Montags ist Fototermin: 1. Kultur (Palast des Nestor, Minoisches Grab, Museum)

Zuerst die Kultur, dann die Natur!

Gestern waren wir im „Palast des Nestor“. Wurde der Palast tatsächlich vom homerischen Helden, Nestor dem „Alten“, gebaut? Möglich ist es schon. Die Anlage stand auf einem Hügel einige Kilometer Entfernung vom Meer. Wie leicht sich die Luft hier oben atmen lässt, wie beflügelte auch mich die Energie des Ortes! Damals, als der Palast erbaut wurde, wohl so um 1700 vor unserer Zeitrechnung, arbeitete man noch mit Bronze, das Eisen kam erst siebenhundert Jahre später an die Reihe. Der Ruhm des Ortes überlebte den Niedergang der Bronze-Kultur. Neunhundert Jahre später gab Homer dem inzwischen mythischen König Nestor Gestalt und Stimme.

Minoisch ist der Rhythmus, in dem der Palast gebaut und ausgemalt wurde, ganz ähnlich wie in Knossos auf Kreta. Heute sieht man noch die Grundmauern und eine tönerne Badewanne (!), alles geschützt durch eine kluge Überdachung, deren einziger Nachteil ist, dass man die herrliche Natur rundum nur in Ausschnitten betrachten kann. Erläuternde Tafeln begleiten den Rundgang.

Grad wollten wir weiter zum Museum im benachbarten Dorf, da sah ich zwischen zwei Hügelchen eine Kuppel. Ein intaktes minoisches Grab? „Wenn man nicht weiß, wohin man will, so kommt man am weitesten“ – las ich heute bei Jeannette als Zitat von Shakespeare. Und tatsächlich gelangte ich sozusagen mit einem Sprung von heute zurück ins frühe 2. Jahrtausend v.Chr.. Etwa so weit entfernt vom Punkt Null unserer Zeitrechnung wie wir Heutigen.

Völlig perplex, denn nirgends hatte ich ein Hinweisschild gesehen, stürmte ich über einen Hügel auf die Kuppel zu, stolperte über einen niedrigen Draht, rappelte mich auf, rannte hin zum Eingang, der sich riesenhaft vor mir auftat, trat ein in ein Gewölbe aus rundum in immer engeren Kreisen geschichtetem Stein, in schwindelnder Höhe zusammengehalten durch den runden Schlusstein. Wasser tropfte hinab auf den lehmigen Grund, meine Stiefel versanken darin, als ich, nicht achtgebend, durch diesen wunderbaren Raum ging, den Kopf im Nacken, staunend. (Die Stiefel zog ich später, als wir im nahegelegenen Dorf ins Museum gingen, aus, und so betrachtete ich die Vitrinen in Socken. Nein, erkältet habe ich mich nicht, und gesäubert sind die Stiefel inzwischen auch.)

Eine Ahnung von der Höhe gibt das Tor, darin der Mensch als Maßstab. Von außen wirkt das Bauwerk eher bescheiden, zumal es im Zug der Jahrtausende in die Erde eingewachsen ist und nun durch einen tiefen Graben erschlossen wird. Die innere Kuppel konnte ich nicht fotografieren.

Jetzt also noch schnell ins Museum im Nachbardorf! Dort werden die Reste der Wandbemalungen und viele andere Gegenstände aus dem Palast und aus den minoischen Gräbern der Region (denn es gibt noch weitere, wie ich inzwischen erfuhr) aufbewahrt. Töpfer aufgepasst! Könntet ihr heute übermannsgroße Vasen für Öl herstellen, die auch nach 4000 Jahren noch intakt sind? Und wir Maler: wie sieht es mit der Haltbarkeit unserer Farben aus? Die Pfeilspitzen und gröberen Schmiedearbeiten zeugen wohl schon vom Übergang in die Eisenzeit. Wie fein dagegen die Arbeit des Goldschmieds! Die eleganten Ziselierungen des winzigen Kopfes erkennt man erst durch die darüber aufgebaute Lupe.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Antworten zu Montags ist Fototermin: 1. Kultur (Palast des Nestor, Minoisches Grab, Museum)

  1. kunstschaffende schreibt:

    Diese Rekonstruktion könnte eine hochmoderne Anlage in unserer Zeit sein. Es ist fantastisch, wie diese Menschen vor 2500 Jahren gebaut haben. Erinnert mich jetzt sogar an Bauhaus, ganz gerade konkrete rechteckige Formen! Einfach toll!

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    • gkazakou schreibt:

      Dein Vergeich mit Bauhaus finde ich interessant und stimmig. Das Baumaterial war eben Stein, da konnte oder wollte man sich keinen Firlefanz leisten. Stattdessen gab es die Zwischenlagen aus Ziegel und Holz, was gegen Erdbeben half. als Zierelemente die fabelhaften Wandbemalungen sowie ein paar schlichte rote Säulen.

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      • kunstschaffende schreibt:

        Aber ist doch absolut genial, wie die Baumeister zu dieser Zeit schon die Architektur durchdacht und gelebt haben! Wahrlich eine meisterhafte Baukunst und mit der Malerei kombiniert. Es muss faszinierend sein auf diese Spuren der Vergangenheit zu gehen und zu stehen! Da habe ich wirklich großes verpasst, denn ich war noch nie Griechenland, leider!
        Heute hätte ich mit dem Rollator unterwegs, wohl große Probleme, diese Stätten zu besuchen. 😟🤔

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  2. Ulli schreibt:

    Das ist eine berechtigte Frage, ob man heute noch solcherlei Haltbares herstellen kann, beim Ton bestimmt die Höhe des Brandes die Haltbarkeit, bei den Farben wohl das Material, ich habe mich schon oft gefragt, ob die Töpfergefäße mit „Engoben“ bemalt wurden, Engoben sind verschiedenfarbige Tonerden, heute werden sie dann noch mit einer klaren Glasur überzogen…
    Und auch die sonstigen Malfarben, waren sie nicht früher auch „nur“ Erdpigmente, spannend wäre ja noch zu wissen womit sie gebunden wurden (Eiklar?)…
    Ans Bauhaus habe ich auch gedacht!
    herzliche Grüße, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      ich hab mal bei wiki nachgeschat und fand über antike Farben:
      „Das Mineral Zinnober war für rote Flächen besonders beliebt, gebräuchlich war aber auch das weniger intensive Hämatit. Ocker, ein Gemisch aus Brauneisenstein mit Ton, Quarz und Kalk lieferte gelbliche und gelbbraune Töne. Aus dem Mineral Azurit ließen sich Ultramarin, Kobaltblau oder Türkis gewinnen. Für Grüntöne gab es Malachit, ein Verwitterungsprodukt des Azurits (daher kann man heute nicht ausschließen, dass grüne Pigmente früher einmal blau waren). Kräftiges Gelb oder Orange stammte von hochgiftigen Arsenverbindungen aus den Minen Anatoliens. Der Ruß verbrannter Knochensubstanzen fand als Schwarz Verwendung. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. verwendete man zusätzlich Mischungen weißer Pigmente mit organischen Farbstoffen. Zum Beispiel ergab das Purpurrot ausgekochter Krappwurzeln, mit Weiß aufgehellt, sehr geeignete Hautfarben.“

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      • Ulli schreibt:

        Stimmt, es gab/gibt ja nicht nur die Erdfarben, sondern auch die Pflanzenfarben und Mineralien, was haben sie schon so früh geforscht!
        Noch immer finde ich es faszinierend, dass die Ägypter ihr Gold brannten, indem sie die Frabe des Feuers beobachteten, wurde Gold zu heiß wurde es schwarz und hin war das Gefäß, die Skulptur und vor einem gewissen Hitzegrad ging es auch nicht…
        danke fürs Forschen, liebe Gerda!

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  3. www.wortbehagen.de schreibt:

    Wundervoll, Eure Wanderung zu den Grabungsstätten und hochinteressant, was Du dazu schreibst, liebe Gerda. Das Modell des Nestor – Palastes scheint fast eines von heute.
    Ich denke an all die neuen kubischen Formen bei neuen Villen hier in in der Region und selbstverständlich an die Bauhausbewegung. Darmstadt liegt in meiner Nähe und somit die Mathildenhöhe mit dem Bauhausmuseum.
    Ich kann mich gut an den Palast des Knossos auf Kreta erinnern, an die urigen großen Amphoren und die wunderschönen Wandmalereien. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die Zimmer ursprünglich durch eine zentrale Wasserleitung mit fließendem Wasser versorgt. (Oder bilde ich mir das jetzt nur ein, nach so vielen Jahren?)
    Nur eines störte mich dort; die Besuchermassen, DIE hätte ich nicht gebraucht.

    Ein toller Ausflug, liebe Gerda. Beneidenswert, daß Du das alles in Deiner näheren oder auch weiteren Umgebung hast.

    Liebe Grüße von Bruni

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    • gkazakou schreibt:

      danke liebe Bruni! ich war zum ersten Mal in dieser Ausgrabung und wirklich sehr positiv angerührt, werde wohl noch mal hinfahren. In Knossos war ich natürlich auch mal, die Art des Wiederaufbaus durch den britischen Sir Arthur Evans ist ja von Fachleuten schwer kritisiert worden, da zuviel Fantasie dabei mitgewirkt habe. aber es ist natürlich reizvoll, durch richtige Räume zu gehen, auch wenn sie vielleicht damals nicht genau so waren. Und ja, die Besuchermassen…. Davon konnte hier zum Glück nicht die Rede sein.

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      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Knossos war trotz allem ein wundervolles und für mich sehr eindrucksvolles Erlebnis

        Wäre ich Du, würde ich auch nochmal hinfahren. Ich glaube, Du wirst immer wieder etwas entdecken

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