Märchenhaftes fortgesetzt

Drei Bilder habe ich gestern gelegt. Drei Leserinnen gaben mir ihre Interpretation. Einmal war von einem Fels die Rede, den man gelegentlich über seinem Kopfe fühle. Ein Damoklesschwert, eine erdrückende Schwere. Und ich fragte mich: was könnte das für eine Last sein? Woher rührt sie? Und wie kommt es, dass sie sich manchmal dann doch auflöst?
Gleichzeitig Beklemmung und Schutz vermittle das erste Bild, heißt es in einem anderen Kommentar. Und ich fragte mich: wer ist denn wohl die Figur, die da beklemmend und zugleich schützend vor dem offenen Raum steht? Und da dasselbe Stück Pappe einmal diese Person, das andere Mal aber den Fels darstellt, schien mir: es ist dieselbe Kraft.

Beim zweiten Bild wurde Befreiung  erlebt, aber auch Trennungsschmerz, Angst vorm Loslassen. Das Schützend-Erdrückende ist nun nicht mehr im Blickfeld, stattdessen fliegt dort ein Vogel. Er ist aus demselben Material wie zuvor das senkrecht im Boden steckende rote Schwert. Was schützend-bedrückendes Dach war, ist nun Baumstamm zum Anlehnen, und die graue Figur wurde zur Baumkrone, wenn sie nicht eigentlich ein“Fels“ ist.

Heute probierte ich mögliche Fortsetzungen mit dem Material des dritten Bildes aus. Ich bin gespannt, was ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, dabei fühlt und denkt. (Wie immer, zum Vergrößern anklicken)

Ich habe dann noch eine Frage. In welche Richtung schaut die Person eigentlich?

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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35 Antworten zu Märchenhaftes fortgesetzt

  1. kopfundgestalt schreibt:

    …zu Boden. Wie ich meine…

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  2. tontoeppe schreibt:

    Sie schaut nach oben, zum Vogel.

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  3. mizzimai schreibt:

    Es eröffnet sich mir hier eine recht dramatische Geschichte (von links nach rechts): Ein Felsen fällt – wobei der Felsen kein Felsen sein muss, er steht auch für „Be- und Erdrückendes“ – auf die Person, wodurch der Vogel befreit wird, bzw. er sich selbst befreit. Die „blaue Person“ ist nun an ihrem Tiefpunkt angelangt, vom Vogel verlassen, der Fels erdrückt sie fast. Sie schafft es, den „Fels“ abzuwälzen, steht davor, sinnend, den Blick nach unten, wie im Anblick von etwas Vergangenem, das enträtselt, bearbeitet, integriert werden möchte. Der Vogel entfernt sich weiter, die „blaue Person“ verlassend, wobei jedoch weiterhin eine Verbindung besteht: der Vogel fliegt weg von der Person, er fliegt nicht „irgendwo“ beziehungslos im Nichts. Der Vogel kehrt schließlich zurück, freiwillig, alter Staub wird aufgewirbelt, die Chance, dass Neues gesehen wird: „Hast du einen schönen Vogel, so lass ihn fliegen. Kehrt er zu dir zurück, ist er der deine, kehrt er nicht zurück, ist er niemals der deine gewesen.“

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe mizzimai, das ist eine eindrucksvolle Interpretation, ich freue mich sehr. das abschließenden Zitat gefällt mir sehr, es erinnert mich an Konfuzius : „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es für immer dir“.

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  4. mmandarin schreibt:

    Mir erscheint es, wie das Loslassen der Seele in Form des Vogels. Der Erdrückte Mensch steht auf, schaut ins Jenseits… ??? Nichts tut mehr weh, er schwingt sich auf…. ja, so sehe ich das. Marie

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  5. versspielerin schreibt:

    sie schaut sowohl nach oben als auch nach unten!
    haben wir nicht alle (mindestens) zwei gesichter? 😉
    zur obersten collage noch: ich empfinde dort nichts beklemmendes, sondern nur beschützendes. und ich sehe über den köpfen einen fisch.
    schöne arbeiten, fantastisch vielschichtig!

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  6. Agnes Podczeck schreibt:

    Liebe Gerda,

    diesem Zyklus würde ich den Titel „Die Auferstehung“ geben.

    Der Mensch, erdrückt von schwerer Last, ein Fels drückt ihn nieder, Probleme, Gedanken, bleierne Schwere machen ihn unbeweglich.

    Doch da, mit dem dem Vogel hat sich auch etwas in der Seele gelöst, gelockert. Er kann sich, langsam aber stetig, befreien.

    Für mich steht außer Frage, dass der Mensch dem Vogel nachsieht, ersichtlich schon allein an der Körperhaltung.

    Dem Menschen wachsen Flügel, er erhebt sich in die Lüfte, fliegt dem Vogel hinterher.

    In meiner Wahrnehmung ist Dir eine „große Erzählung“ gelungen, die mich wirklich ganz besonders berührt.

    Herzliche Grüße
    Agnes

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  7. wildgans schreibt:

    Manchmal kann und will ich nicht deuten.
    Aber schauen, weil ich neugierig bin. Auch auf das, was du gemeinsam mit einigen Kommentarmenschen zustande bringst. Nie banal, immer aufschlussreich. Deshalb…

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    • gkazakou schreibt:

      danke. liebe Frau Wildgans. ich bin beglückt über die mitgehenden Interpretationen, die mir zeigen, dass mit einfachen Mitteln der Bildgestaltung tiefe Gedanken und Gefühle in Bewegung gesetzt werden können.

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  8. m.mama schreibt:

    Erst traurig zu Boden und dann sehnsuchtsvoll dem Vogel hinterher. Je nach eigener Stimmung und wechselnder Perspektive.

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  9. kunstschaffende schreibt:

    Die unteren Bilder zeigen den Vogel als Retter, der den Stein auf dem Rücken der Person entfernt!
    Danach fliegt er davon und die Person schaut dankbar hinterher.

    Ja es gibt so etwas wie eine Befreiung der Lebenslast und sie kommt ganz unverhofft, so glaube ich!

    Sehr schön und bedeutent, Deine Legearbeiten!

    Herzliche Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Die Lebenslast, sagst du, wird von einer äußeren Kraft und ganz unverhofft von dem Menschen genommen. Manchmal, wenn die Kräfte für eine Selbstbefreiung nicht reichen oder die Umstände es nicht gestatten, ist das ja tatsächlich die einzige Hoffnung. Auch eine schöne Deutung.

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  10. Christiane schreibt:

    Bei dem großen Bild schaut sie für mich eindeutig dem Vogel hinterher …
    Liebe Grüße
    Christiane

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  11. afrikafrau schreibt:

    welch intensiven Dialog deine wunderschönen Legebilder auslösen, wie tiefsinnig…….lese mit…..

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  12. Pingback: Bitte Aufladen! – Agnes Podczeck

  13. www.wortbehagen.de schreibt:

    Er sendet ihn aus, den Vogel, der in meinen Augen eine Taube ist, blickt ihm lange nach und wartet geduldig auf seine Wiederkehr, mit einer Botschaft, die Gutes enthält.
    Ich muß an Noah denken, liebe Gerda

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  14. www.wortbehagen.de schreibt:

    *lächel*, ja, ich weiß und vielleicht hast Du ja einen Grashalm eingebaut, der kaum zu sehen ist?

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  15. www.wortbehagen.de schreibt:

    na, dann warten wir halt 🙂

    Gefällt 1 Person

  16. Pingback: Liebesdrama in drei Bildern oder „Wie es euch gefällt“. | GERDA KAZAKOU

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