Bilder-ABC und Kalenderblatt 8.9.: H wie Hauswand (casa nostra)

Heute setzte ich mich vor mein Atelier, um für Heides Monats-Challenge die aus Naturstein gemauerte Hauswand in den Kalender zu zeichnen. Eigentlich hatte mir mein Lieblingsthema Hafen vorgeschwebt, aber woher nehmen? Es gibt zwar zahllose Hafenbilder in diesem Blog, doch nicht auf der richtigen Seite des Kalenders. Der zweite Gedanke war Hund, aber auch da fehlte mir dss lebende Modell. Also Haus.  Oder, weil ich von keinem Punkt aus das ganze Haus erfassen kann, Hauswand.  Und so zeichnete ich brav ein Stück Hauswand samt Atelierfenster und -Tür, Gartenschlauch, Fegeblech und Terpentinflasche. Auch ein bisschen Grün vom Granatapfelbaum durfte mit aufs Bild.

Während ich so vor mich hinzeichnete, dachte ich über die Geschichte des Hausbaus nach. Wann hatte man eigentlich damit angefangen, gerade senkrechte Wände und rechte Winkel für den Bau der menschlichen Behausungen zu benutzen? In uralten Zeiten wird es doch wohl eher der zeltartige Rundbau gewesen sein, gefertigt aus Holz und Lianen oder anderen geeigneten Pflanzen? Oder man schichtete Steine übereinander, wie man sie fand, und schaffte sich so eine höhlenartige Unterkunft?

Ich schaute im WWW nach und erfuhr, dass es in den alten Hochkulturen des „fruchtbaren Halbmonds“, also in Westasien, bereits ab 10 000 v.Chr. üblich wurde, Häuser wie die unsrigen aus luftgetrockneten Lehmziegeln zu bauen. Die rechtwinkligen Hohlräume waren praktisch, denn man konnte sie bei Bedarf leicht erweitern. Und so sehen denn auch bis heute viele unserer griechischen Inseldörfer wie ineinander gestapelte Kuben aus, wenngleich inzwischen der Stein und später der Stahlbeton die Lehmziegel ersetzte.

Es waren die Römer, die das Bauen mit Stein revolutionierten, wobei der von ihnen entwickelte Beton (Opus Caementitium) aus Vulkanasche und Kalk ein entscheidende Rolle spielte. Nicht nur die offiziellen Prachtbauten, sondern auch Bürgerhäuser wurden zunehmend aus behauenem Naturstein gebaut.

Und worin unterscheidet sich unser Haus von diesen früheren? Nun, bei uns sind ein Stahlskelett und Betonpfeiler und -Decken eingezogen – und zwar wegen der Erdbebengefahr sogar verpflichtend. Der Stein hat also keine tragende Funktion mehr. Die Wände sind aber immer noch massiv aus Stein und nicht, wie heute oft üblich, nur mit einer dünnen Schicht aus Naturstein garniert. Die nur grob behauenen Steine sind durch Zementmörtel zusammengefügt. Viele der Innenwände wurden zusätzlich mit einer Schicht Backstein verkleidet und weiß verputzt.

Ich liebe unser Haus, das ich casa nostra nenne. Nie hätte ich zu träumen gewagt, einmal in einem solchen Haus zu leben.  Aber dann ging es plötzlich ganz schnell: im Jahre 2000 beschlossen wir, uns hier in der Mani anzusiedeln, und ein Jahr später war das Haus wie von Zauberhand entstanden und bezugsfertig. Mein Herz ist voller Dank für den inzwischen verstorbenen begeisterten Wiederbeleber der traditionellen Steinhaus-Bauweise Nikos Koulis, der alles organisierte, für den griechischen Vorarbeiter Spilios und für die albanischen Maurer und Steinmetzen – sie haben es realisiert.

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Responses to Bilder-ABC und Kalenderblatt 8.9.: H wie Hauswand (casa nostra)

  1. Avatar von puzzleblume puzzleblume sagt:

    Eine Zeichnung, auf der meine Augen gerne herumwandern. Die liebevolle Hausgeschichte ist ebenfalls schön zu lesen. Noch zu wissen, wer damals daran für einen gearbeitet hat, ist bestimmt nicht selbstverständlich.

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    • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

      Danke, Heide! wir kennen auch die Steinmetze noch, soweit sie nicht weitergezogen sind, mit einigen sind wir befreundet. Vor ein paar Tagen war ich im Anwesen unseres Bauleiters, dessen Witwe und drei nun erwachsenen Kinder die schöne Wohlanlage mit Kino, Joga und Musikabenden betreiben. Es ist nicht weit von uns. Ich erinnerte mich lebhaft an die erste Zeit, als wir dort ein- und ausgingen…

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  2. Ich dachte, Du würdest da schon länger wohnen.

    Häuser aus Ton habe ich auch schon gebaut, hätte ich heute auch zeigen können. Aber es sind verwüstete und abgebrannte.

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  3. Avatar von steinegarten steinegarten sagt:

    Allein dein Ausschnitt der Hauswand lässt Bewunderung für

    die Erbauer aufkommen .. so schön 😀

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