Auf der Waagschale

Wie man die vorerst letzten griechischen Wahlen auch nimmt – eins kann man ihnen nicht absprechen: Sie haben es geschafft, mächtige Bewegung  mit absolutem Stillstand zu versöhnen.  Als die Wahlzettel ausgezählt waren, stellte man erstaunt fest, dass zwar nur jeder zweite zur Wahl gegangen war, dass das Volk aber wie in geheimer Absprache genauso gewählt hatte wie im Januar. Gemäß dem Wahlspruch: alles verändert sich und alles bleibt, wie es ist.

IMG_4652

Ein paar Misshelligkeiten gab es allerdings:

  • Einige Kandidaten wurden dabei ertappt, dass sie allzu leicht waren (gewogen und zu leicht befunden).
  • Andere wiederum waren so schwer, dass der Waagebalken unter ihnen brach.
  • Etliche schafften es erst gar nicht auf die Waage.

Wenn ich mir das Ergebnis anschaue, bemerke ich, dass sich die Parteien wieder mal nach dem Gesetz des Drittels verteilen! Das nenne ich ausgewogen!  Die zwei größten teilen sich zwei Drittel. Ins Parlament darf der stärkere der beiden noch 50 Extra-Genossen als Bonus mitnehmen.

Das dritte Drittel fällt an die übrigen fünf. Das ist ein buntscheckiger Haufen. Klein sind sie allesamt, 4-6-Prozenter. Die Schwersten unter ihnen haben sich in der „Goldenen Morgenröte“ zusammengefunden. O weh, holde Avgi, Göttin der Morgenröte! Wenn du es sähest, dies Nachtgelichter, du würdest glatt erblassen!

vergl. Blogbeitrag „Nachtgelicht er“                       IMG_3345 MorgenroeteAcht Parteien sinds ingesamt. Nein, nein, ich stelle sie euch jetzt nicht alle vor. Morgen sind sie vielleicht schon nicht mehr da. So geschah es den tapferen Linken (vormals Syriza), die das „NEIN vertiefen“ wollten. Sie gaben sich den Namen LAE, was soviel heißt wie VOLK! im Vokativ. Das angerufene Volk aber hatte keine Lust auf sie. Das OXI war nicht soo gemeint.

IMG_4663

Da Parlamentarier ihre Existenz den Stimmzetteln verdanken, habe ich mir gestattet, sie mehr als Zettel-Konglomerate denn als geordnete Figuren darzustellen. Vergleiche mit real existierenden Politikern sind nicht angezeigt.

Liebe Leute, so viel zu den vorerst letzten Wahlen im Land der Hellenen.

Bleibt mir gewogen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, die griechische Krise, events, Methode abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Auf der Waagschale

  1. ingrid schreibt:

    Ob der eine oder andere Politiker Gestalt annehmen, landen und festen Boden unter die Füße bekommen würde, wenn das Bild im Querformat wäre und ihnen mehr Platz ließe, Gerda mou?

    Gefällt 1 Person

  2. Myriade schreibt:

    Aus Zetteln erschaffene Parlamentarier sind seeeehr fein, ein großartiges Bild !

    Gefällt 1 Person

  3. ingrid schreibt:

    Noch mal ich.
    Darf man sich in Deinem Blog auch was wünschen, Gerda mou?
    Wenn ja, wünsche ich mir von Dir ein KONSTRUKTIVES Bild zum Neustart der GRRegierung.

    Gefällt 1 Person

  4. ingrid schreibt:

    Alle guten Dinge sind 3
    Meine nicht zur Wahl, sondern wünsche mir ein konstruktives Bild für ihren Regierungsweg.
    Nun aber ;-*

    Gefällt 1 Person

  5. gkazakou schreibt:

    Klar, hab ich schon richtig verstanden. Abwarten! Kommt Tat, kommt Bild.

    Gefällt mir

  6. Liebe Gerda,
    wunder bar passend diese Bilder – und die Idee des (Stimm)Zettel-Konglomerats ist grossartig und ebenso umgesetzt. Was mir heute aber besonders gefällt, ist Dein Text. Dss ist ja sozusagen eine äußerst treffende, ausnehmend poetische Wahlanslyse. Sowas habe ich noch nirgends gelesen. Da möchte ich mehr davon…
    Liebe Grüße
    Kai

    Gefällt mir

  7. gkazakou schreibt:

    Vielen Dank für dein „da möchte ich mehr davon“!

    Gefällt mir

  8. mcschlingel schreibt:

    Vielleicht liegt das Wahlergebnis aber nicht nur daran, dass die Griechen resignieren, sondern vielmehr, dass sie weiterhin glauben Tsipras könnte mit seinen Kollegen etwas bewegen. Und warum hat jeder hier Besitzrecht auf den anderen (mou-mein, oder?)?

    Gefällt mir

    • gkazakou schreibt:

      Lieber Schlingel, Hab ich was von Resignieren oder Hoffen gesagt? Über „die Griechen“ habe ich keine generelle Meinung, ich vermute, jeder einzelne hat sein eigenes Seelenleben. Kann nur mein eigenes einigermaßen beurteilen. Was das „mou“ anbetrifft, so ist das eine übliche Anredeform zwischen Freunden, eine Art Umarmung und Küsschen rechts und links, kein Besitzanspruch.

      Gefällt mir

  9. gkazakou schreibt:

    danke Schlingel! „Realität voll Freundlichkeit“ ist das schönste Kompliment!

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s