Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das T.
Außer unseren gewöhnlich weißen Tellern gibt es einige wenige mit blauem Rebenmuster, das ich für mein heutiges Kalenderblatt wählte. Tomaten habe ich grad keine, also muss der leere Teller genügen. Ich stellte ihn etwas schräg auf den hölzernen Balkon-Lattentisch und zog beherzt eine ovale Linie. Die ist, wie hier im Kalender üblich, fröhlich verbeult.
Teller gehören heute zu unserer* Standard-Ausrüstung der Küche, aber seit wann ist das eigentlich so? Die Geschichte des Tellers ist nicht so dramatisch wie die der Gabel (hier), aber auch interessant. Die Urform des Tellers ist natürlich die Hand, aber auch ein großes Blatt, ein hohler Stein oder eine Holzscheibe (altfranzösisch taillor = Teller) konnten (und können) als Teller dienen. Arme Leute nahmen, sofern sie hatten, gern auch eine dicke Scheibe Brot als Teller, den sie mitaßen. Es gibt sogar Namen dafür: Komtschen oder Trenchern hießen solche dicken Brotscheiben.
Ich überspringe mal die römische Epoche, die reich an prunkvollem Tafelgeschirr, aber auch an einfachen Tontellern war. Diese Zeit versank mit der Zerstörung Roms und erhielt sich nur im Osten des Reiches. In unserem Teil Europas begannen die Adligen im Mittelalter damit, von Holz-, Zinn- oder sogar Silbertellern zu speisen. Die Kreuzzüge mit ihren Plünderungen trugen nicht wenig zu dieser Verfeinerung der Sitten bei.
Porzellan, obgleich seit Marco Polos Mitbringseln aus China bekannt (ca 620 n. Chr.), seither mit großem Gewinn von Holland importiert, und trotz vieler Versuche, es nachzuahmen, blieb lange Chinas Geheimnis. Erst 1708 gelang es dem hochgelehrten sächsischen Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und dem sächsischen Chemiker und Alchemisten Johann Friedrich Böttger, in Meißen weißes Porzellan herzustellen.
Die moderne Form des Tellers mit Rand und davon abgesetzter flacher Vertiefung bürgerte sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ein. Die industrielle Herstellung von Porzellan ermöglichte dann die Massenproduktion von erschwinglichem Geschirr. Daneben entwickelten sich all die lokal höchst unterschiedlich gemusterten Teller für den täglichen Gebrauch, das goldgerandete Festtagsgeschirr, der Ehrenteller und das Erinnerungsstück von einer Reise, an dem sich das Herz erfreut.
Heute? Nun, bei Partys haben sich wegwerfbare Teller aus Plastik oder Papiermasse durchgesetzt, die nur noch durch die aufgedruckten Muster an die schöpferischen Zeiten der bürgerlichen Kulturepoche erinnern. O tempora o mores!
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*“zu unserer Standard-Ausrüstung„: also zur europäischen und europäisch beeinflussten Form, in der man Essen darreicht oder verzehrt. Selbstverständlich ist das nicht überall der Fall. Zum Beispiel: In Südindien und Südostasien isst man traditionellerweise von großen Bananenblättern, auf den Philipinen werden bei traditionellen Festen lange Tische mit Bananenblättern und Mengen von Reis, Fleisch und Fisch ausgelegt, in Äthiopien und Eritrea serviert man Eintöpfe auf Fladenbrot, von dem jeder abreißt. Im Maghreb liebt man bis heute den gemeinsamen Schmortopf, aus dem alle mit den Händen essen. In Ostasien bevorzugt man individuelle flache Schalen, aus denen man mit Stäbchen isst etc pp.

Wir benutzten heute einen groben Teller für Mozarella mit Tomaten. Den hat meine Frau nur mit einer Gipsform als Grundlage aufgebaut. Diese schweren, nicht präzisen Teller gehen gut auf Keramikmärkten.
Praktische Dinge gehen eh gut.
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