Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (6): Liebe und Genie

Wolfgang Amadeus Mozart In A Gala Dress

Wo immer du liest – in einem Buch, einer Zeitung oder in Bloghausen – : unweigerlich wirst du Worte über die Liebe finden. So geht es mir auch heute, als ich in den News-Letter von Epoch Times schaue und dort als erstes das „weise Wort“ lese. Das mache ich immer. Diesmal ist es ein Zitat von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und lautet:

„Weder der erhabene Grad an Intelligenz oder Fantasie noch beides führt dazu, dass man ein Genie wird. Liebe, Liebe, Liebe, das ist die Seele des Genius“. 

Das muss ich dem Philippe zeigen! denke ich sofort. Denn insgeheim bin ich davon überzeugt, dass Philippe ein Genie ist. Doch Philippe ist nicht interessiert. Intelligenz, Fantasie, Genie, Liebe – all das sind Abstrakta für ihn. Was soll er anfangen mit solchen von der Wirklichkeit, dem Sein und Leben abgezogenen Begriffen?

Ich bin ein wenig enttäuscht. Immerhin, denke ich, ist Mozart kein Abstraktum. Wenn der das gesagt hat, lohnt es sich doch vielleicht, ihn kennenzulernen, oder? Also frage ich Philippe:

– „Wie wäre es, wenn du Mozart, also den, der das von der Liebe und dem Genie gesagt hat, kennenlernen würdest?“

– „Einverstanden! Er soll uns mal besuchen kommen“. Philippe fühlt sich offenbar etwas einsam bei mir.

– „Hm, besuchen kann er uns leider nicht“, sage ich. „Mozart ist schon lange nicht mehr hier auf der Erde! Er war ein wunderbarer Musikant, spielte Klavier und Geige und dachte sich herrliche Musik aus. Man nennt das Komponieren. Als er anfing mit dem Komponieren, war er nicht größer als du. Und am Ende hatte er 600 Musikstücke geschrieben, die die Menschen bis heute lieben.

Aber warte mal, es gibt da einen kleinen Jungen, der hat den jungen Mozart in einem Film dargestellt. Der lebt noch und muss heute ungefähr 14 Jahre alt sein. Vielleicht können wir den mal einladen. Der Film wurde vor drei Jahren gemacht. Und weißt du, wie der Junge heißt? Na, rate mal!“ – „Bestimmt Philippe“, antwortet Philippe lachend.

Ich mache große Augen. „Woher weißt du das? Er heißt tatsächlich Philip wie du. Philip Amadeus Hahn, und als er den jungen Mozart spielte, war er elf. Hier, schau mal:

Philippe schaut und wundert sich. „Der sieht ja aus wie ich! Ob ich einen Bruder habe? O, das wäre schön!“

„Der Philip, der im Film den jungen Mozart spielt, hat nur eine ältere Schwester, die auch eine großartige Musikerin ist. Mozart hatte auch eine ältere Schwester, das Nannerl. Die war ebenso musikalisch und reiste mit dem Papa in der Welt herum und gab Konzerte.“

Ein merkwürdiger Zufall, denke ich, dass Mozart und sein heutiger Darsteller im Film beide eine hochbegabte ältere Schwester hatten. Und sie sehen sich verdammt ähnlich: der kleine Mozart im Galagewand und der Philip als junger Mozart. Derselbe Gesichtsschnitt, derselbe selbstbewusste und zugleich seelenvolle Ausdruck…

„Übrigens hatte Mozart eigentlich sechs Geschwister, von denen fünf schon als Kinder starben. Vielleicht bist du eines von denen?“

– „Ich weiß es nicht, leider,“ antwortet Philippe ernsthaft. „Ich kann mich nicht erinnern, wo ich gewesen bin, bevor ich auf meinem kleinen Planeten ankam. Aber möglich ist es ja, dass ich schon mal auf der Erde war…“

– „Schau mal“, unterbreche ich Philippes Gedanken. „Im Film gibt es eine Szene, da spielt Philip die Musik von einem anderen Komponisten und ‚improvisiert‘, das heißt, er führt die Musik nach eigenem Gefühl und Ermessen weiter. Dieser andere Komponist war ein Tscheche, er hieß Josef Mysliveček, und der hatte tatsächlich einen Zwillingsbruder. Der sah aber anders aus als du…“

‚Was hat der Zwillingsbruder des tschechischen Komponisten, der Mozart inspiriert hat, mit meinem kleinen Prinzen zu tun?‘ denke ich ärgerlich. ‚Nichts, absolut nichts! Nur weil Philippe dem Philip und der wiederum dem Wolfgang Amadeus ähnelt, kommen mir lauter Verwandtschaftsbeziehungen in den Kopf….

Andererseits, wer weiß? Vielleicht ist Philippe ja tatsächlich eines der frühverstorbenen Geschwister von Wolfgang Amadeus? Vielleicht war er der Erstgeborene, der Johann Joachim Leopold hieß und nur fünf Monate lebte? Woher soll ich das wissen? Was weiß ich überhaupt?‘

 

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Erziehung, Geschichte, Leben, Legearbeiten, Liebe, Meine Kunst, Musik, Philippe, Philosophie, Psyche, Weltraum abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Responses to Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (6): Liebe und Genie

  1. Gerda, welch eine „Fügung“ nach der anderen…! Oder hast Du gerade eine „Goldspur“ eintdeckt, einen „goldenen Faden“ in der Hand?
    Aber lieber sollte ich etwas weniger jjbeln und mit Dir fragen: „Was weiß ich überhaupt?“☺️💕🍀🎹

    Gefällt 1 Person

  2. Avatar von Ulli Ulli sagt:

    Sehr fein, wie du die Fäden spinnst und eins zum anderen kommt. Durch die Liebe spüren wir, wie alles mit allem verbunden ist. 💙

    Gefällt 2 Personen

Hinterlasse eine Antwort zu Gisela Benseler Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..