abc-etüde: Der Kürbis – eine Hommage

abc.etüden 2021 44+45 | 365tageasatzadayhttps://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/10/31/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-44-45-21-wortspende-von-wortverdreher/

Der Kürbis – eine Hommage

„Ich bin ein alter Kürbiskopf

Der auf dem Feld gelegen

Nun lieg ich bei dem  Suppentopf

Den Hungrigen zum Segen.

 

Vernehmt mein letztes Reimgedicht

Bevor ihr mich zerschneidet

Und unterbrecht mich bitte nicht

Wenn ihr mich gleich ausweidet

 

Was  du als Kürbis vor dir hast

Das war vorerst ein Samen

Den hinterließ bei einer Rast

Ein Vogel, meine Damen!

 

Der Samen und mein Kürbis-Ich

Wir sind ein- und dasselbe

Erkennen tut ihrs sicherlich

Denn beide sind wir gelbe.

 

Und sonnengelb ich dann auch blieb

Als mir die Blüten sprossten

Insekten hatten Hochbetrieb

sie wollten alle kosten

 

Sie kraxelten und summten in

Der köstlich gelben Blüte

Sehr kitzlig war ich innen drin

Welch Wollust, meine Güte!

 

Die Blüte wurde schrecklich matt

Verrostet ihre Farbe

Die Bienen freilich waren satt

Was mir blieb, war die Narbe.

 

Aus der trieb ich als Frucht hervor

Erst klein, dann immer runder

Die Narbe blieb mir als Decors

bis jetzt als Fünfzigpfunder.

 

Genug, ihr Damen, kommt geschwind

Mit eurem scharfen Messer

Was sein muss, wird, wer wagt gewinnt

Vom Warten wird nix besser.

 

So höhlt mich aus, das Kind krakeelt

Es will den Kürbiskopf jetzt haben

Passt auf, dass ihr mich nicht sehr quält

Bald wird euch heiße Suppe laben.

 

Mein Außen wird zum Kürbiskopf

Mit Augen Mund und wenn ihr wollt

Setzt oben auf den Kopf den Topf

Passt auf, dass er nicht runterrollt!“

 

So krakelt und so makelt noch

Ein wenig unser gelber Freund

Doch hm, was ich da eben roch

Ist Kürbissuppe – wie mir scheint.

 

Sie duftet gelb, wie Sonnenschein

Wie Bienenlust und warme Erde

Ich mein, ich hör schon Vögel schrein

Auf dass der Kern zum Kürbis werde  

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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26 Antworten zu abc-etüde: Der Kürbis – eine Hommage

  1. Werner Kastens schreibt:

    Ein Vöglein wär ich herzlich gern
    sucht ich mir auch `nen Kürbiskern
    tät mich mit ihm in die Mani hin wagen
    um der Gerda Dankeschön zu sagen.

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  2. Christiane schreibt:

    Ich liiiiiebe Kürbissuppen und koche gern mit Kürbis. Insofern habe ich einen Heidenrespekt vor dem Aufwand, den es bedeutet, so einen großen Kürbis so zu be- und verarbeiten, dass aus ihm sowohl eine gruselige Deko als auch ein großer Pott leckere Suppe entsteht. Vielen Dank, liebe Gerda, für die Würdigung des Lebenslaufs! Möge der Kreislauf von Neuem beginnen und der Kürbis die gebührende Wertschätzung erfahren! 🎃🎃🎃
    Nachmittagskaffeegrüße 😁⛅🍁☕🍪🍂👍

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, der Kreislauf! ich zögerte und grübelte, wie es richtiger heißen sollte: „Auf dass der Kern zum Kürbis werde“ oder vielleicht doch „Auf dass zum Kern der Kürbis werde“ …

      Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      die Frage aller Fragen. Wir Menschen können mit kreisförmigen Prozessen nur schlecht klarkommen, weil wir uns selbst als Linie begreifen, beginnend mit der Geburt und endend mit dem Tod.

      Gefällt 1 Person

      • Christiane schreibt:

        Ich denke über das „linear“ nach. Sind eigentlich alle Gottesbeweise so aufgebaut, dass sie nach dem „ersten Beweger“ fragen, oder ist das ein schlechtes Beispiel?
        Morgenkaffeegrüße 😉🍁☕🍪🍂👍

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Ich denke schon,dass alle Schöpfungsmythen nach dem Beginn fragen – nach dem Ende wohl eher selten. Wenn nach dem Beginn gefragt wird, wird oft auch nach einem „ersten Beweger“ gefragt, aber nicht so eindeutig wie im biblischen Mythos mit dem „einen Gott“. Oft sind schon zwei Wesenheiten vorhanden, die sich begatten….Der „pelasgische Schöpfungsmythos“ gefällt mir besonders : die Göttin tanzt und wie sie tanzt, entsteht um sie ein Wirbel, da tanzt sie immer wilder und der Wirbel wird greifbar, sie ergreift ihn, es ist eine große Schlange, der schlingt sich um ihre Glieder, sie begatten sich und herausfällt das große Weltenei….So ungefähr. Mir gefällt dabei vor allem die er-zeugende Bewegung als das schöpferische Moment.

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  3. Wortverdreher schreibt:

    Noch eine Etüde, bei der man Mitleid mit dem Kürbis bekommt. Nicht, dass nach den zwei Wochen, keiner mehr Kürbis essen mag. 🤣 ich mag Deine Gedichte, weil sie so einen Rhythmus haben.

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  4. elsbeth weymann schreibt:

    Genial, Gerda ! Meinen nächsten kleinen und großen KürbissuppenGästen werde ich erst einmal dein Gedicht kredenzen!!! Gerade heutige Großstadtkinder, die das Kaufen des Gemüses im Supermarkt kennen, aber nicht das Ernten im Garten, freuen sich über solche lebendigen „Biografien“.–„Schau mal“, sagt mein kleiner Nachbarsjunge Jannis und öffnet seine kleine Faust, in der ein Apfelkern liegt. “ Kann ein Apfelbaum werdn. In echt ! Hat mein Opa gesaagt.“ Solche Zusammenhänge zu hören, zu empfinden, wachsend zu verstehen– schafft Respekt, vielleicht sogar Ehrfurcht vor der Natur. SOO notwendig !! Also DANKE !!!

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  5. Peter Klopp schreibt:

    Tolles Halloween Gedicht!

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  6. Oh fein 😊 ich liebe Kürbisse 🎃 alles Liebe ☀️

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  7. Durch Kürbisfelder ging ich hier und staunte über das, was sich aus dem grünen Blätterkraut hervorwagte. Dick und rund und leuchtend gelb. Als Suppe und Gemüse sind sie ein großer Genuss. Zu Halloween werden sie ausgehöhlt und als Laternen vor die Türen gestellt.
    Als ich Kind war, waren es die Dickrüben (keine Zuckerrüben), die die kleinen Buben aushöhlten und die dann zu kleinen länglichen Laternen wurden.
    Feine Zeilen hast Du den Kürbissen gewidmet, liebe Gerda.

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      So ein Kürbisfeld habe ich mal bei einer Wanderung in Attika gesehen und auch Fotos gemacht. Du kannst sie im Eintrag am 1. Juni 2019, (Ausflug zum Pythischen Apoll) sehen: Zweite Reihe links unter den großen Fotos. Anklicken, denn sonst sind sie zu klein.

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  8. kopfundgestalt schreibt:

    Fein gedichtet, Gerda 🙂

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  9. puzzleblume schreibt:

    Für mich kann dieses Gedicht ebensogut eine humorvolle Bildgeschichte begleiten wie zum Philosophieren über den Sinn des Lebens einladen, ob im Kreislauf des Lebens generell, oder im einander „nutzenden“ zwischenmenschlichen Miteinander.

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  10. blaupause7 schreibt:

    eine andere Betrachtungsweise über den „circle of life“ – sehr schön gedichtet,

    Gefällt mir

  11. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 46.47.21 | Wortspende von Erinnerungswerkstatt | Irgendwas ist immer

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