Sonntags ins Archiv. 7.6.2017: Gedanken über „die kleinen Leute“

Jeden Sonntag tauche ich hinab ins Blogarchiv, um zu schauen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte. Wie ich lese, bietet jetzt auch WP eine entsprechende Funktion an, doch ziehe ich es vor, mich selbst auf den Weg zu machen. Heute landete ich im Jahr 2017.

Ein Satz, den Jeannette Paterakis zitierte, hatte mich damals animiert:  “Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!“ (afrikanisches Sprichwort).

Klingt hübsch und verständlich, dachte ich, aber meine Gewohnheit, alles und jedes zu hinterfragen, meldete sich zu Wort.  Und ich kam zu folgendem Schluss: „Die kleinen Leute“ – also wir alle -, die ständig kleine Dinge tun, verändern die Welt nicht, sondern reproduzieren sie, wie sie halt ist. Wir reproduzieren sie mit unseren kleinen Gedanken und Eifersüchteleien, mit unserer Engstirnigkeit, mit Dominanzgebaren, Neid, Wut, Lieblosigkeit, Selbstbezogenheit, Verzagtheit, Gehorsam… und so bleibt sie immer gleich fehlerhaft und wird kein bisschen besser.

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Wir kleinen Leute leben in unseren kleinen Welten und hoffen, von den großen Wesen mit den großen Schnäbeln übersehen zu werden. Man beachtet uns selten, und das ist uns auch ganz recht so. Untereinander nehmen wir uns allerdings hoch wichtig.

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Manchmal geraten wir für kurze Zeit auf eine Bühne oder in den Lichtkreis einer Fernseh-Kamera.

Dann sagen wir das, was man von uns erwartet: dass wir hoffen, nicht hoffen, Angst haben, empört sind, einverstanden sind, verurteilen  – je nachdem.

Während ich diesen früheren Eintrag jetzt lese, frage ich mich: Ist das so? Sind die großen Vögel nicht genauso klein gewesen, haben sie nicht wie wir in den Windeln gelegen und als ABC-Schützen das Einmaleins lernen müssen? Sind sie nicht nur deshalb groß, weil wir ihnen – aus Dummheit, Faulheit oder Feigheit – Aufgaben übertragen haben, die wir eigentlich selbst erledigen müssten?

Worin liegt Größe? In der Macht, andere zu befehligen und zu schikanieren? Oder vielleicht doch eher darin, eine bessere Ordnung der Dinge zu imaginieren und sich dann zu trauen, in kleinen und großen Schritten voranzugehen?

Ich gebe zu, das sind Spruchweisheiten. Wenn ich mich dennoch äußere, ungefragt, ohne Kamera und berühmten Namen, so denkt nicht schlecht über mich. Ich bin zwar klein, aber doch auch ein Mensch wie du.

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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7 Responses to Sonntags ins Archiv. 7.6.2017: Gedanken über „die kleinen Leute“

  1. Diese Afrikanische Weisheit war mal Thema eines ev. Kirchentages.
    Die Karte dazu gefiel mir gut sowie auch die Worte, und ich verteilte sie – von mir aus – über meine „eine kleine Brücke von Mensch zu Mensch“.
    Und bis heute finde ich diese Idee gut.
    Da machten sich „die Großen“ doch ganz „klein“, also zeigten sich als Menschen unter Menschen.
    Und das tun immer wieder sooo viele, die wir meistens nicht kennen oder nicht beachten.
    Beachten tun wir immer nur die scheinbar „Großen“, die von der „Weltbühne“ aus die Geschicke der Menschheit zu lenken versuchen……
    ********
    Nun sagst und zeigst Du es wieder in Deiner Art. Damit beeindruckst Du in Deiner Art.

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  2. Liebe Gerda,
    dieser, der deinige Text und Deine Legebilder dazu sind wieder grandios!
    Erst vorgestern hatte ich mit meinem Neffen eine regen Austausch, er meinte nämlich alle sind gleich und da habe ich ihm vehement widersprochen, denn wir alle sind eun Individuum mit unterschiedlichen Charaktern und Begabungen, was natürlich nicht heißt, daß der eine besser ist als der Andere! Und dann wurde es eng für mich, weil ich ihm sagte, wir dürfen nicht vergessen, es gibt auch das Gut und das Böse, da meinte er, auch das kann durch Kindheitstraumatas usw. ausgelöst werden. Ich blieb dabei, es gibt gut und böse, nicht jeder gibt das böse weiter, wenn er/sie einen GUTEN Kern in ihren Anlagen haben. Nicht jeder gibt Folter, Unterdrückung und Mißbrauch weiter, weil er/sie es durchleben mussten. Es ist ein ganz schwieriges Thema ja!

    Und Du hast vollkommen recht mit dem was Du schreibst! Wer klein denkt, bleibt klein, wer es wagt aus der Reihe zu tanzen und sich nicht den Strömungen ALLER unterordnet, derjenige hat die Chance über den Tellerrand hinaus zu schauen. Die Geschichte hat es in der Nazi Zeit und AUCH im Kommunismus ganz deutlich gezeigt, gemeinschaftliches Denken führt leider zu oft in Abhängigkeiten und spiegelt dann nur Eine Richtung, wer polarisiert ist dann raus!

    Wir durften es deutlich in der Corona Zeit erleben!

    Du hast mich mit Deiner Sichtweise jetzt regelrecht inspiriert, obwohl es doch vielleicht auf etwas anderes hinaus lief.

    Ich meine nur, wer immer klein denkt macht sich selbst klein und wagt nichts in seinem Leben, wer in den Augen der anderen groß denkt geht auch Risiken ein, die nicht immer angenehm sind, es kann sich aber au h verdient lohnen!

    Wenn ich an Deinem Thema total entgleist bin, verzeih mir bitte!🙈🙊🙆🏻‍♀️😁

    Liebe Grüße
    Antje

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    • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

      Gar nicht entgleist, liebe Antje! Danke für deinen langen Kommentar!

      Ja, groß zu denken scheint manchen gefährlich zu sein – aber ist klein zu denken nicht genauso gefährlich? Auch da kann man unter die Räder kommen. „Die Kleinen erwischt es“ – heißt es nicht zu Unrecht. Wichtig ist am Ende nur: wie man vor sich selbst besteht.

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  3. Ich zeigte es aber doch zuvor gleich bei mir an. Ich mag Deine Art. Aber es ist eben Deine und nicht meine. Und so soll es ja auch sein.
    Die Vielfältigkeit ist genau das, was fördert,
    sowie jede Blume anders wächst und blüht…“
    auf der schönen Wiese des Lebens“, – als erstrebenswertes Ideal.

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    • Leider gibt es aber auch in der Natur Pflanzen, die andere zerstören oder am Wachstum hindern! Sie breiten sich rücksichtslos aus und nehmen ihre Vormachtstellung ein, daß sollte man auch beachten! Wenn Du die Natur als Beispiel nimmst liebe Gisela, da herrschen trotz Vielfalt harte Gesetze!🤔😉

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      • Ja das ist mir bewußt. Es ist aber auch eine zarte, edle Pflanze nicht wehrlos den stark wuchernden oder giftigen Pflanzen oder Tieren ausgeliefert.
        Es ist eigentlich ein Wunder, wie das alles, was sich gegenseitig frißt, dennoch friedlich nebeneinander existiert.
        Es gibt da noch vieles zu entdecken, was auch uns Menschen hilft, uns nicht wehrlos ausgeliefert zu fühlen.
        Vor allem gehört die Wachsamkeit dazu und das Unterscheidenlernen.

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  4. Sorry für die Schreibfehler! War ein langer Text auf dem Handy, da passiert mir das immer wieder!🙈

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