Dora zum NeuntenSechsten: Chamäleon-Glasscherbenspiel

Die „Schnipsel“, die ich in letzter Zeit benutze, sind ja aus Glas, sind Scherben einer  ehemals eingefärbten, dann abgekratzten und zerbrochenen Glasscheibe.  Auf den Glasscherben-Legebildern sieht man das kaum, denn ich lege sie alle auf dem gleichen weißlichen Grund, und die noch vorhandenen Restfarben sind in diesem Format nicht zu erkennen.

Nun aber nehme ich eine Scherbe in die Hand und betrachte sie genauer.

Ist die Scherbe etwa aus grünlichem Glas? Nein, durchaus nicht. Es handelt sich um ganz normales farbloses Glas. Aber die Farbe meines Kleides schimmert hindurch. Ich schneide Hand und Scherbe aus und kopiere sie auf einen neutralen Grund . So entsteht die Täuschung.

Hier scheint die Kleid-Farbe nicht durch die Bruchkante, sondern durch die Fläche.

Ein neues Spiel ist eröffnet: Nimm eine Scherbe und halte sie vor verschiedenfarbige Hintergründe. Die auf der Scherbe befindlichen Farbspuren interagieren mit den Hintergrundfarben, so dass das immer Gleiche recht verschieden wirkt.

Zu Dora sage ich, denn mir ist nach Philosophieren: „Siehste, so gehts! Da lebt ein Mensch in einem prächtigen Palast, und alle sagen: welch eine glänzende Erscheinung. Zieht er dann um in eine olle Hütte, ist sein Glanz dahin. Oder nimm einen anderen, der wickelt sich in eine gold-blaue Fahne, und alle sagen: er ist ein guter Mensch. Wickelst du ihn aber in eine blauweißrote Fahne, dann ist er ein ganz Böser. “ – „Bei Menschen“, gibt Dora zu bedenken, „ist das ja vielleicht so. Aber bei Scherben auch?“

„Da ist es sogar noch viel mehr der Fall“, sage ich. „Sie nehmen die Farbe ihrer Umgebung an wie die Chamäleons.“

„Chamäleons?“ – „Ja, das ist griechisch, auf Deutsch übersetzt heißt es Erdlöwen. Das sind fabelhafte Tiere, die haben Farbzellen und Kristalle in ihrer Haut und können damit je nach Bedarf die Farben wechseln. Von besonderem Interesse ist dabei ….“

Dora, die für lange theoretische Ausführungen nicht zu haben ist, bringt ihrerseits eine Scherbe an, die sie mit dem Licht ihrer Latüchte erhellt.

„Wo hast du die denn her?“ frage ich erstaunt. „Die habe ich vom Fischermann da oben ausgeliehen!“ lacht sie. „Kopflos ist er weniger gefährlich für die Fische!“

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Dora zum NeuntenSechsten: Chamäleon-Glasscherbenspiel

  1. Chamäleons heißt also Erdlöwe. Ich lese und staune und staune mal wieder über Deine unermüdliche Kreativität, die ich sehr bewundere und mich frage, wie so ein weiter Geist in einer Welt wie unserer nicht erschlafft und müde wird?

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  2. Peter Klopp schreibt:

    Es ist einfach wunderbar, wie du mit Scherben und oft auch mit Papierschnipseln eine neue Form der Kunst entdeckt hast.

    Gefällt 1 Person

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