Nixen, Taucher und der Ring der Nibelungen (Transparenz 16)

Noch einmal widerstehe ich tapfer der Versuchung, mich ins Getümmel der politischen Auseinandersetzungen zu stürzen und „Transparenz, wir wollen Transparenz!“ zu schreien oder, ganz im Gegenteil, mit scharfen Worten vor den zunehmenden Versuchen zu warnen, uns Normalebürger splitternackt und durchsichtig für die Regierenden zu machen.

Lieber bleibe ich noch ein wenig im trauten Reich von Kunst und Mythos.

Und durchblättere die Seiten dieses Blogs. Unter dem Titel Elementargeister: Wassergeister lese ich, was mir damals, im November 2015, dazu einfiel:

Schon die Alten und die ganz Alten waren der Ansicht, dass das Leben aus dem Wasser kommt. Der Mann, der als der erste Philosoph, Mathematiker und Astronom überhaupt geführt wird und den Griechen als einer der sieben Weisen galt – Thales von Milet – hielt das Wasser für die Grundsubstanz, aus der alles geworden ist. Und immer noch bildet es den Grund unserer Seele. Wer wüsste nicht, dass die Untiefen des Meeres denen unseres Unbewussten gleichen?

Wassergeister (c) Gerda Kazakou

Die Untiefen des Meeres und des Unterbewussten zu durchforschen, liegt mir freilich genauso fern wie die der Politik. Schon Friedrich Schiller warnte davor, als er schrieb:

Der Mensch versuche die Götter nicht,
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.*

Und so zeige ich weder den Nix mit den grünen Glubschaugen noch auch die schreckliche Medusa, die zu Stein erstarren lässt, wer sie ansieht. Ich bleibe in der harmlos-transparenten Welt der Undinen, Nixen und Najaden …

 

IMG_5059aIhr Name sei Wellgunde, Woglinde und Floßhilde, wie die Rheintöchter, die durch ihren Zaubergesang so manchen Opernfreund begeistert haben. Mit ihnen schwimmt der inzwischen arg verrostete Ring der Nibelungen**.

*Friedrich Schiller: Der Taucher (1797). Da geht es um einen König, der einen goldenen Becher in einen Meeresstrudel wirft und die Ritter auffordert, ihm nachzutauchen. Doch nur ein Knappe traut sich, und es gelingt ihm tatsächlich, mitsamt dem Becher wieder nach oben zu kommen. Der König wirft den Becher ein zweites Mal, diesmal seine Tochter versprechend. Gold UND Liebe – das ist zu viel der Versuchung….

**4-teiliger Opernzyklus (1848 bis 1874) von Richard Wagner. Natürlich umschwimmen die Rheintöchter nicht den Ring, denn der muss ja erst geschmiedet werden. Undda er aus reinem Gold ist, kann er auch nicht verrosten.

Hier kannst du dich in „Rheingold“ reinhören:

Wikipedia gibt uns folgende Zusammenfassung der entsprechenden Szene:

  • 1. Szene: Auf dem Grunde des Rheins

Die drei Rheintöchter (Nixen) Woglinde, Wellgunde und Floßhilde bewachen spielerisch im Rhein auf Geheiß ihres Vaters das Rheingold. Das lachende Spiel der Wassermädchen wird unterbrochen von Alberich, einem Nibelungen, der aus der Tiefe hervor steigt und den Mädchen mit gierigen Augen zusieht. Er versucht zuerst, sich eine der Nixen durch Bitten und Werben gnädig zu stimmen. Die Rheintöchter scheinen auch jeweils darauf einzugehen, um sich dann aber im letzten Moment lachend seinen Armen zu entziehen. Das reizt Alberich zur Wut und er versucht, sich die Frauen mit Gewalt gefügig zu machen, was ihm, der nur klettern kann, während die Mädchen geschickt schwimmen, nicht gelingt.

Die Sonne geht auf und lässt das Rheingold erstrahlen, die Mädchen umschwimmen es in lautem Jubel (strahlendes Rheingoldmotiv des Orchesters). Alberich, fasziniert vom Glanz des Metalls, erfragt von den Nixen die Bedeutung des Goldes. Sie erzählen ihm leichtsinnigerweise, dass mit dem Gold „maßlose Macht“ und die Herrschaft der Welt demjenigen zuteilwerden könne, der „aus dem Rheingold schüfe den Ring“. Das könne jedoch nur einer, der „der Minne Macht entsagt“. In Bezug auf den „lüsternen Alb“ haben sie keine Sorgen, denn er scheint am wenigsten gewillt zu sein, auf die Gunst von Frauen verzichten zu können. Doch Alberich, wütend über den Spott, den die Nixen mit ihm getrieben haben, und wohl auch wissend, dass er wegen seines hässlichen Aussehens auch bei anderen Frauen keinen Erfolg haben würde, entsagt trotzig der Liebe, mit dem Hintergedanken, sich mit Gold auch Lust kaufen zu können.

Der Welt Erbe gewänn’ ich zu eigen durch dich!
Erzwäng’ ich nicht Liebe,
doch listig erzwäng ich mir Lust?
Das Licht lösch’ ich euch aus;
entreiße dem Riff das Gold,
schmiede den rächenden Ring:
denn hör es die Flut –
so verfluch’ ich die Liebe![14]

 

 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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3 Responses to Nixen, Taucher und der Ring der Nibelungen (Transparenz 16)

  1. Was für ein wieder mal erhellender Beitrag von Dir, liebe Gerda!

    Die Namen der Rheintöchter, Woglinde, Wellgunde und Floßhilde, sind meinem Namen so ähnlich, daß es mich immer wieder trifft, wenn ich sie höre und drum bin ich mit der Koseform Bruni mehr als zufrieden.
    Rügte mich mein Vater, der Friedhelm Louis hieß, dann nannte er mich mit dem ganzen Namen. .. und ich wußte, oh weh, ich war wohl wieder ungehorsam

    Gefällt 3 Personen

  2. Der Mann, der als der erste Philosoph, Mathematiker und Astronom überhaupt geführt wird und den Griechen als einer der sieben Weisen galt – Thales von Milet – hielt das Wasser für die Grundsubstanz, aus der alles geworden ist.

    Dieser Thales von Milet ist sehr interessant und wird heute als der Entdecker der Elektrizität gefeiert ->

    https://www.mythologie-antike.com/t1563-neleus-mythologie-grunder-von-milet

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Ganzheitliche Medizin II – Ich lache mich gesund

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