Geschichten von und mit Philippe (3): Begegnung mit der Füchsin Alepou

Früher ging ich mit Tito spazieren, und so war mir nie langweilig, auch wenn ich die Wege schon tausendmal gegangen war. Hier sieht man uns beide – den Tito und mich – als Schattengestalten an einer sonnenbestrahlten Schilfwand beim Ausfluss des Sandova ins Meer.

Dann starb Tito, und ich musste allein gehen.

So war es bis jetzt. Doch nun nehme ich Philippe mit auf meine Wege und beobachte, wie er sich in der Welt zurechtfindet.

So wie hier, als wir an eben derselben Stelle landen. Philippe schaut in den Tümpel, der sich dort gebildet hat.

In diesem Moment taucht.. der Fuchs auf. (Alle kursiv gesetzten Texte sind der deutschen Übersetzung des „Kleinen Prinzen“ von Saint Exupery entnommen)

– „Guten Tag“, sagt.. der Fuchs.

– „Guten Tag“, antwortet.. der kleine Prinz höflich, er dreht.. sich um und sieht auf der anderen Seite des Tümpels eine lange Gestalt auf Stöckelschuhen heranstolzieren.

„Wer bist du?“, sagt.. der kleine Prinz. Du bist sehr hübsch …“

– „Ich bin eine Alepou“, sagt.. die Füchsin. (Im Griechischen sind Füchse nämlich weiblich, so wie die Katzen, und heißen nicht Fuchs, sondern Alepou.)

„Komm spiel mit mir“, schlägt der kleine Prinz vor.

„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagt.. die Füchsin. „Ich habe meine besten Schuhe an und meine Bermudashorts sind frisch gewaschen, ich würde sie schmutzig machen.“

„Ah, Verzeihung“, sagt.. der kleine Prinz. Er überlegt.. und fügt.. an: „Was sind Bermudashorts?“

„Du bist nicht von hier“, sagt.. der Fuchs, „was suchst du?“

– „Ich suche zu verstehen, was Liebe ist“, sagt.. Philippe.  „Was bedeutet Bermudashorts?“

„Das ist eine fast vergessene Sache“, sagt.. der Fuchs. Es bedeutet: eine lässige Sommerhose, die sowohl sportlich als auch elegant kombiniert werden kann, wobei der klassische Schnitt etwa 3 Zoll über dem Knie endet.“

„Und wozu brauchst du die?“ fragt Philippe. „Man kann mit ihnen in ein flaches Wasser gehen, ohne sich die Hosenbeine nass zu machen“, antwortet Alepou. „Aber du gehst ja gar nicht ins Wasser!“ wundert sich Philippe. „Das stimmt“, antwortet Alepou. „Ich könnte aber ins Wasser gehen, wenn ich es wollte.“ – „Und wozu brauchst du sie?“ wiederholt Philippe, denn er gibt eine Frage nie auf, bevor er eine überzeugende Antwort erhalten hat. „Ohne die Hosen und die Schuhe und mein elegantes Outfit“, antwortet Alepou, wäre ich für dich nur ein Fuchs, der aussieht wie hunderttausend andere Füchse. So aber bin ich auf der ganzen Welt einmalig …“

Mit dem Wüstenfuchs aus dem Märchen hat Alepou nicht viel Ähnlichkeit, auch wenn sich manche Sätze ganz ähnlich anhören. Sie ist selbstverliebt und glaubt, die schicke Kleidung mache sie einmalig. Dabei ist es doch nicht das Äußere, was liebenswert macht!Ein wenig gleicht Alepou, so will mir scheinen, der Rose. Vielleicht, weil auch sie eine Frau ist.  „Sorgfältig wählte sie ihre Farben aus. Langsam zog sie sich an und passte auf, dass ihre Kleidung nicht zerknittert. Sie wollte nur in voller Schönheit in der Welt erscheinen. Oh ja! Sie war sehr eitel! So hatte sie tagelang vor dem Spiegel gestanden. Und dann, eines morgens, als die Sonne aufging, hatte sie sich gezeigt. Und sie, die sich so sorgfältig herausgeputzt hatte…“ 

Nun, ganz dasselbe sagte Alepou nicht, aber dass ihr wunderschöner Schwanz die Farbe der aufgehenden Sonne hatte, das empfand Philippe sehr wohl, und er konnte seine Bewunderung nicht mehr verbergen:- „Wie schön Sie sind!“ – „Das ist wohl wahr!“, antwortete Alepou mit kokettem Augenaufschlag. Und ich bin im gleichen Moment geboren wie die Sonne …“

Und die Moral von der Geschicht?

Aufs Äußere verlass dich nicht.

Trägt jemand hübsche, schöne Kleider

dann hat er einen guten Schneider.

Ob jemand aber lieben kann

das sieht man ihm durchaus nicht an.

Mag sein, dass Ja, vielleicht auch Nein,

die Wahrheit zeigt sich erst im Sein.

 

 

 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Geschichten von und mit Philippe (3): Begegnung mit der Füchsin Alepou

  1. Avatar von finbarsgift finbarsgift sagt:

    Zauberhaft schön, deine Einfälle und Realisierungen, liebe Gerda, so auch hier …
    Liebe Abendgrüße vom Lu Finbar

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  2. Ich schaue und staune und freue mich, spüre:
    Diese Richtung stimmt, schwingt rein und gut, wirkt wahrhaftig und lebendig, macht Hoffnung, kann manches zum Besseren wenden…
    Noch las ich es nicht zuende. Aber diese Freude mußte gerade mal heraus. 😊💕✨

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