
Liebe Myriade, als ich dies Bild zum ersten Mal sah – es war im August 2023 – fiel mir Folgendes dazu ein:
Dieses Bild, liebe Myriade, ist mir ein Rätsel geblieben. Soviel ich es auch drehte und wendete, ich wurde nicht schlau draus. Sind das Boote, die das wässrige Element fliehen und sich zu retten zu suchen? Ein Fisch, links im Bild, verfolgt sie mit aufgerissenem Maul, und andere Wasserwesenheiten – Wasserschlange, Wassergeist, Tintenfisch – schicken ihnen ihren stummen Fluch hinterher.
Wenn es denn so ist. Wenn es nicht gerade umgekehrt ist: das linke Boot geht mit Volldampf zu Wasser, der Fisch ist empört, reißt das Maul auf, lässt sich ein auf einen Kampf auf Leben und Tod.
Auf jeden Fall ist das Bild sehr dynamisch, bewegt, und ist damit den anderen dreien verwandt. Die zeigen ebenfalls Bewegung, freilich in weniger dramatischer Form: der junge Mann läuft, das Meer zieht sich zurück, das Hologramm löst sich auf, der Verkehr rollt. Und nun, hier, ein Katastrophenbild, in dem Mensch und Gewässer sich bekämpfen. Jedenfalls lese ich es so. (https://gerdakazakou.com/2023/08/19/der-mensch-und-das-meer-apokalyptisch-myriades-impulswerkstatt/).
Auch in dieser Mai/Juni/Runde dominiert das Wasser in allen vier deiner Bildvorschläge, angefangen von den jungen Leuten, die ihre Räder über den Bach tragen, weiter über die angeschwemmten Algen, dann dieses Gemälde und schließlich das sehr ansehnliche Krokodil. Sogar dein Mosaikstück ist dem Wasser gewidmet – und zwar dem fehlenden : Durststrecke.
Was wäre wenn…
Wenn ich nun drei Jahre lang geschlafen hätte – also dreimal so lang wie Hesses Steppenwolf – und jetzt erwachte und das Bild erneut betrachtete: was käme mir da in den Sinn? Vielleicht dächte ich, die Welt steht Kopf, die Boote stürzen mit dem Heck zuerst in die Flut, weil die Erde, die nun doch eine flache Erde geworden ist, kippt und der umgebende Okeanos alles abräumt, was sich da auf der Fläche angesammelt hat?
Ich weiß es nicht. Ich habe ja nicht so lange geschlafen. Die Zeit, wo das Meer alles verschlingt, ist noch nicht da.
Für Apokalyptiker endet die Durststrecke noch nicht.
Die Krokodile steigen noch nicht an Land.
Und wir anderen schaffen es immer noch, unsere Fahrräder über Wildbäche zu tragen und brauchen uns noch nicht von Algen zu ernähren.
Mit optimistischen Grüßen aus dem Juni des Jahres 2026!