Die Kraft der Grenzen: Über harmonische Proportionen in der Natur und Menschenwelt.

„Die Kraft der Grenzen“ des Architekten  György Doczi ist ein durch und durch schönes Buch. Ich besitze es seit langem, hole es ab und zu aus dem Regal hervor, um es zu betrachten. Mein Exemplar gehört zur 4. Auflage, verlegt 1987 bei Engel & Co, Stuttgart. Das amerikanische Original erschien 1981 unter dem Titel „The Power of Limits“.

Ich sage: „Ich betrachte es“, denn der Zauber liegt in den Illustrationen. Einige siehst du schon auf dem Deckblatt. Aber um zu verstehen, worum es geht, ist es schon auch gut, den Text aufzunehmen. Der Autor spürt den „harmonischen Proportionen“ des Goldenen Schnitts und der von ihm so genannten Dinergie nach, die er in allem findet, beginnend mit dem Gänseblümchen und endend bei der Utopie friedvollen menschlichen Miteinanders.

„Dies Buch“, so der Autor im Vorwort, „will die grundmusterbildenden Prozesse untersuchen, durch welche innerhalb streng einzuhaltender Grenzen eine schier unendliche Vielfalt von Formen entsteht.“ Er fragt sich, „warum die Harmonie, die in der Natur so deutlich zutage tritt, nicht auch in unserem Leben eine wesentlichere Rolle spielt. Vielleicht, weil wir so fasziniert sind von unserer Macht,…, dass wir die Kraft der Grenzen aus den Augen verloren haben.“

Bekanntlich ist die „Grenzenlosigkeit“ menschlicher Überheblichkeit seither nicht geringer geworden, ganz im Gegenteil.  Und sicher kann das Buch nicht dazu beitragen, ihre Folgen im Rahmen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen zu beseitigen. Es kann aber die Schönheit der Muster und die Wohltat dinergetischer Prozesse ins Bewusstsein heben, die die gesamte Schöpfung durchwalten und den Menschen in seinem Schaffen schon immer inspiriert haben.

„Wenn wir die Grenzen unseres Nachbarn bewusst als die eigenen verstehen“, so schließt der Autor seine Betrachtungen ab (S. 161), „können wir lernen, uns gegenseitig in unsereren Beschränkungen zu ergänzen. Dadurch schaffen wir eine Harmonie des täglichen Lebens, die der Harmonie der Musik, des Tanzes, der bildenden Kunst und der Architektur vergleichbar ist. Diese Art zu leben ist uns nicht so fern, wie man zunächst meinen könnte, denn die goldenen Proportionen der Natur leben auch in uns, in unserem Körper und in unserem Denken…“

Schöne Worte. Und vielleicht ein Maßstab, den es zu verinnerlichen gilt, um allzu große Abweichungen vom harmonischen Ideal zu erkennen und, jedenfalls im persönlichen Zusammenleben, zu korrigieren.

(Da die Reproduktion der Bilder ausdrücklich verboten ist, habe ich mich mit diesen wenigen schlechten  Abfotografierungen beholfen, um  einen kleinen Eindruck zu vermitteln)

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Antworten zu Die Kraft der Grenzen: Über harmonische Proportionen in der Natur und Menschenwelt.

  1. Alexander Carmele schreibt:

    Liebe Gerda, was für ein schöner Beitrag. In deinem Blog schöpfe ich stets Kraft und Fröhlichkeit. Ich musste beim Lesen ans Buch von Christopher Alexander et al denken „a pattern language“, wo auch die Architektur aus dem Zusammenhang des Funktonalen und Ästhetischen ermittelt und gefunden wird. Im Grunde gibt es stets diese zwei Pole, den Eros des Verbindenden und Vereinigenden und das Chaos der Negation, alles wieder zurück auf Stunde Null zu stellen und zu meinen, damit wäre etwas gelungen. Ich sende dir frohgemute Grüße in den Süden aus dem dunklen, schroffen Berlin, in welchem dennoch nicht alle Hoffnung verloren ist 😀 Grüße auch an Dora!

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  2. Die Schönheit der Muster wird mir immer wieder bewußt, liebe Gerda, und oft sehe ich, wie blind die Menschen vorübergehen und das Besondere gar nicht erkennen wollen. Sie haben anderes im Kopf. Aber ich erkenne auch meine Grenzen und verstehe weniger als ich möchte …

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