Heute fuhren wir ins Zentraldorf, denn ich wollte endlich unsere Wasserrechnung begleichen. Der Hauptsitz der Selbstverwaltung ist nach einer Gemeindereform ins entferntere K umgezogen, doch unsere ehemals selbständige Gemeinde A hat ein paar Restbefugnisse behalten – darunter die Abrechnung für den Wasserverbrauch. Das Gebäude ist noch recht neu, weiträumig und mit Klimaanlage und Computern gut ausgestattet. Als ich ankam, saß nur eine einsame Dame, ein Eis schleckend, an einem Schreibtisch in einem der hinteren Räume. Der fürs Wasser Zuständige war zu einem Gerichtstermin in Kalamata gerufen worden.
Nun gut, vielleicht würde er später noch kommen.
Ich beschloss, einen Bummel durchs Dorf zu machen, um dann die Meinigen auf dem Hauptplatz zu treffen. Ich mag das Dorf: sehr schlicht, mit ein paar eindrucksvollen, renovierten und etlichen verfallenden alten Häusern sowie Einfachbauten mit Bauerngärten drumrum. Ich kenne es recht gut, denn groß ist es nicht, entdecke trotzdem immer noch etwas Neues. Zum Beispiel diese urigen Olivenbäume, die in eine lange den Weg begleitende Mauer eingemauert wurden.
Es sind nicht zwei oder drei, sondern alle Olivenbäume, die dort standen, als jemand beschloss, dass ein Weg und eine Mauer nötig seien, wie ein Blick rückwärts zeigt.
Immer freue ich mich, wenn ich eine der Eisentüren mit den traditionellen Mustern entdecke. Diese hier zeigt Reste eines Anstrichs – und natürlich auch hübsch dazu passende Rostflecken.
Mit den vielen Kirchen des Dorfes bin ich, glaube ich, durch. Diese hier ist einer Scheune ähnlicher als einer Kirche, aber für das einmal jährlich stattfindende Panigiri (Kirchenfest) des Heiligen reicht eine einfache Hütte mit „Glockenturm“.
Die Meinigen traf ich auf dem Hauptplatz, wo wir uns zum Essen niederließen. Es gab selbst gesammelte gekochte wilde Kräuter (vor allem Löwenzahn), dicke Bohnen in roter Soße, selbstgemachten Schafskäse, Pommes, Brot, alles aus eigener Produktion. Denn die Gastwirte sind eigentlich Bauern.
Auf der Rückfahrt beehrte uns noch eine Schafherde. Vom Rücksitz des Autos aus fotografierend, erwischte ich nur die Nachzügler.
Zu Hause überreichte mir mein Sohn eine Tüte mit frischen Eiern – ein Geschenk der Wirtsleute an mich (weil ich die Taverne vorgeschlagen hatte). Solche Gesten – wo sonst gibt es sie noch?
Übrigens konnte ich unsere Wasserrechnung der vergangenen beiden Jahre beim zweiten Anlauf doch noch bezahlen. (Einmal im Jahr wird abgerechnet, aber eine Rechnung erhalten wir nicht, da wir keine Postadresse haben. Und elektronisch, etwa per mail – so erklärte mir der Angestellte – sei die Zustellung nicht möglich, das müsse erst eingerichtet werden, und dafür fehle der Gemeinde das Geld. Der Computer und Drucker, mit dem er mir die detaillierte Rechnung ausdruckte, waren freilich durchaus up-to-date.)





