Abschied von „unserer“ Taverne, Erinnerungen

Sie war ein Viertel Jahrhundert lang unser zweites Zuhause und unsere Postadresse. Nun macht sie dicht. Die Betreiber fühlen sich zu alt, und die Nachkommen konnten sich nicht einigen. Die Kosten sind zu hoch, die Arbeit ist zu viel, es rechnet sich nicht. Heute nahmen wir dort unsere Henkersmahlzeit mit Artischocken und Erbsen, kleinen Fischen, grünem Salat.

Es wird schwer sein, diesen Verlust zu kompensieren. Ein wichtiger Aspekt meiner Lebenswelt verschwindet. Natürlich gibt es andere Tavernen, und zu Hause kann man auch gut speisen. Auch werden wir auf die ausgezeichnete traditionelle Küche der Wirtin nicht verzichten müssen, auf Bestellung wird man sich Gerichte abholen können.

Aber es ist natürlich nicht dasselbe. Die menschliche Umwelt wird verschwinden, und auch die Atmosphäre der Taverne mit ihren vielen wohlbekannten Besonderheiten wird mir fehlen. Und so betrachtete ich heute mit Wehmut den Tanz der Bananenblätter im leichten Wind, das Sonnendach aus vertrockneten Palmblättern, die abblätternde Wand mit dem Rohr, an dem eine Katze von der Terrasse vorsichtig herunterstieg, die roten Dächer vor dem Panorama des Meeres, die Sonnentaler auf dem Tisch, und ich lauschte auf die Stimmen in meinem Rücken: alte, junge und ganz junge.

Und mir war, als löste sich diese Gegenwart schon von mir ab, verschwand wie ein Zauber, der nun erlosch.

Ich habe ein paar Bilder zusammengesucht, die in dieser Taverne entstanden sind.

November 2024: Postadresse. Gerhards Keramikblätter kamen an. Viele andere Postsachen wurden hier zuverlässig abgeliefert und verwahrt. (Wir werden uns eine andere Postadresse suchen müssen.)

Mai 2019: Zeichnung von Gläsern und Wasserkaraffe

Wasserkaraffe und Glas

Immer wieder Dächer und Rosen vor dem Meer

unsere Mani, fortgesetzt b 025

Dächer und Rosen

Lesestunde

Zeichnung: Bananenblätter und verwelkte Rodsen (September 2018)

 

Mai 2022; Blumenschmuck mit Dora

Juli 2026: plötzlicher Sommerregen

 

Mai 2022. Bananenblätter luftbewegt

Zeichnung, Juni 2023: Rote Dächer vorm Meer

April 2020: im Blumenkasten gesehen

August 2026: Minizine rund ums Essen

Dezember 2025: Lichtspiele durchs Wasserglas

November 2024: Gastwirt und Rosenstrauß

Juli 2020: Sonnentaler ausgestreut

August 2020: Kaleidoskop, durchs Wasserglas gesehen

Ein Amaryllenstrauß, arragiert vom Wirt.

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Responses to Abschied von „unserer“ Taverne, Erinnerungen

  1. Avatar von finbarsgift finbarsgift sagt:

    Zauberhaft schöne Impressionen 🍁💐😃
    Liebe Grüße vom Lu Finbar

    Gefällt 2 Personen

  2. Avatar von steinegarten steinegarten sagt:

    Ein schönes Abschieds-Potpourri 🙂

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  3. Avatar von Ulli Ulli sagt:

    Wie schade!
    Du hast eine schöne Abschiedswürdigung verfasst, liebe Gerda.

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  4. Avatar von Bruni | Wortbehagen Bruni | Wortbehagen sagt:

    Es geht eine ganz besondere Zeit zu Ende, liebe Gerda.
    Ein schönes *Bild* hast Du von ihr gezeichnet!
    Ich erinnere mich an viele schöne Beiträge, in denen die Taverne eine Rolle spielte!

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  5. Ich habe mal gelesen, dass es neben dem Daheim und der Arbeit einen dritten Ort braucht, um einen Ort zum Zuhause zu machen. Ich kenne das von mir gut. Die Taverne war es vielleicht für euch. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr wieder einen solchen Ort findet. Selbst der Ort schon lange ein Zuhause ist, gibt einem das doch viel.

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