Bilder-ABC und Kalenderblatt: G wie Gabel und Gurke

Eine olle Gabel auf einem Pappteller, dazu ein Stück Gurke – das ist meine heutige Zeichnung für Heides Monats-Challenge.

Aber wie herrum gehört das Bild? So herum wirkt die Forke konkav, anders herum wirkt sie konvex.

 

Aber darum geht es heute gar nicht. Es geht um die Geschichte der Gabel. Wie kam sie eigentlich in unseren Gebrauch?

Das erste Jahrtausend nach Christus ist grad zuende gegangen, und man hat das zweite Jahrtausend betreten. Es ist 1004 n. Chr., und der Doge von Venedig heiratet die griechische Prinzessin Maria Argyropoula. Die feine Dame bringt eine Gabel zu ihrem eigenen Gebrauch mit, denn in ihrer Heimat isst man so. Die Speisen  mit ihren feinen Fingerchen berühren? Das geht gar nicht. Dafür gibt es diese zweizackigen goldenen Gabeln. So belehrt sie die nichts ahnenden Venezier.

Skandal!

Der Papst ist empört: Gott hat den Menschen die Finger zum Essen gegeben, die Gabel sei ein Symbol des Teufels. Als die Prinzessin, vermutlich infolge dieser Sünde, kurz darauf verstirbt, ist bewiesen: sie ist des Teufels.

Dennoch überlebt die Gabel irgendwie,und in der Renaissance wird sie wiedergeboren. In den nächsten Jahrhunderten verbreitet sie sich in den gehobenen Schichten Europas, aber Luthers Gefallen findet sie nicht: «Gott behüte mich vor Gäbelchen», spricht er. Auch er sieht darin wohl ein Symbol des Teufels:

Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wird es dann aber doch auch bei den deutschen  Damen schick, Konfekt mit der Gabel zum Munde zu führen, während das Volk weiterhin nur den Löffel für die Suppe und das Messer fürs Brot kennt

Im 19. Jahrhundert macht die industrielle Revolution die massenhafte billige Herstellung auch von Gabeln möglich, und so erzählt man dem Volk, dass es unzivilisiert sei, mit den Fingern essen. Wer auf sich hält, benutzt eine Gabel. Jedenfalls in Europa, Amerika und Australien. Andere Länder, andere Sitten.

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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