Der Regen rauscht weiterhin auf die Erde, und ich betrachte weiterhin die Steine unseres Hauses. Ich machte auch ein weiteres Mini-Zine mit Abreibungen (Frottage). Diesmal verwendete ich außer Bleistift auch einen roten Aquarellstift und fotografierte die Seiten vor der Steinwand.
Da wirken die Abreibungen dann, als sei es die durchblutete Haut der Steine.
Sie wirken wie zum Leben erwachte, von Blut durchpulste Steinhäute, blutende Steine, Steine, die Schmerz empfinden können, weil sie lebendig sind. Und mir wird bewusst: Sie sind nicht kubisch für Hauswände gewachsen, sondern wurden aus Felsengebirgen gesprengt, zerschlagen, behauen, um sie dem Haus an- und einzupassen, und schließlich in Zement eingemauert. Die Frottage zeigt ihre Wunden.
Nun sitze ich in meinem Haus mit noch größerer Dankbarkeit: Ich fühle das Opfer der Steine. Sie verloren ihr freies wildes Leben, wurden zugehauen und um mich geschichtet, so dass ich geschützt im Warmen sitzen kann.


Klasse!
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