In der Fremde

Mit dieser Ballade hoffe ich gleich zwei Spatzen zu fangen. Denn einerseits hab ich nur noch bis Mitternacht Zeit, mich im Mitmachblog zu Fremdartigem zu äußern, und andererseits bläst Christiane zum letzten Aufgebot für das Balladenwochende.

Idee:
„Baladenwochenende“: Christiane von

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/01/13/aufruf-balladenwochenende-die-brueck-am-tay/

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Heines Seegespenst, das ich gestern auswählte, war ja womöglich gar keine Ballade, aber das heutige Heine-Gedicht ist garantiert eine. Ich hab es nämlich bei http://www.balladen.de/ gefunden.

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In der Fremde

Heinrich Heine

1.

Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.

Die Liebe, die dahinten blieb,
Sie ruft dich sanft zurück:
O komm zurück, ich hab dich lieb,
Du bist mein einz’ges Glück!

Doch weiter, weiter, sonder Rast,
Du darfst nicht stillestehn;
Was du so sehr geliebet hast,
Sollst du nicht wiedersehn.

2.

Du bist ja heut so grambefangen,
Wie ich dich lange nicht geschaut!
Es perlet still von deinen Wangen,
Und deine Seufzer werden laut.

Denkst du der Heimat, die so ferne,
So nebelferne dir verschwand?
Gestehe mir’s, du wärest gerne
Manchmal im teuren Vaterland.

Denkst du der Dame, die so niedlich
Mit kleinem Zürnen dich ergötzt?
Oft zürntest du, dann ward sie friedlich,
Und immer lachtet ihr zuletzt.

Denkst du der Freunde, die da sanken
An deine Brust, in großer Stund‘?
Im Herzen stürmten die Gedanken,
Jedoch verschwiegen blieb der Mund.

Denkst du der Mutter und der Schwester?
Mit beiden standest du ja gut.
Ich glaube gar, es schmilzt, mein Bester,
In deiner Brust der wilde Mut!

Denkst du der Vögel und der Bäume
Des schönen Gartens, wo du oft
Geträumt der Liebe junge Träume,
Wo du gezagt, wo du gehofft?

Es ist schon spät. Die Nacht ist helle,
Trübhell gefärbt vom feuchten Schnee.
Ankleiden muß ich mich nun schnelle
Und in Gesellschaft gehn. O weh!

3.

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.

Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum,
Wie gut es klang) das Wort: „Ich liebe dich!“
Es war ein Traum.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Dichtung, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Reisen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu In der Fremde

  1. gkazakou schreibt:

    Hat dies auf MitmachBlog rebloggt und kommentierte:

    Fremdartiges

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  2. Christiane schreibt:

    „Es war ein Traum.“
    Wie bitter ist das, so über seine Heimat zu sprechen, sprechen zu müssen.
    Denk ich an Deutschland in der Nacht …
    (Danke fürs Mitmachen auch heute!)
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  3. Ulli schreibt:

    Ich denke gerade an alle diejenigen, die vertrieben wurden oder flüchteten oder an die, die erst in anderen Ländern Erfolg hatten, bis das „Heimatland“ sie und ihre Werke anerkennen konnten- ja, bitter kann das auch sein!
    liebe Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      .liebe ulli, danke. ich weiß momentan nicht, ob ich normal bloggen kann, mein computer spinnt nun völlig. erst mal nur: Wir sind gut in Athen angekommen. LG Gerda

      Gefällt 1 Person

      • Ulli schreibt:

        Hoffentlich lässt er sich reparieren, zu dumm aber auch.
        Hast du schon gelesen, dass Susanne die Idee hatte, dass wir einmal zu Viert ein Projekt machen könnten, also sie, du, Jürgen und ich- ich finde es eine grossartige Idee. Sie will beim nächsten Telefonat mit Jürgen mit ihm darüber reden. Was hälst du davon? Liebe Grüsse
        Ulli

        Gefällt 1 Person

      • gkazakou schreibt:

        ich habs gelesen, habe mich aber nicht getraut, das auf mich zu beziehen, fände ich natürlich große klasse, besondern weil dies namenlose projekt so was spielerisches hat, das mir sehr entspricht.

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