Immer noch geistern drei Wörter durch Bloghausen, beherbergt von Christiane, gespendet von Jule und konzipiert von lz. Die Wörter lauten: Paradeiser, Kinkerlitzchen und Schlawiner. Daraus sind Geschichten zu zimmern, die nicht mehr und nicht weniger als zehn Sätze umfassen sollen. Diesmal hab ich die Sätze gezählt.
Zehn Sentenzen = eine Geschichte
„Vorsicht, Paradeiser!“ ruft ein hilfsbereiter Bürger.
„Zu spät“, antwortet Ketchup. Er kannte das Wort nicht.
Der Fahrer des Lasters hatte es (oder ihn?sie?) nicht mal bemerkt.
Ein Schlawiner, wer sich Böses dabei denkt (Honi soit qui mal y pense).
Ein Laster ist ein Laster und nicht sieben Laster, als da sind: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid, Trägheit.
Tomate ist Tomate, in runder oder in gequetschter Form. Alles andere ist Lametta, Feingeisterei und Kinkerlitzchen.
Jetzt fehlen noch zwei Sätze.
Und jetzt ist die Geschichte komplett.

Hieronymus Bosch (1450–1516): Die Sieben Todsünden; in den Ecken: Die vier letzten Dinge
Frage: Warum hat Hieronymus Bosch die sieben Hauptlaster als Rad dargestellt?
Mein Dank geht an die Anreger und Verwalter dieses schönen Spiels: lz vom Textstaub, Christiane von Irgendwas ist immer und Frau Jule vom Pinselfisch.
Schreibeinladung für die Textwoche 18.17 | Wortspende von pinselfisch




Du hast mich gerade dazu gebracht, das Bild nachzuschlagen. Danke dafür! Warum die sieben Todsünden als Rad dargestellt wurden, weiß ich immer noch nicht; praktische Vermutung: Es ist eine Tischplatte, vielleicht wollte man, dass von allen Seiten etwas zu sehen ist, wenn man sich dem Tisch nähert? Dann hätte ich es allerdings logischer gefunden, auch die Vier letzten Dinge ähnlich anzuordnen. (Ich wusste auch nicht, dass Boschs Urheberschaft angezweifelt wird.)
Liebe Grüße
Christiane
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das letztere wusste ich auch nicht. Aber was wird in der Kunst nicht angezweifelt! Die Urheberschaft war im Mittelalter bekanntlich zweitrangig. Copyright ist ne neue Erfindung. 😉
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„Was wird in der Kunst nicht angezweifelt“ ist mir jetzt ein bisschen zu pauschal. Aber klar, recht hast du, was das Copyright angeht. Wenn das Gemälde aus seiner Werkstatt bzw. seinem direkten Umkreis stammt, hätte ich für mich mit der Zuschreibung gar kein Problem.
Aber weißt du nun, warum die Todsünden rund sind?
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nein, DAS weiß ich leider nicht, nicht mal, ob dieses Rad eindeutig von ihm ist …
Hab ich wohl in der Fülle der Infos vergessen … leider …
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Ich weiß, daß sie wirklich sehr oft angezweifelt wird und viele seinen sehr bekannten Namen nutzten, aber selbst die verschiedenen Kunsthistoriker sich sich da oft nicht einig. Anderes, was ihm auch zugeschrieben wird, ist nachweislich nicht richtig.
Ich hab mal eine Vorlesung über seine Werke besucht und mit aus diesem Grunde war alles um ihn höchst interessant. Sein genialer Strich wurde sehr gerne kopiert, doch der Meister war immer besser – nach allem, was ich sehen durfte
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Die Todsünden heißen offiziell „Hauptlaster“ (die kleineren Sünden heißen Töchterlaster). Und so wie ein Laster durch sein Rad einen Paradeiser in Ketchup verwandeln kann, so kann das katholische Lasterrad Menschen platt machen, bis sie mehr dem Ketchup als dem Menschen ähneln. Uff. Weit hergeholt? Stimmt. Aber immerhin epochen-übergreifend assoziiert. 😉
Im Ernst: ich denke, es hat mit dem Rad des Lebens zu tun. Kaum haben wir ein Laster überwunden, hängen wir im nächsten fest.
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eine tolle Antwort, liebe Gerda!
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Liebe Gerda, du meine Güte, kaum war ich einmal zwei Tage nicht in Bloghausen finde ich bei dir sooo viele Gedanken und Fragen und Bilder, du bist schon eine sehe Fleissige!!!
Was nun den kreis betrifft oder das Rad, so denke ich, dass die Menschen von einem ins andere geraten, die Übergänge sind dabei fliessend, wenn auch nicht in dieser Darstellung, selten kommt ja ein „Laster“ pur daher, wenn auch ein Laster reicht, um aus einer Tomate ein bisschen Ketchup zu machen 😉
herzliche Grüsse
Ulli
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die letzte Bemerkung hats in sich: wofür brauchen wir 7 Laster, wenn eines reicht.
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