Skizzieren in Rom (tägliches Zeichnen)

Von der kleinen Frühstücksterrasse des Hotels schaue ich über Dächer und Pinienkronen hinweg auf die Kuppel vom Petersdom links und eine andere Kuppel rechts davon, beobachte die Mauersegler und grünen Papageien, bisweilen auch einen Kolkraben auf dem Dach gegenüber oder die langsam durch den Himmelsraum hinschwebenden Möwen. die einen Hauch vom Meer mitbringen. Mein mogendlicher Lieblingsplatz und der Hauptgrund, warum ich noch einmal in diesem Hotel wohnen wollte.

Vom Hügel des Capitols erblickt man ein Stück des gewaltigen neoklassischen Gedächtnisbaus für Victor Emanuel II. Ich saß dort, auf meine Leute wartend, die das Capitolinische Museum sehen wollten.

Vom selben Platz aus, aber in Richtung des Forum Romanum, blickt man auf eine der vielen Kirchen der Stadt und selbstverständlich auch auf einen Pinienstamm im Vorder- und viele Pinien im Hintergrund. Wie sehr ich doch diese Pinien liebe, die so charaktistisch für Rom sind wie die rötliche Farbe der Gemäuer und Dächer, der blassblaue weite Himmel und die darein gesetzten Kirchenkuppeln.

 

Unser Hotel, das ich vor einign Jahren entdeckte, war früher eine hochherrschaftliche Villa. Daran erinnert der mit  Originalstichen und Bildern in schweren Rahmen, Spiegeln, kostbaren Kronleuchtern, Stuckleisten und Fresken gestaltete Aufenthaltsraum. Bisweilen saß ich dort, genoss die Ruhe und das gedämpfte Tageslicht und wartete auf meine Leute.

Der Duchblick zum Empfang und weiter durch ein schön gstaltetes Fenster hinaus auf eine kleine Baumpflanzung.

Lieber noch setzte ich mich, sobald es kühler wurde, auf die schmale Außenveranda mit zwei Marmortischchen inmitten vieler Pflanzen und ließ mir, je nachTageszeit und Progamm, einen Espresso oder ein Bier bringen.

Kam ein anderer Gast und setzte sich an den anderen Tisch, so skizzierte ich den eben heimlich auch.

In einer Gemäldegalerie sah ich zwei Künstler, die die dort hängenden Bilder sachkundig abzeichneten. Ich verspürte Lust, es ihnen nachzutun. So schaffte es auch der Kopf der Kartenleserin aus einem Bild von Caravaggio (1571 – 1610) in meinen kleinen Skizzenblock.


Von einem anderen Gemälde – es zeigt eine Schöne samt ihrem Möchtegern-Lover – skizzierte ich nur die wichtigsten Kompositionslinien. Denn mit einem so schönen Hintern wie den vom alternden Tizian (1488 – 1576) gemalten wollte ich mich lieber nicht messen.

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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31 Antworten zu Skizzieren in Rom (tägliches Zeichnen)

  1. Wunderbar atmosphärische Schilderung. Danke!

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  2. Arno von Rosen schreibt:

    Buon Giorno liebe Gerda! Das sind ganz wundervolle Skizzen und ich wünsche dir einen zauberhaften Aufenthalt in Italien ❤

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  3. Alexander Carmele schreibt:

    Im Gegensatz zu anderen Medien finde ich die Welt mit Bleistift und Papier, ob Schrift oder Skizze, zu erfahren, alles noch intensiver und schöner macht. Sie geben einfach mehr her als Fotos, ein Geheimnis, dem ich begrifflich nicht so recht auf die Spur gekommen bin, bislang, aber der Morgen mit Espresso, die Enge und Weite Roms, die Stille und Hitze, Lautstärke, das Verworrene und Geschichtliche, es kommt alles sehr schön rüber und erinnert mich an eigene Romerfahrungen. Vielleicht mag Mnemosyne die Langsamkeit der wohlbedachten Skizze auf Papier 🙂 Herzliche Grüße!

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Alexander! Danke für deine schönen Worte. Ich hoffe, es enttäuscht dich nicht zu hören, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr den Beistift, sondern den Kugelschreiber fürs Skizzieren benutze. Die Linie ist härter und nervöser, und das passt mir gegenwärtig besser als der bedächtige weiche Bleistift. Es entspricht meiner Beziehung zu dieser Zeit.

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      • Alexander Carmele schreibt:

        Ja, aber selbst der freundliche Kugelschreiber lässt sich noch Zeit. Schön und achtsam ist es doch. Vom Bleistift werde ich selbst wohl nicht mehr loskommen. Aber ja, er wirkt seltsam hilflos und langsam in diesen schnellen Zeiten. Wie recht du hast!

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda!

    danke, dass du uns an deinen Aufenthalt in Rom teilhaben lässt. Rom! Die ewige Stadt 🙂

    Ich habe dir gerade eine längere Mail mit meinen Cy Twombly Texten geschrieben. Ich hoffe, die Mail ist nicht im Spam gelandet. Wenn du wieder in Athen bist, kannst du ja schauen und, wenn die Mail nicht angekommen ist, sende ich sie dir gerne nochmals.

    Viel Spaß und Inspiration weiterhin in Rom.
    Welch ein schönes Hotel 🙂

    Ganz doll liebe Grüße von Susanne

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Gerda, jetzt verstehe ich, warum Du noch einmal hier sein wolltest. Und Deine Zeichnungen und Worte sprechen es ja aus. Nobel und großartig zugleich…

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  6. Ich wünsche dir einen erlebnisreichen Aufenthalt in Rom. LG, Joachim

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  7. …gehabt zu haben. Ich hatte deine vorausgegangenen Beiträge noch nicht gesehen. 😉

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  8. Mitzi Irsaj schreibt:

    Schöne Eindrücke liebe Gerda. Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in der ewigen Stadt.

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  9. lyriost schreibt:

    Was ich hier sehe, gefällt mir und läßt mich über des Wesen der Skizze nachdenken und über den Charme des Fragmentarischen.

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  10. rotewelt schreibt:

    Sehr schön skizzierte und erzählte Impressionen dieses sicher wunderschönen Hotels. Man bekommt Sehnsucht, auch dort zu sein. Die Pinien mag ich in Rom auch sehr.

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  11. Myriade schreibt:

    Ich habe gerade gelesen, dass aufgrund der enormen Trockenheit in Italien auch der Tiber sehr wenig Wasser führt. Ist das auch in Rom zu bemerken?

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  12. Ach, wie fein sind Deine Worte zu den Erlebnissen in und mit Rom, Gerda!
    Deine Skizze, die Du von der Espressotasse gemacht hast, finde ich am schönsten von allen schönen

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  13. Verwandlerin schreibt:

    Rom ist einfach eine herrliche Stadt! Danke fürs Mitnehmen!

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