Tagebuch der Lustbarkeiten: Blaue Blumen finden

Die Blaue Blume der Romantik ist ein Symbol für die Selbstfindung. Und insofern ist es vielleicht nicht unerheblich, dass ich heute, nach Um- und Irrwegen in den Olivenhainen, an eine Stelle kam, wo sie in Fülle blühte.

Ich habe ein Problem mit der Schilddrüse, das mich manchmal sehr belästigt, mich nervös macht und meine Gedanken trübt. Gestern, als ich deshalb nicht einschlafen konnte, bemühte ich mich, ruhig zu atmen. Dabei fiel mir auf, dass meinem Halsbereich bei jedem Einatmen helle blaue Farbe zuströmte. Das fühlte sich gut an, beruhigte mich. Ich schaute daraufhin nach, welche Farben den Chakren zugeordnet werden, und freute mich zu erfahren, dass das lichte Blau tatsächlich zum Halschakra gehört.

Ich schaute mir dann auch noch die anderen Chakra-Farben an, probierte sie durch und behielt sie im Gedächtnis. Und so wanderte ich heute durch die Felder. Der Weg, den ich einschlagen wollte, war versperrt. Also suchte ich einen anderen. An jeder folgenden Weggabelung überließ ich mich meiner Intuition, geriet in Sackgassen und wechselte die Richtung. Schließlich gelangte ich in einen feuchten Hohlweg – und da sah ich sie: die blaue Blume! Die wilde Iris, die sonst schon nicht mehr blüht, liebt die schattigen Hänge und hat sich hier ausgebreitet.

Bei ihrem Anblick fiel mir die gestrige Chakren-Atmung wieder ein. Dies war nicht mehr das helle Blau des Halschakras, sondern schon fast das Indigoblau des „Dritten Auges“. Ich ließ mich in das samtige leicht rötliche Blau hineinsinken und fühlte im Kopf eine tiefe Entspannung.

Immer, wenn ich das schwebende Blau der wilden Iris über dem kräftigen Grün erblicke, fühle ich große Freude, ich „eile, um sie nah zu sehn“. Aber bisher hatte ich mich nicht gefragt, warum es mir so gut tut. Jetzt weiß ich es.

Die jungen Blüten haben das tiefste Blau, später verbleichen sie. Im Zentrum, von wo aus auch die federfeinen gold-weißen Zeichnungen ausgehen,verdichtet sich das Blau zu einem schweren Violett.

Ich ließ mich auf einem Hang nieder und begann zu träumen. Nein, es war nicht der von Novalis berichtete Traum*, und er wird auch nicht in die Geschichte eingehen, aber sag selbst. ob es einen schöneren Platz zum Träumen gibt?

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* Wikipedia, Stichwort „Blaue Blume“, ich zitiere:
Durch ein Bild seines Freundes Friedrich Schwedenstein inspiriert, verwendete Novalis dieses Symbol als Erster in seinem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen. Er beginnt damit, dass der junge Heinrich vor dem Einschlafen über die Begegnung mit einem geheimnisvollen Fremden nachsinnt:

„Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken.“

Er schläft ein und beginnt zu träumen. Im Traum durchreist er fremde Gegenden, bis er schließlich am Fuße eines Berges die Öffnung eines Ganges erblickt. Er betritt eine Höhle, in der sich ein Wasserbecken befindet, das er durchschwimmt bis zum anderen Ufer:

„Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die […] ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stängel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. Sein süßes Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung, als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte […]“

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten: Blaue Blumen finden

  1. Unglaublich schön, Gerda!

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  2. Avatar von Christiane Christiane sagt:

    Ich erinnere mich, mal bei Schilddrüsenproblemen einen Sodalith getragen zu haben. Es war ziemlich sicher psychosomatisch, würde ich heute sagen, denn die Beschwerden waren da, aber die Ergebnisse ohne Befund.
    Ich habe damals „sprechen“ gelernt, meine Stimme erheben, es ging weg und ist nie wiedergekommen. Ich kann nicht sagen, ob der Stein damit zu tun hatte, aber ich mochte ihn sehr und habe ihn Tag und Nacht getragen.
    Morgenkaffeegrüße ☁️🌧️🛋️☕🍪

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  3. Avatar von Ulli Ulli sagt:

    Es ist doch immer wieder so spannend, was uns von der Natur präsentiert wird, uns ins Auge sticht, uns wohl tut, wenn etwas aus dem körperlichen Gleichgewicht gefallen ist.
    Ja wahrlich, du hast ein zauberhaftes Plätzchen zum Träumen gefunden.

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  4. Avatar von hanneweb hanneweb sagt:

    Fast unglaublich wie viel doch solche positiven Aspekte wie zum Beispiel auch die Chakra-Farbe Blau ausmacht, liebe Gerda und diese feine blaue Iris schon jetzt bei euch blühen zu sehen, würde auch mein Herz vor Freude höher schlagen lassen, was ja auch sehr zur Gesundung beiträgt!
    Liebe Grüße und hab einen schönen ärgerfreien Tag. 🤗🍀

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  5. Ein wunderbares Foto!

    Ich habe diese blauen Iris auf meinen (unserem) Grundstück im Saarland geliebt, sie blühten im Schnee. Ich habe eine Unterfunktion der Schilddrüse und nehme seit Jahren ein Medikament (meine Tochter hat es geerbt). Dass das eine Chakra-Farbe für den Hals ist, das hätte ich nie geahnt!!!

    Danke für Foto und Beitrag!

    Gruß Gerel

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  6. Ein wundervoller Platz zum Träumen, liebe Gerda.

    Oh ja, ich sehe, wie er träumend vor uns liegt, der kleine Hügel

    und in seiner Mitte ein Blümchen, blau und licht,

    das uns von Deiner Gesundheit spricht.

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  7. „Das sind wunderbare „Zufälle“ und „Zusammenhänge“ schreibt bewundernd jemand aus der Slowakei, dem ich diesen Beitrag schickte. 🩵💙🌸

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