Montag ist Fototermin: Museumsspaziergang

Gestern war ich in Athener Museen unterwegs, beginnend mit dem Akropolismuseum. Die exquisite Sonderausstellung „Emotions“ ging zu Ende. Skulpturen und Vasenbilder aus griechischen und ausländischen Beständen – u.a. aus NY, London, Paris, Mailand – waren zusammengetragen und mit begleitenden Videos ausgestellt. Im Zentrum zwei herrliche römische Skulpturen : Pothos (die Begierde, unerfüllte Sehnsucht) und Eros als Liebespfeile verschießender Knabe. Die Leidenschaften der homerischen Helden, die so viel Unheil über Troja brachten, waren vor allem auf Vasenbildern zu bewundern: Ajax, der sich ins eigene Schwert stürzt, weil er beleidigt wurde, Odysseus, der dem als Frau verkleideten Achill die Waffen vor die Nase hält, um ihn zu entlarven, Marsyas, der mit Apoll in einen musikalischen Wettstreit eintritt, Zeus, der sich Leda als Schwan nähert  – na, ihr kennt die Geschichten, aber sie nun noch einmal so gut dokumentiert zu sehen, war ein Hochgenuss. Leider war das Fotografieren untersagt. Ich fotografierte nur einen Mann, der mit seinem Hund spielt, meine Freundin knipste dann heimlich für mich noch Ganimed, der grad von Zeus als Adler davongetragen wird, und einen lächelnden Knaben mit Ente, in den ich mich ganz verguckt hatte.

Wir wanderten dann am Fuße des Akropolis-Berges entlang durch ein Wohngebiet, dass nach seinen Erbauern Anafi genannt wird. Eine Insel-Atmosphäre im Herzen Athens!

Wir wanderten bis zum antiken Friedhof Keramiko, über den ich schon öfter berichtet habe. Schau mal hier und  hier! Daher jetzt nur zwei Skulpturen und ein Bas-Relief aus dem sehr schönen, von der Deutschen Archäologischen Gesellschaft geführten Museum: Sphinx, Löwe und Mensch.

Weiter ging es, vorbei an der sonntags geschlossenen Synagoge und einigen Werkstätten für Arbeiten in Ton und Gips …

zum Museum für Islamische Kunst.  Es ist in einem 5-stöckigen schönen Gebäude untergebracht, dessen Fundamente auf der antiken Stadtmauer stehen. Gezeigt wurde insbesondere die keramische Kunst aus dem 15. Jahrhundert, die im vormaligen Nikäa (Kleinasien) für die neuen Herrscher hergestellt wurde (diese Fotos habe ich versehentlich gelöscht). Die islamische Kunst ist so ganz anders als die griechische: verspielt, ornamental, weich. Manche Exponate stammen aus Zeiten, als die Darstellung von Menschen noch nicht verpönt war (Persien vor Tamerlan). Sogar die tödlichen Waffen, mit deren Hilfe sich der Islam von Persien über halb Asien und Nordafrika bis nach Spanien ausdehnte, waren zierlich und hübsch dekoriert.

Selbst die Keramik-Enten und -Pferdchen haben bei den einen geschlossene klassische Formen (links: Keramiko), bei den anderen sind sie sehr viel dekorativ-verspielter (Mitte und rechts Islamische Kunst).

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Montag ist Fototermin: Museumsspaziergang

  1. kunstschaffende schreibt:

    Wunderschöne Kunstwerke und selbst die Waffenschmiede war Kunst!

    Gefällt 2 Personen

  2. Susanne Haun schreibt:

    Danke, Gerda, ein wunderbarer Überblick! Ich mag Ganimed, wie er von Zeus empor getragen wird. Deinen Entenjungen finde ich auch entzückend, das glatte Mamor bringt die glatte Haut zum Vorschein, sehr gelungen. Ich glaube, wir haben den Entenjungen in Berlin in der Abgusssammlung , habe ihn aber nicht auf meinen Fotos gefunden.
    Einen schönen Abend sendet dir Susanne

    Gefällt 3 Personen

  3. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, Schönes zeigst du uns heute, danke dafür, aber ich kenne bei weitem nicht alle Geschichten und ich vergesse sie auch immer wieder gerne, tja…
    mehr findest du direkt unter den Bildern-
    herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 3 Personen

  4. Elke H. Speidel schreibt:

    Wow, danke, dass du uns an deinem Museumsbesuch teilhaben lässt!

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  5. kopfundgestalt schreibt:

    Interessante Exponate.
    Bei den keramischen Objekten (nicht weil ich selbst Keramiker bin !) fiel mir auf, daß die Körper links mit einer bänderartigen Ornamentik versehen wurden. Man griff so etwas in der modernen Kunst des öfteren auf: Einen Körper „aufzufüllen“ mit Ornamentik.
    Bei der Ente kann ich leider nicht den Kopf erkennen. Auch frage ich mich über das Kleinod, was auf ihrem Rücken liegt.

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  6. juergenkuester schreibt:

    Immer wieder erstaunlich. Vielen Dank für die Einblicke, Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  7. www.wortbehagen.de schreibt:

    Wundervolle Exponate, ausgesuchte Stücke, und ich wandere mit, liebe Gerda,
    und bin mal wieder begeistert über das, was Du uns hier zeigst.
    Deine Worte ergänzen und erklären und es macht Freude bei Dir zu sehen und zu lesen

    Liebe Grüße an Dich von Bruni

    Gefällt 2 Personen

  8. wildgans schreibt:

    Danke für den kleinen Rundgang – wobei mir die meist männlichen Waffensachen und Bildkunstwerke leicht langweilig werden, doch dieser kleine Inselstadtteil würde mich sehr interessieren, vor allem, welche Menschen in der Jetztzeit dort leben! Außerdem finde ich alles Ornamentale schön!
    Gruß von Sonja

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke Sonja! Wer dort lebt? Persönlich kenne ich niemanden, aber ich vermute, dass es zum einen Erben sind (die Häuser sind klein und im Familienbesitz) und zum anderen Leute, die sich dort eingekauft oder eingemietet haben, weil die Idylle sie lockte und die schwierigen Anwege zu Fuß bergauf sie nicht schreckten.

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  9. PPawlo schreibt:

    Was für ein Glück, eine Inspirations-und Karftquelle, immer wieder solch hochkarätigen, Geschichte und Legenden atmenden Kunstwerken zu begegnen und das mit all ihrer Schönheit!!
    Dank dafür, dass du uns in deinem Beitrag einen so faszinierenden Einblick bietest! Liebe Grüße, Petra

    Gefällt 2 Personen

  10. finbarsgift schreibt:

    Dankeschön für diesen wundervollen Museumsmitbesuch 🙂
    Lass es dir gut gehen!
    Herzlich, Lu

    Gefällt 1 Person

  11. Pingback: Besuch im Benaki-Museum für griechische Kultur | GERDA KAZAKOU

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