Ist das gerecht? so frage ich mich, wenn ich meine beiden lieben Dicken auf dem Fernsehstuhl sich gemütlich umarmen sehe und ihre Großneffen und -nichten, diese Winzlinge, müssen draußen vor der Tür im Regen frieren.
Natürlich ist das nicht gerecht! Doch wie sagt schon der Bettlerkönig Peachum, als sich seine Tochter über Ungerechtigkeiten beklagt? (Bertold Brecht, Die Dreigroschenoper, Erstes Finale)
PEACHUM (mit der Bibel in den Händen):
Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erden,
da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein,
teilhaftig aller Lust der Welt zu werden,
zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein
Das ist des Menschen nacktes Recht auf Erden,
doch leider hat man bisher nie vernommen,
dass etwas recht war und dann war’s auch so!
Wer hätte nicht gern einmal Recht bekommen?
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.
Setz für „Menschen“ das Wort „Katzen“ ein, dann stimmts immer noch.
Aber was soll ich machen: sieben Kleine aus zwei Würfen, dazu deren Eltern und Onkel und Tanten kann ich nicht ins Haus nehmen. Draußen habe ich allerlei Behausungen hingestellt, es gibt auch Abstellräume, in denen sie Schutz vor dem Regen suchen können – aber diese drei wollen „draußen vor der Tür“ liegen und mein Herz erweichen. Immerhin gibt es über ihnen ein Vordach. Immerhin.
„Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! / Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“
(Bertold Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, Schlusszeilen)



Die wollen keine Abstellräume, die wollen alles. Jede pocht aufs Maximum.
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