Konstantinos Volanakis, Meeresmaler 19. Jahrhundert

Meinen heutigen Zahnarztbesuch krönte ich durch einen Besuch der Ausstellung des „Pateras tis Thalassographia“ (Vaters der Meeresmalerei)  Konstantinos Volanakis im Gebäude der „Theoharakis-Stiftung für Kunst und Musik“, im Athener Zentrum.  Nicht, dass ich ein besonderer Fan dieser Malerei wäre. Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Er verstand sein Handwerk! Außerdem sind die Bilder historisch interessant.

Volanakis lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und studierte an der Münchner Akademie der Künste Malerei. Er spezialisierte sich auf Meeresbilder mit malerischen Segelschiffen, Häfen und Seeschlachten. So konnte er sich, nach Athen zurückgekehrt, einigermaßen durchschlagen und seine Frau und die vielen Kinder ernähren.

Von den insgesamt 70 ausgestellten Bildern möchte ich euch ein paar zeigen. (1-2) Eine idyllische Bucht mit ankernden Schiffen und aufgetakeltem Großschiff und ein Ausschnitt davon mit sich spiegelnden Häusern, wie man sie auch heute noch sieht. (3-4-5) Der Hafen der mittelgriechischen Stadt Volos (gegen Ende des 19. Jahrhunderts) mit zwei Bildausschnitten. Es gibt – man staune – bereits eine von Pferden auf Gleisen gezogene Straßenbahn. (6-7) Ein Großsegler und ein Fischerboot mit Netzeflickern, letzteres auch als Ausschnitt fotografiert, um die Spiegelung in der Pfütze zu zeigen.

Und noch ein paar Idyllen, bis – auf  dem letzten Foto – ein moderner Raddampfer das Ende der unter Segeln reisenden Handelsschiffe ankündigt.

 

Mit solchen Bildern konnte der Maler nur wenig Geld verdienen. Im staatlichen Auftrag gemalte oder zu Wettbewerben eingereichte Seeschlachten waren da schon einträglicher. Besonders beliebt waren natürlich Schlachten, bei denen die türkische Flotte vernichtet wurde. Auf dem letzten Bild: die Schlacht von Navarino (1827 bei Pylos, ich habe bisweilen davon erzählt), die Griechenland nach 400 Jahren osmanischer Herrschaft seine Unabhängigkeit zurückgab und zur Gründung des neugriechischen Staates führte. Angesichts des erneuten Säbelrasselns des türkischen Nachbarn (da ist die Rede von „osmanischer Ohrfeige“ und von der „griechischen Mücke“, die man zerquetschen werde), verliert diese Thematik ihren idyllischen Charakter und gewinnt beklemmende Aktualität.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu Konstantinos Volanakis, Meeresmaler 19. Jahrhundert

  1. mmandarin schreibt:

    Ja soll es denn niemals Frieden geben? Dummes Säbelgerassel. Marie

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  2. Myriade schreibt:

    Wunderschön transparentes Wasser ! Zwar bin ich kein großer Fan dieses Stils, aber technisches Können muss man schon anerkennen

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  3. Ulli schreibt:

    Ich gestehe, ich mag sie, die Hafenbilder, die das damalige Leben wiederspiegeln und wie es sich spiegelt (!), auch wenn ich mir ein solches Bild nicht an die Wand hängen würde. Schmerzhaft sind die Bilder der Seeschlachten, Schlachten schmerzen mch immer, ob damals oder heute und die Menschheit lernt nicht, das schmerzt mich wohl noch am meisten!

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  4. christahartwig schreibt:

    Auf ein ganz bestimmtes Licht spezialisiert – jedenfalls bei den friedlichen Küstenlandschaften mit Schiffen. Schiffe scheinen wir inzwischen in den Genen zu haben. Alle Kinder malen und zeichnen Schiffe – viel mehr als Flugzeuge.

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    • gkazakou schreibt:

      Schiffe, die auf dem Wasser schwimmen, sind, denke ich mal, Archetypen. Mutterbauch, Vatermast. Wem auf See leicht schlecht wird, hat, so sagt man, eine schlechte Beziehung zur Mutter.

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      • christahartwig schreibt:

        Das mit dem Zusammenhang zwischen Seekrankheit und Beziehung zur Mutter kann nicht stimmen. Meine Beziehung zu meiner Mutter war schwierig, aber ich werde nicht seekrank – bzw. nur im Innern der Kajüte kleiner Boote.

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    • gkazakou schreibt:

      Er hat auch dunkelblaues Meer, Mondlicht etc gemalt,aber die mag ich nicht so.Die Lichtauswahl zeigt wohl meine Vorlieben.

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      • christahartwig schreibt:

        Ja, das ist auch ein sehr schönes Licht. Es gibt einen Maler, der Berliner City Scapes gemalt hat (m.E. nach alten Postkarten – also künstlerisch … hm), aber wie er das Licht von Straßenlaternen oder Autoscheinwerfern , in Fenstern oder Schaufenstern gemalt hat, ist geradezu genial. Man würde denken, die Bilder leuchten noch, wenn man die Raumbeleuchtung ausschaltet. Auch das ist ja eine Kunst. Ich bedaure bei vielen heutigen Malern, dass ihre Maltechnik oft zu wünschen übriglässt. Um es kurz zu sagen: Sie malen schlampig. Hingegen hege ich eine gewisse Bewunderung für den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi.

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    • gkazakou schreibt:

      Ausnahmen bestätigen die Regel (auch: eine Art, Behauptungen gegen Falsifizierungen zu schützen)

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Christa, ich mag mich von der These, dass Seekrankheit und schlechte Beziehung zur Mutter korrelieren, nicht verabschieden, nur weil sie bei dir nicht stimmt. Vielleicht war deine Mutterbeziehung ja gar nicht sooo schlecht, so dass dir nur in kleinen Kajüten schlecht wird? 😉
      Sicher ist nämlich, dass es auf See hilft, sich träumerisch in den Mutterleib zurückzuversetzen – wenn der als bequemer und sicherer Aufenthaltsort erlebt wurde.
      (Ich hab jetzt nicht die Zahl der Anschläge gezählt, aber ich glaube, es reicht).

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      • christahartwig schreibt:

        Liebe Gerda, ich kann mich an mein Dasein im Mutterleib beim besten Willen nicht erinnern und hatte noch nie den Wunsch, mich träumerisch zurückzuversetzen. Ich esse nicht gerne in Embryonalstellung (d.h. am Couchtisch) und schlafe am liebsten in einer Art stabiler Seitenlage (was auch keine wirkliche Embryonalstellung ist. Ich gebe Dir aber insoweit Recht, dass ich meine Mutter, als ich klein war, ganz doll und uneingeschränkt lieb hatte. Die Probleme kamen erst etwas später.
        Viele liebe Grüße
        Christa

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  5. www.wortbehagen.de schreibt:

    wer nicht *g*

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  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    Er hatte ein Händchen für die alten Segler und er malte wohl das Abenteuer gleich mit.
    Die Seele des Freibeuters vermutlich mehr als seine Grausamkeit

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  7. kunstschaffende schreibt:

    Diese Bilder sind aber auch Zeitzeugnisse, so wie heute unsere Fotos. Gäbe es diese Kunstwerke nicht, wir wüssten nichts aus dieser Zeit!
    Ich finde es super interessant sie anzusehen! Babsi

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