf Kosten der Jungen aus.
    Marco geht es nicht gut mit diesem *Vater*, der keiner ist, der ihn nur benutzt und wie soll ein Mensch Liebe erkennen, wenn er als Kind nie berührt wird?
    Celias Fall liegt anders, aber auch sie geht durch eine knochenharte Schule.
    Deine drei Versionen sind alle drei mehr als gut, liebe Gerda. Letzendlich entschied mein Gefühl.

    Herzlichst, Bruni

    Gefällt 1 Person

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