Dora zum ZwölftenFünften: Schwalbennest

Im Betonskelett des Hotels, das neben bzw oberhalb der Taverne aufragt, ist eine ganze Kolonie von Schwalbennestern zu besichtigen. Wo aber sind die Schwalben? Sie sind da, man hört die Kleinen schreien, die Großen zwitschern, man sieht sie auch hin und her flitzen. Sie zu fotografieren, ist mir aber noch nicht gelungen. Ich will mich gar nicht rausreden: mir fehlt nicht nur eine passende Kamera, mir fehlen auch Ausdauer und Geduld eines guten Vogelknipsers. Und so blieb es beim düsteren Anblick eines Nestes ohne erkennbare Bewohner.

Heute aber schien mir, dass sich eine Elternschwalbe auf dem Nest aufhielt. Ich warte und warte, die Telefon-Kamera im Anschlag, ob sich der Vogel vielleicht rührt und ich ihn beim Abflug erwische… Nix da.

Dora sieht meine Bemühungen und bietet ihre Hilfe an. „Ich geh mal nachgucken!“ kräht sie, und bevor ich „Halt, stör den Vogel nicht!“ rufen kann, ist sie schon unterwegs. Ihre Latüchte sendet einen hellen Strahl Richtung Nest. „Bewohnt,“ meldet Dora, zum Glück im Flüsterton. Stimmt. Ich habe die Schwalbe auch eine Sekunde lang gesehen – außer ich habe mich getäuscht.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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7 Antworten zu Dora zum ZwölftenFünften: Schwalbennest

  1. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda,
    Das kann ich gut nachvollziehen, auch ich bin viel zu ungeduldig, um lange auf Vögel zu warten. Und wenn sie dann da sind, ohne dass ich gewartet hätte, vertiefe ich mich in ihre Federn und vergesse den Fotoapparat. Wie gut, dass Micha so ein eifriger Fotograf ist.
    Ich komme mit meiner Diss voran, ich hätte nicht gedacht, dass sie mich so mit Leib und Seele vereinnahmt und nur meine Kunst und Familie zulässt.
    Oft schaue ich die Fotos deiner Beiträge und weiß, dass du da draußen in der Welt bist. Ich bringe jedoch selten die Energie auf, zu kommentieren oder zu lesen.
    Ganz doll liebe Grüße von Susanne

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Susanne, über deine Grüße hüpft mein Herz. Eine Diss zu schreiben, ist nicht ohne. Ich habe sieben Jahre gebraucht, da ich ein kleines Kind hatte und zudem arbeitete. Immer wieder umgeschrieben, neu getippt (700 Schreibmaschinenseiten), es gab ja noch keine Computer. Seiten um Seiten Anmerkungsapparat; während die Kinder im Nachbarzimmer tobten..Aber es war eine schöne erfüllte Zeit, meine Kräfte reichten für alles. Auch jetzt ist es schön, natürlich, ohne all den Stress… 🙂
      Ich wünsche dir von Herzen Gutes Gelingen in allem! Gerda

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      • Susanne Haun schreibt:

        Liebe Gerda,
        Ich höre und lese immer ganz fasziniert von den Dissertationen, die auf Schreibmaschine entstanden sind, von den Anmerkungen, die in Collagetechnik mit Schere und Papier gesetzt wurden. Welch eine Herausforderung!
        Ich war gestern in der Unibibliothek und habe mir dort Fachbücher zum Urheberrecht 📕 heruntergeladen können. Wie sich die Zeit ändert. Natürlich habe ich auch 3 reale Bücher mitgenommen.
        Heute aber spanne ich mir eine große Leinwand auf und male.
        Liebe Grüße von Susanne

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  2. Random Randomsen schreibt:

    Schöne Bescherung. 😀
    Es dürften Mehlschwalben sein, die sich dort häuslich niedergelassen haben. Die nisten auch häufig in Kolonien an Gebäuden. Dazu passen zudem die Optik und die zwitschernden Laute der erwachsenen Vögel. In den nordischen Ländern heißt die Gattung „Stadtschwalbe“ (Dänemark), „Hausschwalbe“ (Schweden) bzw. „Dachschwalbe“ (Norwegen). Diese Namen beziehen sich allesamt darauf, dass die Art gerne im Siedlungsgebiet nistet. 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Random! Ich kenne sie auch als Rauchschwalben, bin mit ihnen aufgewachsen: im Sommer wurden wir Kinder auf den Dachboden ausquartiert, denn unten wurde alles an Sommergäste vermietet (Ostsee). Dort unter dem schrägen Dachgebälk mit der Ziegelauflage, in der sich kleine Lüftungsöffnungen befanden, bauten sie ihre Nester, zu unserem Vergnügen und um unserer Mutter noch eine Arbeit zu machen: denn die Kleinen hinterließen auf den dort lagernden Kisten und Koffern viele viele weiße Kleckse. 🙂

      Gefällt 2 Personen

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