Adieu, April – sei mir gegrüßt: Mai!

Schwierig war dieser Monat. Überschattet war er vom Sterben. Gleich zu Beginn, am Karfreitag der Westkirchen, starb Petra, die Frau meines Sohnes, meine liebe Schwiegertochter. Gestern war erneut Karfreitag – nun der Ostkirchen. Ein ganzer Monat Passionszeit. Heute Nacht wird die Auferstehung gefeiert. So richtig kann ich das Auferstehungsversprechen in diesem Jahr nicht fühlen. Auch die Erde liegt ermattet, die Luft ist schwer und dumpf.

Aber nun, jeder kämpft sich durch, lebt gedämpft, aber lebt. Maximilian der Kater, genannt Max, bereitete uns eine kurze Zeit Freude, dann lag er tot auf der Straße. Dafür kam die Prinkipissa, brachte uns zwei goldfarbene Jungen. Will.ie kam aus Afrika zurück, schwer angeschlagen zwar von Erlebnissen, für die ihr die Worte fehlen. Sie hängt durch, zeigt keine Aufbruchsstimmung, spricht davon, Dachdeckerin zu werden. Warum?  Weil das Zuhause so wichtig geworden ist? Weil Gefahr droht? Oder will sie nur einfach hoch hinauf, sich einen Überblick verschaffen? Ich weiß es nicht. Sie ist mir ein bisschen fremd geworden.

Und ich selbst? Nun, ich „blase meinen kleinen Ton“ (B Brecht, Mutter Courage), zeichne, wann immer es geht, lege Bilder. Es gab neue Schnipsel von Hannah, die mich anregten. Manchmal äußere ich mich zum Zeitgeschehen, bisweilen zur Geschichte, gehe auch im eigenen Leben weit zurück, erinnere mich an frühere Reisen, an längst gemalte Bilder. Frauen kommen, suchen Hilfe, geben mir Unterstützung, laden mich zu Ausflügen oder gemeinsamen Aktivtäten ein. Täglich gehe ich in Bloghausen spazieren, finde dort Anregungen, Geschichten und Trost, täglich poste ich selbst dies und das, täglich schaue ich nach dem Wetter und nach den Pflanzen, die sich hervorwagen ans Licht, gieße sie, schüttle Käfer aus den weißen Rosen,  genieße das Essen, das mein Mann täglich liebevoll bereit, trinke meinen Wein und sage Prost aufs Leben.

So verging dieser Monat April.  Und wenn ich nun eine kleine Auswahl meiner geposteten Bilder zeige, so wird mir bewusst: schön und fruchtbar war auch dieser Monat! Danke, April!

Und nun: Sei mir gegrüßt, Mai!

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Alltag, Autobiografisches, Collage, Feiern, Geschichte, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Reisen, Tiere, Willi, Zeichnung abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten zu Adieu, April – sei mir gegrüßt: Mai!

  1. romanfidel schreibt:

    Schön, das Brechtzitat, und außerdem so hilfreich, auch hier am für mich schönsten Fleckchen Erde oder besser Wasser 😉 Herzliche Grüße!

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  2. OIKOS™-Editorial schreibt:

    Nachträglich noch mein Beileid, Gerda! Hoffen wir mal, dass es jetzt endlich positiv(er) vorwärts geht. Wünsche einen schönen Ostersonntag! LG Michael

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  3. Arno von Rosen schreibt:

    Liebe Gerda, du beschreibst gut, wie ich mich fühle und ich hoffe, wir bekommen die Energie zurück, die so viel Freude bereitet, wenn man sie hinaus in die Welt lässt. Ich wünsche dir ein neues kleines Leben in deinem Umfeld, welches dich wieder mit mehr Freude verwöhnt …

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Arno, meine Lebensumstände sind eigentlich recht schön, ich habe da nichts zu klagen. „Mein kleines Leben“ ist reich, reich an Kummer und an Freuden. Es ist mein inneres Gefühl, das mir zu schaffen macht: Dass man mir mein Menschenrecht abspricht, selbst zu entscheiden, was gut für mich ist – beschränkt nur durch vernünftige einsehbare Gesetze, die in gerechter Weise den Rahmen abstecken, Stattdessen sehe ich ein Unrechtsregime sich entwickeln, das wenigen dient, viele in die Verzweiflung treibt und so gut wie alle entmündigt.
      Kurzum, es ist nicht Ich als Gerda, sondern Ich als Mensch, die leidet.

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  4. Herzlichen Dank, liebe Gerda, für deinen Blog und insbesondere dieses berührende und schöne April-Posting und noch mein herzliches Beileid! Auch ich habe einen April hinter mir, der sich ähnlich anfühlt: Schön und fruchtbar, trotz …..
    Für mich rief der April bei jedem Aufgehen neuer Knospen und Blüten an Blumen, Büschen und Bäumen im Garten die Freude wach, die mein Mann mit mir tagtäglich daran hatte im April vor einem Jahr – dem letzten seines Lebens. All das durchlebte ich nun diesen April erneut – voller Trauer und Glück zugleich. Denn es war ein schönes Ende in einem schönen Frühjahr – wärmer und früher voller Blütenbracht als dieses Jahr in Bayern. Dieser Verlauf der Dinge waren auch der Grund, warum von mir letztes Jahr nichts zu lesen war – weder auf WordPress, noch auf Twitter …. Schön, nun vieles wieder zu finden, so wie deinen wunderbaren Blog, liebe Gerda! Liebe Grüße von Heidi

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    • gkazakou schreibt:

      Ach, liebe Heidi Ich dachte, ihr würdet euch wegen der Reisebeschränkungen nicht melden. Mein allerherzlichstes Beileid. Ich freue mich, dass du das gemeinsam Genossene nun wieder aufleben lassen konntest – trotz des schmerzvollen Verlustes. Wie sagt man hier: Να ζήσεις να τον θυμηθείς.- mögest du leben um dich an ihn zu erinnern.

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      • Herzlichen Dank, liebe Gerda, für deine lieben Grüße und Wünsche vom 1. Mai. Noch immer schaue ich nicht regelmäßig nach meinen Blog etc. im Internet, so dass ich sie jetzt gerade erst entdeckt habe. Liebe Grüße von Heidi

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  5. nandalya schreibt:

    Leid und Freude sind Weggenossen des Lebens. Es liegt auch an uns, wem wir mehr Aufmerksamkeit schenken.

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  6. hannahbuchholz schreibt:

    Welch eine Fülle an farbenfrohen und fröhlichen und wunderschönen Bildern und Erinnerungen
    dein April trotz allem mit sich gebracht hat, liebe Gerda.
    Deine Bilder wie auch deinen Text mag ich sehr
    und ich bewundere es, was du diesem doch auch sehr schwierigen und schmerzhaften Monat alles abgewinnen und entnehmen konntest, wieviel Schönheit, Farbenfreude und Licht…!
    Frohe Ostern…
    viele liebe Grüße, Hannah ❤

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  7. gkazakou schreibt:

    Danke, Hannah. es ist ein Leben im Dennoch. im Trotz Alledem. Statt spontaner Freude den Stunden abgepresste Tröpfchen an Glück.Am meisten schmerzen mich die Menschen, die das Ungeheuerliche brav hinnehmen und sagen : warum lässt du dich nicht einfach impfen – and everything is just fine?

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  8. Leela schreibt:

    so eine sprudelnde Schaffenskraft… du bist eine sehr starke Frau… Danke für die schönen Bilder und die inspirierenden Gedanken…

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  9. linienspiel schreibt:

    Wehmut und Freude – so dicht beieinander! Vielen Dank für deine Beiträge, liebe Gerda, und Prost aufs Leben!
    Liebe Grüße und frohe Ostern!
    Beate

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  10. Johanna schreibt:

    Frohe Ostern für Euch…und eine Auferstehung des Menschenwürdigen wünsche ich uns Allen ☀️

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  11. Manchmal hilft es wirklich nur noch seinen kleinen Ton zu blasen.

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  12. So viel Schmerz und so viel Freude, liebe Gerda, pures Leben.
    Nur ein einziger Monat, aber er brachte so viel …

    Gefällt 1 Person

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