Kalenderblätter 1.-6.11, Legebild und Unschlüssigkeit

Gestern trafen wir Bekannte zu einem ausführlichen Gespräch in einer Taverne. Gegen Ende kam ich mit dem jungen Mann ins Gespräch, der in einem touristischen Anwesen einen Mehrzweckraum für allerlei Workshops, Musikveranstaltungen und Kino betreibt. (Ich berichtete hier darüber). Und ich fragte ihn, was er von einer Ausstellung im Rahmen von „Kunst hilft“ hält. Nachdem ich ihm das Konzept verklickert hatte, war er ziemlich angetan. Nun will ich mir den Raum genauer anschauen und sehen, ob er geeignet ist.

Noch bin ich unschlüssig, denn eigentlich dachte ich daran, mich aus dem ganzen Trubel auszuklinken und zu sehen, ob ich malerisch überhaupt noch was zustandebringe.

Heute setzte ich mich, nachdem ein anderer Besucher abgezogen war, ins Atelier und zeichnete die ersten 6 Kalenderblattseiten des November mit Ansichten des Raums und dem ganzen Kram darin. Ich begann mit dem 6. und ging bis zum 1.11. rückwärts: geöffnete Tür – Fenster mit Schreibtisch und Bücherschrank – Couchtisch mit Eulenbecher, Buntstifttäschchen und Tarotkarten auf gestreifter Decke – Bilderstapel vor Wand mit gerahmten Aquarellen – Sonnengong und Lampenständer – noch ein Bilderstapel.

Was soll mir der ganze Kram? dachte ich zum wiederholten Mal. Wäre es nicht angebracht, alles zu entsorgen, anstatt mich mit Ausstellungen und evtl. Verkäufen abzuplagen? Wäre ein leerer Raum nicht viel angenehmer? Und anstatt ernsthafte Bilder zu malen,  könnte ich leicht-sinnige und leicht-fertige Schnipselbilder legen?

Ein paar Papierfetzen lagen auf dem Schreibtisch, die zerriss ich noch ein bisschen mehr und legte ein Bildchen auf schwarzer Pappe.

Vielleicht habe ich da meinen inneren Zwiespalt gelegt: zwei Erwachsene mit unterschiedlichen Fahnen streiten sich über den richtigen Standpunkt, und mein inneres Kind hält eine Ente oder so an der Leine, schaut den Streithähnen verständnislos zu und denkt an Janosch.

Leider weiß ich, dass ich den Mumm nicht habe, „all den Kram zu entsorgen“. Also werde ich demnächst mal die Räume in der touristischen Anlage anschauen …

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Responses to Kalenderblätter 1.-6.11, Legebild und Unschlüssigkeit

  1. Das mit den Fähnchen hatte ich heute schon mal:

    Zwei junge Frauen befragten sich zu Literaturklassikern und neunen Romanen. Fanden sie etwa Thomas Manns Roman gut, hieften sie eine grüne Fahne, sonst ne rote. Inhaltliche Kritik zu den Werken gab es nicht, war auch nicht vorgesehen.
    Es war spaßig, quirlig und ganz und gar nicht intellektuell.

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  2. Zum Künstlertum habe ich demnächst einen Post: „Der Künstler und seine Runde“, so in etwa.

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  3. Avatar von dodderer dodderer sagt:

    „All der Kram“ ist Vergangenheit und Gegenwart zugleich – und hat damit auch eine Zukunft verdient. Also einfach mit dem Bewährten weiter und dem Neuen entgegen. Viel Freude damit- und das ist ja die Hauptsache☺️

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