Hand mit vertrocknetem Zweiglein (tägliches Zeichnen)

Das kleine vertrocknete Zweiglein ist vielleicht keine besondere Schönheit. Doch wenn man es in die Hand nimmt und abzeichnet, beginnt es, einem womöglich Eindruck zu machen.

Wer fragte doch kürzlich: „Was erleben wir als schön?“ und fand die Antwort: Wenn wir eine Beziehung zu etwas aufnehmen? A ja, ich erinnere mich, es war Gerhard von KopfundGestalt, und als ich es las, nickte ich mit dem Kopf. Denn genauso empfinde ich es auch.

Dies armselige Zweiglein wurde für mich schön und bedeutsam, als ich mich zeichnend mit ihm befasste. .

Vielleicht findest du, ich hätte mich auf das Zweiglein beschränken und alles Drumrum weglassen können? Ja, sicher.

Doch wie ich so zeichne, fällt mir auf, dass der eiserne Tisch und der Stiel der Pflanze sich in gleichem Rhythmus in eleganter Kurve gegeneinander biegen. Ich bemerke auch, dass beide verzweigt sind und sich insofern ähneln –  dass sie dennoch ganz verschieden sind: das eine eine Naturform, das andere ein technisches Produkt aus Eisen.

Und die doppelte Hand? Nun, die eine ist aus Fleisch und Blut und Knochen, die andere eine Zeichnung, die gerade entsteht.

Zeichnend verschwindet das Material, es beibt nur die Form, wiedergegeben als schwarze Tintenlinie auf weißem Papier. Doch wenn ich die Zeichnung betrachte, ist alles wieder da: die trockene etwas stachelige Pflanze, das kalt glänzende Metall des Tisches, die warme Hand, der Druck der haltenden Finger, das gedämpfte Licht im Atelier…..

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Hand mit vertrocknetem Zweiglein (tägliches Zeichnen)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Das ist so wahr und schön und bei Dir Sichtbar und fühlbar geworden in Wort und Zeichnung, liebe Gerda, daß ich es am liebsten zegen würde. Aber laß man. Es ist wie eine Widerspiegelung meines eigenen Erlebens. Ich fühle darin soooooo eine größe Verwandtschaft❤️ Ist das Zufall?

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Das Kleinste, unscheinbare zu sehen…wunderbar!

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Übrigens fing mein langer Weg zum Wieder-Zeichnen nach vielen Jahren….Pause auch ganz ähnlich an: Ich begann im Januar mit einem trockenen Samenstand. Daraus entwickelte sich dann später „Die Formen-Sprache der Pflanzen“.

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  4. juergenkuester schreibt:

    Genau so! Liebe Grüße

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  5. Wundervolle Worte zu Deiner ausgesprochen hübschen aparten Zeichnung, liebe Gerda. Je mehr man sich mit etwas befasst, um so mehr wächst es einem ans Herz…
    Wie wahr, wie wahr

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