Art Athena 2016, Reisefreiheit

Heute war ich noch einmal auf der Kunstmesse Art Athina 2016, um meine Eindrücke zu vertiefen. Für einen Bericht reichen die Kräfte nicht mehr. aber ich möchte euch doch noch schnell einen kleinen Kiosk vorstellen, den ich ganz am Ende im „inoffiziellen“ Teil der Messe fand. Es gab dort einen dicken Hefter mit Folien. Auf jeder Folie, eine für jedes Land dieser Erde, war dieselbe Weltkarte abgebildet, doch nur die Teile der Weltkarte waren geschwärzt, die die Bewohner ohne Visum bereisen können.

Ich war schwer beeindruckt. Denn wie verschieden sahen die Karten aus! Für die Bewohner des einen Landes – hier Deutschland – steht die ganze Welt offen. Keine Visa-Rennereien, keine Angst, dass man am Ende den Stempel nicht erhält. Man reist, wohin einen das Herz führt und das Portemonnaie es erlaubt.

Visafreiheit für Deutsche

Dies also ist die deutsche Karte.  Ich blätterte dann weiter, stoppte bei einer anderen: dem Iran. Der Künstler, der diese enorme Arbeit auf sich genommen hat, ist selbst Iraner. Wie sieht es dort aus? Wohin kann ein Iraner reisen, wenn es ihn gelüstet?

Visafreiheit für Iraner

Das ist alles. Diese paar Mäuseköddel sind übrig von der schönen Weltkarte. Nur dorthin kann ein Iraner reisen, ohne zuvor die Hürden des Visums übersteigen zu müssen.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es viele andere Karten. Ich konnte sie nicht mehr fotografieren, denn die Ausstellung wurde abgebaut. Aber ich sah es: viele Afrikaner (Tschad, Zentralafrika u.a.) haben auch keine größere Bewegungsfreiheit als die Iraner. Und so viel Reisefreiheit wie jemand mit deutschem Pass – nein! Davon können die meisten Menschen dieser Erde nur träumen.

Hier noch ein Foto aus dem iranischen Kiosk: Zwei Mal „Der letzte Tag“. Junge akademisch gebildete Iraner verlassen  ihre Heimat. Viele solcher Fotos vom „letzten Tag“ machte die iranische Künstlerin.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Art Athena 2016, Reisefreiheit

  1. Myriade schreibt:

    Was wohl aus ihnen wird ? Der Iran ist aber immerhin ein muslimisches Land in dem es in jeder Hinsicht aufwärts geht. Das einzige ? Ich kann es so nicht sagen, aber mir fällt jedenfalls kein anderes ein

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  2. gkazakou schreibt:

    Ich weiß nicht, ob es das einzige ist. Spielt ja auch keine Rolle. Die Behinderung der Reisefreiheit ist von außen auferlegt – anders als es früher in den Ostblockstaaten war. Nicht der Iran baut die Hürden auf, sondern die USA und die von ihnen Abhängigen. Und das ist anscheinend so ziemlich die ganze Welt. Interessant fand ich, dass die Türkei offenbar nicht dazu gehört.

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    • teggytiggs schreibt:

      …Du hast unbewusst meine sofortige Frage beantwortet: „Die Behinderung der Reisefreiheit ist von außen auferlegt – anders als es früher in den Ostblockstaaten war.“
      …denn wir konnten ja auch nur in wenige ausgesuchte Länder reisen, als ich 18 war brauchte ich ein Visum für Bulgarien…

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      • gkazakou schreibt:

        Ja, teggytiggs, es war mir bewusst. Meine Familie war „zweigeteilt“ und so kenne ich die Quälerei der Grenzkontrollen seit meiner Kindheit. Wir „Westler“ durften in den „Osten“ (SBZ, Mitteldeutschland, Ostzone, schließlich „DDR“) nur zwecks Verwandtenbesuch reisen (Oma, Tante, Cousins und Cousinen) . So kenne ich eigentlich nur einen Teil Mecklenburgs und besuchte erst sehr viel später, nach der Grenzöffnung, Usedom (Geburtsinsel meines Vaters). Die Geburtsinsel meines Opas (Wollin) war mir noch verschlossen. Die anderen „neuen Bundesländer“ kenne ich gar nicht, da ich seit 1979 in Griechenland lebe.
        Als ich in Berlin studierte (1963-67), hatte ich als Westdeutsche das Privileg, nach Ostberlin fahren zu dürfen (die Westberliner durften es nicht). Ich besuchte einen Bekannten in einer „eingemauerten“ Wohnung. Die Fenster nach Westen waren zugemauert, denn das Mehrfamilienhaus stand sehr nah an der Mauer, und hinüberschauen war verboten….

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    • Martina Ramsauer schreibt:

      Als wir als Schweizer das letzte Mal mit dem Auto nach England fuhren, wurden wir aus der Kolonne genommen und musten separat anstehen,weil wir halt nicht zu Europa gehören!! Ich finde deine Informationen sehr wertvoll und sie zeigt wieder einmal, wie man in gewissen Ländern weniger Freiheit hat. Lieben Gruss Martina

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  3. barbarabosshard schreibt:

    spannende, aufschreckende, politische kunst-arbeit! ist die art athina eine jährlich wiederkehrende veranstaltung?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, liebe Barbara, die Art Athena ist ein jährliches Großereignis hier. Solche gute politische Kunstarbeit ist allerdings selten. Ich war fasziniert von der enormen Recherchearbeit und der sorgfältigen Umsetzung und hoffe, dass viele Menschen dies sehen. Leider wird das nicht der Fall sein, denn es wurde nicht an prominenter Stelle gezeigt.
      Mir wurde so sehr bewusst, wie privilegiert wir Europäer sind, und dass unsere „Weltoffenheit“ uns leicht gemacht wird. Haben wir uns die wirklich verdient? Wenn ich die dumpfe Reaktion vieler auf die „Fremden“ sehe, denn denke ich manchmal … Aber lass man, der Morgen ist schön und ich will ihn nicht mit unfreundlichen Gedanken belasten. Über der Stadt (Athen) lastet sowieso schon der Smog, der sich bei starker Sonneneinstrahlung besonders gerne bildet. Dir einen schönen Tag! Gerda

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  4. Claudia schreibt:

    Liebe Gerda,
    ich bin sehr beeindruckt, wie Künstler mit wenigen Mitteln – oder besser: mit besonderen Mitteln – so bedeutsam die Realität nicht nur darstellen, sondern auch in ihrer (Be-)Deutung ab- und nachbilden können: mit einer Weltkarte, mit Fotos. Da haben mich Deine Bilder schon beedruckt und ich würde wirklich gerne mehr Landkarten und mehr Fotos sehen.
    Vielen Dank, Claudia

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    • gkazakou schreibt:

      Ja Claudia, ich kann dich verstehen: auch ich war scharf darauf, möglichst viele Landkarten noch anzusehen. Leider schaffte ich nur wenige und auch die nur oberflächlich. Was sich in solch einer Karte alles an Leid und Angst und Hoffnung verbirgt! Dabei ist dies ja nur eine Momentaufnahme, die sich immer wieder ändern kann. Die Bürger eines Landes sind diesen zwischenstaatlichen bürokratisch-politischen Prozessen ausgeliefert, ihr potentieller Lebenshorizont wird durch diese menschengemachten Grenzen dramatisch eingeengt oder erweitert.
      Für einen Teil der deutschen Bürger war das ja auch eine tief prägende Erfahrung: erst Flucht und Verfolgung während der Nazi-Herrschaft und das Bangen, ob sich ein Visum auftreiben ließ, dann die Grenze im Landesinneren und die Aufspaltung der Welt in Ost und West.

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  5. kunstschaffende schreibt:

    Das zeigt wieder einmal wie klein Gedacht wird, was ist Europa im Vergleich zum Rest der Welt.
    Daher ist doch das Bestreben einer neuen Weltordnung viel wichtiger.
    Europa alleine kann dafür die Lösung doch nicht sein.
    Dazu müssten die Menschen und ihre Länder auch einen Wandel vollziehen.

    Nur so ein Gedanke.

    Danke Gerda Du forderst meine Gehirnzellen!

    LG Babsi

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