Die Ignoranz der Sicheren

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muetzenfalterin

Am selben Tag an dem die, ausnahmsweise gute, Nachricht von Denzi Yücels Freilassung sich verbreitete, wurden Ahmet Altan und sechs weitere politisch Angeklagte, zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem Text aus dem Gefängnis zitiert er Elias Canetti um die vorsitzenden Richter in seinem Prozess zu charakterisieren.

„In Sicherheit. Mit sich im Reinen. Mächtig. Und dann hören sie das Flehen eines Menschen nicht und sind von vornherein entschlossen, sich taub zu stellen – kann man sich überhaupt gemeiner verhalten?“

Und dann schreibt Altan, wie ihm, während er mit den anderen Angeklagten auf die Verkündung des Urteils wartet, eine Stelle aus seinem Roman einfällt.

„Der Spalt zwischen dem Moment, in dem sich das Schicksal eines Menschen verändert, und dem Moment, in dem er das realisiert, schien ihm der unheimlichste, tragischte Aspekt des Lebens. Die Zukunft ist schon klar, aber der Mensch wartet noch auf eine ganz andere Zukunft mit anderen Erwartungen und…

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Antworten zu Die Ignoranz der Sicheren

  1. christahartwig schreibt:

    Yücels Freilassung … Die Freilassung finde ich natürlich richtig. Was mich schier verrückt macht, ist, dass sie unzweifelhaft erkauft wurde. Mit Waffenlieferungen und weiteren Zugeständnissen an diesen Despoten. Und was mich noch verrückter macht: Es wurden dabei zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wäre ja auch wirklich zu blöd, wenn unsere Waffenindustrie nicht genügend Abnehmer hätte. Zum k…..!

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    • gkazakou schreibt:

      ich nicke mit dem Kopf. Und weiß noch nicht, was noch alles verkauft wird, um diesen aufmüpfigen waffenstarrenden Partner bei Laune zu halten. Vielleicht wirft man der Türkei auch noch ein Stück Griechenland hin. Yücel war nur das As im Ärmel, ich weiß nicht von wem, und die Medien haben hübsch mitgespielt.
      Es gibt, da kann kein Zweifel bestehen, momentan einen enormen Druck in der Region, einen Krieg mit dem Iran anzuzetteln – mit Syrien als Vorposten. Und in diesem großen Krieg werden sich alle „Guten“ (USA, Israel, Deutschland, Türkei, Frankreich, Englandetc pp) auf der einen Seite und alle „Bösen“ (Russland, evtl. China) auf der anderen Seite befinden. Ein neuer Weltkrieg. Griechenland und Zypern liegen schon deutlich in der Zerreißzone, die Türkei wird täglich aggressiver, findet den Vertrag von Lausanne (1923), mit dem das Osmanische Reich endete, überholungsbedürftig und träumt laut von einstiger Größe.
      Mir tun, ehrlich gesagt, die jungen Türken momentan am meisten leid, die in dies grausame Spiel reingeschmissen und verschrottet werden.

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      • christahartwig schreibt:

        Ja, die standen schon mal vor Wien. Keine Ahnung, warum das immer total in Vergessenheit gerät. Vielleicht weil man dachte, dass seither viel Wasser den Bosporus runter und rauf geflossen ist. So wie viele ja auch denken, dass der Nationalsozialismus in Deutschland keine ernstliche Chance mehr hat. – „Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.“ Und weit und breit ist kein Meister (im guten Sinne) in Sicht.

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      • kunstschaffende schreibt:

        Schmutzige Deals gehören zur Politik, wie die Luft zum Atmen. Es ist nur noch schauerlich, was da auf dieser Welt abläuft! Wenn ich die scheinheiligen Fratzen sehe, dann könnte ich K…….!

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Basi, mir gehts eigentlich gar nicht um die schmutzigen Details, sondern um die großen Linien und die Frage, was da auf uns zukommt. Und natürlich geht es mir darum, dass mehr Menschen verstehen, dass die Sicherheit des Alltags und das, was wir erwarten und erhoffen, vielleicht von anderen längst durchgestrichen wurde und wir es nur noch nicht wissen. Wir sind Schlafwandler ein Leben lang. Das ist es, was dieser türkische Schriftsteller, Ahmet Altan, denkt und was ihn zittern macht, als er auf das Urteil wartet: lebenslang. Ich will mal sehen, was ich von ihm im Netz finde.

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  2. wildgans schreibt:

    Kaum auszuhalten!

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  3. Ulli schreibt:

    Danke fürs rebloggen, ich habe bei Mützenfalterin selbst kommentiert…

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    • gkazakou schreibt:

      Ich habe deinen dortigen Kommentar gelesen, er fasst noch einmal klar zusammen, worum es uns gehen kann.

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      • Ulli schreibt:

        ja und danke!
        Es geht ja nicht nur darum, worum es gehen k a n n, sondern für mich gehen m u s s. Ich schreibe absichtlich für mich, denn ich kann schlichtweg nicht erwarten und tue dies auch schon lange nicht mehr, dass alle mit ins Boot steigen. Ich wünsche mir allerdings wieder und wieder eine große Welle, mir ist Vieles zu seicht in dieser Welt geworden.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, ich sage aus demselben Grunde wie du das MUSS, das KANN. Ein Nachdrenklicher oder Mitfühlender kann drauf kommen, kann reagieren, muss es aber natürlich nicht.
      Dass du die große Welle ersehnst, wundert mich grad ein bisschen, denn soweit ich weiß, liebst du das stille Wasser und fürchtest dich vor der Gewalt des Meeres 😉

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      • Ulli schreibt:

        Das ist so nicht ganz richtig, ich mag durchaus auch eine stürmische See, solange ich mich auf den Beinen halten kann und der Sturm nicht zum Orkan wird!
        Die große Welle bedeutet hier für mich eine größere Bewegung von den sogenannten kleinen Leuten. Es wird zwar viel gekrittelt und gemosert (besondern in D auf ziemlich hohen Niveau und oft undifferenziert), aber zu wenig wirklich getan… na ja, die Bewegungen haben sich allerdings auch verändert, heute machen viele Menschen von sich aus Gutes und bemühen sich um ein freundliches und mitfühlendes Verhalten, ohne darum ein großes Geschrei zu veranstalten oder es schießen alternative Projekte europaweit und vielleicht auch weltweit aus dem Boden von denen man nur nicht so viel Hört. Da haben wir es wieder mit den guten und den schlechten Nachrichten und dass es immer wieder an uns selbst liegt wohin wir unsere Blicke wenden, ohne dabei Ungutes gut zu reden –

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  4. chris schreibt:

    Oh ja, ein paar griechische Inseln wären fein.
    Da gibt es sowieso Begehrlichkeiten… 🙄
    Ich schreibe schon lange gegen diesen
    Wahnsinn an – aber keiner hört mich…
    Erst sitzt Deniz ein Jahr ohne Anklage,
    jetzt hat er eine Anklage und darf das
    Land verlassen – absurd. Leider sitzen
    weitere 150 Journalisten noch ein… 😦
    ( und tausende anderer Bürger )

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  5. www.wortbehagen.de schreibt:

    Es ist schrecklich, das alles zu lesen und zu wissen, daß an allen Orten Unrecht geschieht und nicht zu wissen, wie man verhindern kann. Beten ist Unsinn und Bitten entschieden besser, aber es ist unerheblich, denn unser Bitten wird nicht erhört.

    Gefällt 2 Personen

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