Das Bourtzi von Methoni

Ich lese bei euch viel von Herbst. Aber Herbst gibt es hier nicht, sondern glühende oder schwüle Hitze. Und so versengte ich mir das Haupt, als ich am Sonntag auf dem Kastell von Methoni unterwegs war.  Es liegt auf dem Nagel des westlichsten Fingers der Peloponnes. Die Franken und bald darauf die Venezianer fanden die Lage ideal für eine befestigte Anlage auf ihrem Kriegszug zu den „heiligen Stätten“. Und so begannen sie, kaum war das 13. Jahrhundert eingeläutet, mit dem Bau. Oder vielmehr, die einheimische Bevölkerung begann nolens volens mit dem Bau. Natürlich blieb die Anlage nicht in venezianischen Händen: 300 Jahre später, nämlich 1498, und nun schon prima befestigt, verloren die venezianischen Herren es an die nächsten: die Türken.  Es folgten viele Versuche der Griechen, die Burg zu stürmen – vergebens. Erst 1828, nach dem Frieden von London, der zur Gründung des griechischen Staates führte, zog die letzte türkische Besatzung ab. Danach verfiel das Kastell. Aber EU sei Dank, wird es nun renoviert und zur Gänze zugänglich gemacht.

Das Wort Bourtzi ist selbst eine Mixtur der Sprachen, die in diesen Mauern gesprochen wurden: Ist es fränkisch (Burg) oder italienisch (borgo) oder gar türkisch (burc)? Ein bisschen griechisch ist es auch, denn alle diese Wörter stammen von pyrgos – Turm.

Meine Fotos haben natürlich nicht die Qualität derer, die ihr hier bewundern könnt: Das Bourtzi von Methoni. Dafür aber sind es meine. Und ich habe Lust, euch mitzunehmen, damit wir gemeinsam zwischen den hohen Mauern und der spärlichen Vegetation herumsteigen, das Licht durch die Löcher im Himmel der türkischen Hamams fallen sehen, durch die Spitzbögen der riesigen Tore schreiten …. Kurzum, ich zeige euch jetzt ein bisschen von dem, was ich so fotografiert habe: die Befestigung samt Bourtzi, Torbögen, einen Blick übers leere Feld hinüber zur Ortschaft, ein Blick aufs Meer, eine Säule aus feinem Basalt,  Mauerdurchbrüche, ein türkisches Hamam mit doppelter Kuppel von außen und innen. Die Lichtreflexe, die wie helle Tropfen an den Wänden funkelten, machten mir Spaß, erinnerten mich an die Schweißperlen, die hier früher flossen. Oder sind es Reflexe einer noch älteren Zeit, als in diesen Wölbungen, so vermute ich, das Christentum nach byzantinischem Ritus feierte? Heute ist das Gemäuer grünfleckig, vielleicht von Algen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Das Bourtzi von Methoni

  1. Myriade schreibt:

    Immerhin ein paar spärliche Wölkchen am Himmel über einem interessanten Gebäude

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  2. finbarsgift schreibt:

    Sehr interessant, diese Anlage!
    Tolle Impressionen von dir…
    Hier ist noch kein Herbst, ist nur etwas kühler, aber die Sommerverwöhnten jammern schon…
    Liebe Abendgrüße vom Lu

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  3. Arabella schreibt:

    Wunderbar sind diese Torbögen.
    Guten Morgen

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  4. TeggyTiggs schreibt:

    …reizvolle Fraben und Ein- und Ausblicke zwischen Vergangenheit und Gegenwart…Danke fürs Mitnehmen!

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  5. Ich kenne diesen Ort und war auch schon während einer Peleponesumrundung dort. Wir waren jedes Jahr mit dem Wohnmobile in Amaliada und haben von dort alle interessanten Orte besucht.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  6. kopfundgestalt schreibt:

    Du Botschafterin 🙂
    Ich frage mich, inwieweit das echt aussieht. In Mexiko, wo ich vor 20 Jahren war, las ich, dass so manche Gebäude nach Gusto aufgebaut wurden.
    Ich beschäftigte mich damals sehr mit den Mayas.

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    • gkazakou schreibt:

      also echt sind die Gebäude schon. Mancher Stein wurde halt ersetzt, damit das Ganze wieder betreten werden kann
      Nach gusto aufgebaut wurde zB die Altstadt von Frankfurt/Main: da baute man die historisch interessanten Häuser, die zerbombt worden waren, auf einem Platz, wo sie nie gestanden hatten, neu auf.

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Für Mexikos Maya -Stätten las ich in einem Fall , dass man einen Phantasieturm erstellt hatte. Heutzutage, mit den technischen Möglichkeiten, genauer zu recherchieren, wäre das wohl kaum passiert.
        Auch der farbliche Auftrag, gerade bei Tempeln, entspricht nicht der Realität.
        Keramikware wurde in antiken Zeiten manchmal nach Abnehmerwunschen hergestellt und hatte nichts mit einer lokalen Vorliebe zu tun.

        Danke mit Frankfurt..
        Das klingt nach walt Disney 🙂

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      • gkazakou schreibt:

        Lieber Gerhard, solche Neu- bzw Nachbauten sind tatsächlich gar nicht selten. Bekannt ist zB, dass der berühmte Palast von Knossos ein Fantasie-Produkt von Arthur Evans ist. Wiki schreibt dazu: „Evans’ eigenwillige Benennung von Räumen, wie dem Thronsaal, dem Badezimmer der Königin, der Karawanserei, dem Zollhaus und anderen trug ihm viel Kritik der Archäologen ein. Hierin sehen viele Archäologen die Suggestion einer Befundsicherheit, die keineswegs existiert. Seine kühnen Rekonstruktionen sind höchst umstritten, da sie diese individuellen Interpretationen zementieren und weitere Forschung am Objekt (in situ) praktisch unmöglich machen. In seinem Bemühen, die freigelegten und dadurch der schnellen Verwitterung zugänglichen Räume und Artefakte vor dem Verfall zu konservieren und dem Betrachter eine Vorstellung des denkbaren Aussehens des ehemaligen Palasts zu geben, experimentierte er zunächst mit aus England und Skandinavien eingeführtem Holz. Als dieses nicht die erhoffte Langlebigkeit aufwies, setzte er den damals modernsten und langlebigsten Baustoff ein, Beton. Doch dieser ist viel schwerer als antike Gips- und Holzkonstruktionen ….
        Auch die Wirkungen von Emile Gilliéron der gemeinsam mit seinem Sohn Emile (1885–1939) eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung (und dabei „künstlerisch sehr frei“[7]) von Fresken und anderer Funden in Knossos für Arthur Evans arbeitete, sind möglicherweise als Fälschungen zu betrachten.[8]“

        Heute würde man so etwas freilich nicht mehr zulassen.

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Allerherzlichsten Dank !!
        Zeigt mir, wie sehr dich dieses Thema schon umtrieb.

        Wir können eh nicht in vergangene Zeiten gucken, aber sollten so akribisch wie möglich sein.
        Falscher Ehrgeiz hat auch in den Wissenschaften viele Steine in den Weg gelegt.

        Liken

    • gkazakou schreibt:

      das stimmt. Andererseits sind die etwas fantastischen Nachbauten, zB in Knossos, für die Besucher viel anschaulicher und attraktiver als die wissenschaftlich exakte Aufbereitung. Ich bin da keine Puristin und finde es ganz gut, wenn das eine und andere Monument „populistisch“ zugänglich gemacht wird. Wie sollen sich junge Menschen mit der Geschichte verbinden, wenn sie so ganz unanschaulich daherkommt? Heute rekonstruiert man ja oft 3-dimensional elektronisch, auch interaktiv, man kann virtuelle Spaziergänge machen – aber all das ist doch nicht so anschaulich wie ein paar meinetwegen falsch eingefärbte oder falsch gesetzte Säulen.

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Bin auch im Grunde kein Purist. Vielleicht wäre ein Kompromiss, dass man den Grad der Rekonstruktion mit anzeigen würde? Andererseits ist alles irgendwo ja „Täuschung“, denn man erlebt ja die Hervorbringungen der damaligen Menschen nicht mit deren Augen und in deren Zeit.

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  7. www.wortbehagen.de schreibt:

    Es ist toll, bei Dir das zu lesen, was einem beim Herumlaufen mit Reiseführer in der Hand total entgehen würde – die Feinheiten, die Liebe zum Erforschen, die Blicke nach oben und unten, die Liebe zum Vergangenen, dessen Spuren in jedem Winkel zu erkennen sind.
    Danke fürs Mitnehmen – auch von mir, liebe Gerda

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  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Die Nachteule bruni wünscht dir eine wundervolle gute nacht,liebe gerda,und freut sich über deine Worte

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  9. mmandarin schreibt:

    Wozu schlaflose Nächte doch gut sind, da stoße ich auf einen Blog von Gerda, der mir entgangen war. Was für feine, geheimnisvolle Ausblicke. Und immer stelle ich mir vor, wer hat genau aus diesem Blickwinkel schon hingeschaut. Welche Gefühle hatte der Mensch, welche Themen haben ihn bewegt… war er glücklich, unglücklich, ? ? ? Alles so vergänglich… Marie ( Danke )

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