Christiane zitierte heute das schöne alte Gedicht von Gryphius, das mit den Zeiten endet:
Der Augenblick ist mein/ und nehm’ ich den in acht
So ist der mein/ der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Die Zeilen klangen noch in mir nach, als ich heute am frühen Nachmittag, müde von der Fahrt von der Mani nach Athen, auf den Balkon hinaustrat. Einen Monat lang waren wir fortgewesen.
Wie zarte Obertöne – Antwort auf die Dichterworte – leuchteten mir drei große rosa-weiße Blütensterne entgegen. Einen Augen-Blick lang fühlte ich mit allem verbunden und in Frieden: Der armselige, in einer Ecke vergessene, stachelige, verunkrautete Bauernkaktus hatte dieses Wunder hervorgebracht.
Ich war genau zu dem Zeit.Punkt auf den Balkon hinausgetreten, als die Blüten den Höhepunkt ihrer Entfaltung erreicht hatten.
Einmal im Jahr nur treibt der Kaktus Blüten. Andere Knospen gibt es nicht, andere Blüten wird es nicht geben. Nur diese. Und sie öffnen sich nur für diesen einen einzigen Tag. Zu diesem Zeit-Punkt, als ich nichtsahnend auf den Balkon hinaustrete.
Jetzt, am Abend, sind die Blüten schon erschlafft.
Soll ich mich über ihr Verblühen mit Isolde Kurz‘ Zeilen trösten, die Christiane ebenfalls heute veröffentlichte?
Über ein Glück, das du flüchtig besessen,
Tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
Tröstet die alles heilende Zeit.
Nein. Der erfüllte Augen.Blick ist im Jetzt. Glück empfinde ich, wenn ich wahrnehmen kann, wie in einem Zeit.Punkt, im Jetzt, Gegenwart und Ewigkeit in eins fallen.




Und prompt zur Welkzeit stürzen sich hungrige Ameisen auf die Blüten, die dann vielleicht etwas Süße absondern, genau wie manche der Gedichtzeilen!
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