Bilder-ABC und Kalenderblatt 4.9.: D wie Datteln

Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist D. D wie die süßen saftigen Datteln, die ich so gerne esse. Nicht nur ich esse sie gerne, natürlich, denn Datteln gehören zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit und sicherten immer schon das Überleben in Wüstengebieten. Der Fruchtzucker gibt mir einen Energie-Kick und die anderen Inhaltsstoffe geben meinem Organismus, was ich sonst noch brauche und ohne sie vermissen würde: vor allem Kalium, aber auch Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen. Hinzu kommen die Spurenelemente Kupfer, Selen, Mangan und Fluor, die Vitamine B1, B2, B6 und Vitamin A. Zu allem Überfluss enthalten sie Antioxidantien und die Aminosäure Tryptophan (eine Vorstufe des Glückshormons Serotonin).

Nur den hohen Kalium-Anteil kannte ich, den Rest ergoogelte ich und genieße die letzte noch verbliebene Dattel doppelt. Doch vorher habe ich sie auf der grünen Scherbe gezeichnet.

Wie immer interessiere ich mich für die Herkunft dessen, was ich esse. Und so erfahre ich, nachdem ich die Verpackung in alle Richtungen gedreht und gewendet habe, dass ich Medjool-Datteln aus Israel gekauft habe. Medjool-Datteln gelten als die Stars unter den Datteln, und Israel ist weltweit der bei weitem größte Vermarkter.  Die meisten Dattelpalm-Pflanzungen befinden sich aber nicht in Israels international anerkannten Grenzen, sondern im besetzten Westjordanland.

Ich lasse Google-KI für mich arbeiten, um herauszufinden, wie denn nun die offiziellen Zahlen sind. Und erfahre:

Direktvergleich der Medjool-Produktion

Bereich Jährliche Erntemenge (Medjool) Haupt-Vermarktungswege
Israel (Kernland) ca. 8.800 Tonnen Globaler Export & israelischer Inlandsmarkt
Israelische Siedlungen (Westjordanland) ca. 40.000 – 50.000 Tonnen Export weltweit (wird oft als „Produkt aus dem Jordantal“ deklariert)
Palästinensische Erzeuger (Westjordanland) ca. 15.000 – 22.000 Tonnen 60 % palästinensischer Binnenmarkt, 40 % zertifizierter Export (z. B. Europa/Arabischer Raum)

Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Datteln aus den Plantagen stammen, die auf geraubtem Boden und unter Missachtung der Rechte der lokalen Bevölkerung angebaut und geerntet wurden, ist angesichts dieser Zahlen groß.

Ich googele noch ein wenig weiter, um zu sehen, wie es mit der Kennzeichnungspflicht steht, und erfahre (Google-KI);

Die Thematik rund um die Exportbeschränkungen, Herkunftskennzeichnungen und das sogenannte „Date Laundering“ (Dattel-Waschung) bei Medjool-Datteln ist rechtlich und politisch hochgradig brisant. In Europa überschneiden sich hierbei strenge Verbraucherschutzrichtlinien mit geopolitischen Konflikten.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat bereits geurteilt, dass die alleinige Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen als „Produkt aus Israel“ unzulässig ist. [1]

  • Verpflichtende Transparenz: Produkte, die aus den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten (darunter das Westjordanland/Jordantal) stammen, müssen zwingend den Zusatz „israelische Siedlung“ oder eine geografisch unmissverständliche Bezeichnung (z. B. „Produkt aus dem Westjordanland (israelische Siedlung)“) tragen. Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher über den völkerrechtlichen Status des Herkunftsortes getäuscht werden. [1, 2]
  • Zoll- und Handelsvorteile: Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Israel gilt ausschließlich für Waren, die innerhalb der international anerkannten Grenzen Israels produziert wurden. Datteln aus den Siedlungen sind von den Zollpräferenzen ausgeschlossen und müssen mit regulären Drittlandszöllen belegt werden.

2. Das Phänomen des „Date Laundering“

Obwohl die gesetzlichen Vorgaben der EU eindeutig sind, gestaltet sich die Durchsetzung in der Praxis als extrem schwierig. Kritiker, NGOs und Branchenexperten weisen auf massive Umgehungsstrategien hin: [1]

  • Verschleierung der Lieferketten: Da rund drei Viertel der israelischen Medjool-Exporte im besetzten Jordantal angebaut werden, aber nur ein kleiner Bruchteil im israelischen Kernland (z. B. in der Arava-Senke), übersteigt das gemeldete Exportvolumen die tatsächliche Inlands-Kapazität bei weitem. [1]
  • Falsche Deklaration & Umverpackung: Um den Herkunftshinweis „Siedlung“ zu vermeiden oder Boykottaufrufen zu entgehen, werden Datteln aus dem Westjordanland häufig in Logistikzentren innerhalb Israels oder über europäische Zwischenhändler (z. B. über Verteilzentren in den Niederlanden oder Frankreich) neu verpackt. Auf den Verpackungen im Supermarkt tauchen dann fälschlicherweise Herkunftsländer wie Israel (Kernland), Palästina, Marokko, Südafrika oder gar Niederlande auf. [1, 2]

Auf meiner Packung steht „Israel“.  Und die importierende Firma hat ihren Sitz bei Athen. Darf ich mich auf das Labeling verlassen?

Manchmal ist es besser, nicht genau zu wissen, woher das stammt, was mir so gut schmeckt. Beim A wie Apfel konnte ich mir sicher sein, es sind arkadische Früchte; bei B wie Banane sieht es schon finster aus: Chiquita-Bananen sind diese jedenfalls nicht; bei C wie Chili gibt es gute Chancen, dass es ein heimisches Produkt ist; bei D wie Medjool-Datteln fühle ich, wie sich in die Süße Bitterkeit mischt und schwere Schatten auf meine grüne Scherbe fallen.

Wie hältst du es bei deinen Einkäufen? Machst du deine Wahl abhängig vom Herkunftsland und den Produktionsbedingungen? Immer? Manchmal?

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Farben, Kalenderblätter, Leben, Meine Kunst, Natur, Politik, Psyche, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Bilder-ABC und Kalenderblatt 4.9.: D wie Datteln

  1. Avatar von Ulli Ulli sagt:

    Nicht immer schaue ich ganz genau, aber oft.
    Im Bioladen gibt es Datteln aus der Türkei. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Boykotts haben einst funktioniert, heutzutage leider nicht mehr, wir müssen selbst entscheiden.

    Like

  2. Avatar von puzzleblume puzzleblume sagt:

    Dattel – das zu langweilige „Dattelbraun“ nicht zu wählen, sondern mit Violett, Orange und der Struktur der Trockenfrucht und einem lebhaft blaugrüen Hintergrund in einem lebhaften Bild darzustellen, hat mich überrascht.

    Die Deklarations-Wirren hat man ja leider bei vielen ursprünglich natürlichen Erzeugnissen, die dank Weiterverarbeitung, Verpackung und Importeuren am Ende eine unübersichtliche Angabe auf dem Etikett tragen.

    Tryptophan, das man u.a. auch in Banane und Kartoffel findet, ist das nichtsüchtigmachende Mittel der Wahl, das Maxima immer wieder gegen ihre Angst hilft.

    Bewusst Produkte aufgrund ihres Herkunftslandes nicht zu kaufen, ist mir inzwischen aufgrund der Vielfalt der als damit verbunden gesehenen Probleme bei teilweise Unausweichlichkeit keine Priorität beim Einkauf. Ich versuche, bei Auswahl Heimisches oder Europäisches vorzuziehen, aber selbst das wird, vor allem bei lose verkauften Obst und Gemüsesorten, oft unterlaufen, weil das Schild mit der Herkunft am Regal schlecht sichtbar angebracht oder nicht umgesteckt wurde.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..