Tagebuch der Lustbarkeiten: Quellwasser

Schon wieder Wasser? Erst „Segnung der Gewässer“, dann „Regen“ und jetzt „Quellwasser“ als Thema der Lustbarkeiten? Jawohl. Ich lebe in Griechenland, da ist Wasser  ein Thema, von dem man nicht genug bekommen kann. Orte werden danach unterschieden, ob sie „gutes“ oder „schlechtes“ Wasser haben, Sonntagsausflügler fahren oder wandern zu Quellen und Brunnen, um mitgebrachte Flaschen zu füllen mit Wasser, dessen Heilkraft seit Jahrhunderten bekannt ist. Kirchen tragen den Namen „Ζωοδόχος Πηγή“ (Lebenspendende Quelle) – seit die Theotokou („die den Gott gebar“, dh Maria) dem späteren Oströmischen Kaiser Leon I (457-474) eine „heilige Quelle“ bei Konstantinopel zeigte, wo dieser dann eine Kirche hinbaute. So geschah es an vielen Orten. Der neue christliche Glauben stellte sich da in die Tradition der Alten, die jede Quelle mit einer Quell-Nymphe verbunden sahen.  Welche beherrschende Rolle dem Wasser zukommt, zeigt sich auch darin, dass die orthodoxen Kirchen die „Lebenspendende Quelle“ an einem der höchsten Feiertage, dem Karfreitag, feiern.

Upps! Ich wollte doch eigentlich nur erzählen, wie froh es mich macht, dass in Tavernen und Cafes als erstes immer ein Wasserglas und eine Flasche oder Karaffe frischen Wassers auf dem Tisch erscheint. Das gehört einfach zum Service. So wie gestern diese Flasche in unserer Stammtaverne.

Es handelt sich um eine Flasche mit dem 60 mal preisgekrönten Quellwasser ΘΕΟΝΗ, das in 1100 m Höhe im Gebirgsmassiv von Agrafa von der Quelle ΓΚΟΥΡΑ gewonnen wird (unbezahlte Reklame).

Warum dieses Gebirge „Agrafa“ – die Nicht-Registrierten – heißt,  lies bei Interesse unter dem Link nach.

Ich weiß natürlich, dass viele jetzt automatisch an den entsetzlichen Plastikmüll denken werden, der mit dieser Trinkgewohnheit verbunden ist. Auch ich denke daran, und ich wünschte mir, dass dieses köstliche Wasser in recycelbaren Glasflaschen erhältlich wäre. Tatsächlich gibt es ein paar Firmen, die auch Glasflaschen anbieten, doch das schiere Gewicht von Glas – abgesehen von den Produktionskosten – macht die Umstellung kompliziert.

Du sagst vielleicht: Warum trinkst du nicht das Wasser aus dem Hahn? Wenn es nicht gut ist, kannst du es ja filtern. Das stimmt natürlich, meistens tue ich es ja auch. Aber Wasser ist eben durchaus nicht einfach nur Wasser, genauso wenig wie Wein einfach nur Wein ist. Man schaut auf Inhaltsstoffe und Geschmack, man träumt sich an den Ort, an dem es dem Boden entquillt, geheimnisvoll, unerschöpflich.

Unerschöpflich? Wirklich? Mögen die Najaden, Dryaden, Danaiden oder meinetwegen auch die Jungfrau Maria stets über den Quellen wachen, auf dass sie trotz aller menschlichen Untugenden weiter sprudeln, uns zum Segen.

Nun aber genehmige ich mir noch ein Glas von diesem köstlichen Getränk.

„Lebenspendende Quelle“ – Kirchlein im Taygetosgebirge

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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3 Antworten zu Tagebuch der Lustbarkeiten: Quellwasser

  1. Wie köstlich mundet das Wasser der verdurstenden Kehle…
    Eine ganz wundervolle Vorstellung, daß zu jeder Quelle eine eigene Nymphe gehört, Gerda!

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